Wazzinger: Sexueller Missbrauchsprozess abberaumt

Ohne Anwalt

© Elisabeth Niesner

Wazzinger: Sexueller Missbrauchsprozess abberaumt

Weil sein Verteidiger, der Wiener Anwalt Manfred Ainedter, die Vollmacht gekündigt hat, wurde der für kommenden Donnerstag angesetzte Prozess gegen den "Taxi-Orange-Star" Walter Pirchl alias "Watzinger" bzw. "Wazzinger" wegen sexuellen Missbrauchs vor einem Innsbrucker Schöffengericht abberaumt. "Es herrscht Verteidigerzwang und der Gerichtsaufforderung, einen anderen Rechtsvertreter namhaft zu machen, ist der Angeklagte nicht nachgekommen", teilte Wilfried Siegele von der Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Amtsverteidiger?
Der "Trick", die Gerichtsverhandlung auf diese Art und Weise hinauszuzögern, funktioniere nicht. "Das nächste Mal wird verhandelt, da kann er machen, was er will. Hat der Angeklagte keinen Rechtsanwalt, wird ihm ein Amtsverteidiger zugewiesen", erläuterte Siegele gegenüber der APA. Ainedter wollte sich nicht zu den Gründen äußern, die zur Kündigung der Vollmacht geführt haben.

Ein neuer Prozesstermin steht vorerst nicht fest. Für den 36-jährigen in Wien wohnhaften Tiroler gilt die Unschuldsvermutung.

Anklageschrift
Bei einer Verurteilung liege das gesetzliche Strafmaß zwischen einem und maximal zehn Jahren Freiheitsstrafe, teilte der Staatsanwalt mit. In der Anklageschrift gegen Pirchl war neben dem sexuellen Missbrauch von Unmündigen auch vom Verbrechen des schweren Betrugs und vom Vergehen der Untreue die Rede.

Angeklagt ist auch ein Fall, der bereits zehn Jahre zurückliegt: "Wazzinger" soll ein damals fünfjähriges Mädchen zur "Unzucht" missbraucht haben, wobei die Taten eine schwere Körperverletzung zur Folge hatten. An einem sechsjährigen Buben soll Pirchl zwischen Mitte 2003 und Dezember 2005 "eine geschlechtliche Handlung vorgenommen" haben.

Untreue und Betrug sind die weniger schwerwiegenden Punkte der Anklage: Dabei geht es laut Anklageschrift um eine Forderung "Wazzingers" für sein Engagement als BZÖ-Wahlhelfer. Er habe seiner Bank ein angeblich gefälschtes Schreiben vorgelegt, das eine Forderung über 72.000 Euro bestätigte. Weiters soll Pirchl in Wien einen Pkw übernommen, allerdings die 3.300 Euro dafür nicht bezahlt haben. Seine Kreditkarte wurde zudem mit mehr als 6.000 Euro belastet, ohne dass sein Konto entsprechend gedeckt gewesen wäre.

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