Lauda-Interview

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"Wahnsinniger mit Kappl" im Glück

Niki Lauda ist gut gelaunt – und offensichtlich milde gestimmt. Zum Interviewtermin – wie immer ins Imperial – bittet er um 8.30 Uhr. Für Lauda-Kenner ist das sehr spät.

Turbo-Deal
Denn eilig hat er’s immer. Speed war stets Laudas Stärke und den hat er auch mit 61 Jahren nicht verloren. Zu Weihnachten traf er sich mit Air Berlin-Chef Joachim Hunold zum Skifahren. Tagsüber wurde gecarvt, am Abend kalkuliert. Keine zwei Monate später war der neue Deal unter Dach und Fach. Für 21 Millionen Euro hat Lauda 25,9 Prozent seiner Airline NIKI an die deutsche Air Berlin verkauft. Nun hält die deutsche Billig-Airline 49,9 Prozent an NIKI – ein Geschäft, laut Lauda zum Nutzen und Frommen beider.

Lauda und Hunold verstehen einander blind. Schon beim Start von NIKI im Jahr 2007 haben sie ein Jahr lang ohne Vertrag miteinander kooperiert. „Wir haben uns in die Augen geschaut und sofort verstanden. Ihm hat das Konzept damals gefallen. Dann hat er mir gezeigt, wie er es macht und am zweiten Tag haben wir beschlossen, das Projekt durchziehen“, beschreibt Lauda die Männerfreundschaft.

Niki Lauda (61) ist offensichtlich im Glück. Seit Donnerstag ist er um 21 Millionen reicher. Zu Hause warten auf ihn die zwei süßen Zwillinge Max und Mia (5 Monate) und Ehefrau Birgit (31). Kein Wunder, dass er bei einem derartigen Höhenflug nicht ans Aufhören denkt. „Ich fühle mich gesund. Es gibt keinen Grund, an Pension zu denken“, so Lauda im ÖSTERREICH-Interview.

Grantig wird er nur, wenn’s um Journalisten geht, die in ihm nur den „Wahnsinnigen mit’m Kappl“ sehen – und um Österreichs Politik.

Das große Lauda-Interview - "Seit dem Deal schlafe ich besser"

ÖSTERREICH: Was bringt Ihnen der Deal – außer 21 Millionen auf die Hand?
Niki Lauda: Da muss ich zum Anfang meiner Zusammenarbeit mit Joachim Hunold gehen (Air-Berlin-Chef, Anm.). Wir haben uns auf Anhieb verstanden, sprechen dieselbe Sprache und er hat 24 Prozent übernommen. Das ganze erste Jahr sind wir ohne Vertrag geflogen – auf Zuruf sozusagen. Jetzt war es meine Idee, die Struktur auf eine neue Basis zu stellen, die Synergien zu nutzen und die Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Deshalb die 51:49-Lösung. Jetzt schlafe ich besser.

ÖSTERREICH: Sie müssen aber in drei Jahren 40 Millionen an Hunold zurückzahlen – sonst ist Ihre Airline futsch.
Lauda: Blödsinn, die 40 Millionen sind kein Kredit, sondern ein Rahmen, auf den wir bei Bedarf zugreifen können. Bei Bedarf! Und den habe ich derzeit nicht. Dass ich diesen Rahmen irgendwie besichern muss, ist ja klar. Wenn die 40 Millionen in drei Jahren noch auf dem Konto liegen und NIKI ist mehr wert, hab ich auch noch was davon. Das wurde völlig falsch kommuniziert. Ich versteh’ ja manche Journalisten nicht. Egal, was ich mach’, es muss irgendwas dran faul sein. Wer bin ich? Der Wahnsinnige mit’m Kappl? Eine Zeitung schreibt: Der Niki hat die beste Bilanz, die er je hatte, aber Gerüchte sagen, er ist bankrott. Das ist ja so, als würde da stehen: Der Lauda hat ein Kind gekriegt, aber eigentlich ist er schwul.

ÖSTERREICH: Das mag aus der Zeit stammen, als Sie mit der AUA...
Lauda: Stimmt, das muss ich fairerweise sagen, dass viel von der AUA kommt. Wie die jüngste Gemeinheit, nicht einmal mein Kappl wäre österreichisch. Darüber kann ich nur lachen, es gibt keinen, der österreichischer ist als ich.

ÖSTERREICH: Sie wollen auf 27 Flieger aufstocken. Wie wollen Sie die Fehler der AUA vermeiden, von der Sie einmal gesagt haben, sie sei zu schnell gewachsen?
Lauda: Die AUA hat über die letzten 10 Jahre absolute Managementfehler gemacht. Auch ich habe aus der Vergangenheit gelernt. Ich habe gewisse Grundregeln aufgestellt und die erste war, keine Kredite aufzunehmen. Wir sind nur gewachsen, wenn auch Geld am Konto war. Und wir haben es nicht einreißen lassen, unnötiges Geld auszugeben. Das lebe ich auch vor. Vom Firmenhandy kann jeder um 25 Euro privat telefonieren. Wie ich mit der Birgit auf Urlaub war, hat sie natürlich täglich mit ihrer Mutter telefoniert, um zu fragen, wie es Max und Mia geht. Die Rechnung hat über 200 Euro ausgemacht und mein Finanzchef hat sie mir schmunzelnd gezeigt. Ich hab’ das gleich beglichen, denn ich muss die Firmenphilosophie ja vorleben.

ÖSTERREICH: Sie haben vor einem Jahr gemeint, 2009 wird ein ganz furchtbares Jahr. Jetzt stehen Sie mit einem Rekordergebnis da...
Lauda: Ich dachte vor einem Jahr, dass die Unternehmen bei den Flügen generell sparen werden und mehr über Mail, Videokonferenzen kommunizieren werden. Das war nicht der Fall. Die Unternehmen sind auf die Low-Cost-Airlines umgestiegen. Und siehe da: Die Business-Kunden sehen bei mir auch keinen Anlass, wieder zu wechseln. Manche Business-Kunden fliegen so oft mit uns, dass mein Bordpersonal sie schon mit dem Namen begrüßt.

ÖSTERREICH: Ein Streitpunkt zwischen NIKI und AUA sind die Landerechte für Russland. Kann’s eine Lösung geben?
Lauda: Ich habe den Kompromiss vorgeschlagen, die AUA soll auf einen weiteren Flug verzichten. Aber sie geben nichts her. Und das Verkehrsministerium traut sich nicht, gegen AUA/Lufthansa zu entscheiden. Was mich in dieser Problematik stört, ist, dass die AUA von der Politik geschützt wird. Sie verkaufen die AUA, stecken ihr noch 500 Millionen Euro rein und geben die geschützte Werkstätte Russland dazu. Warum die Politik so denkt, ist mir vollkommen unklar.

ÖSTERREICH: Sie werden doch eine Erklärung haben?
Lauda: Ich kann nur spekulieren, mir aber gut vorstellen, dass die Russland-Landerechte eine der Bedingungen der Lufthansa bei den Verkaufsverhandlungen waren.

ÖSTERREICH: Wie sieht für den Passagier die Zukunft des Fliegens aus? Sie sind in den 80ern mit mehr Service und gutem Essen angetreten. Jetzt will uns so ein Ire nicht einmal mehr aufs Klo lassen?
Lauda: Man darf dem Passagier nicht die Würde nehmen. Natürlich wird es immer billiger werden, aber es geht nicht nur über den Preis. Ich spare beim Overhead und sie bekommen bei mir am Flug nach Frankfurt gratis Frankfurter. Warme! Bei der AUA gibt’s Soletti.

ÖSTERREICH: Zu Privaterem: Wie wär’s mit einem Foto von Max und Mia?
Lauda: Diese Präsentation der Promis mit ihren Kindern widerstrebt mir. Die wollen ja nicht die Kinder herzeigen, sondern sich nur aufkosten der Babys in der Öffentlichkeit präsentieren. Widerlich! Da müsst ihr noch warten, bis sie in der Schule sind, vielleicht lassen sie sich dann mit mir fotografieren.

ÖSTERREICH: Wie läuft ein typischer Sonntag in der Familie Lauda ab?
Lauda: Das ist einfach zu erklären. Die Birgit macht das perfekt, das muss man ihr lassen. Mit zwei Babys alleine ist das ein Job von sechs Uhr in der Früh bis acht Uhr am Abend. Das wissen Sie ja, Sie haben ja auch Kinder ...Metzger: Nur einen Sohn, der ist aber schon 18 Jahre...
Lauda: Dann haben Sie in Ihrem Leben noch gar nichts zusammengebracht (lacht).

ÖSTERREICH: Welche Aufgaben übernimmt Papa Niki?
Lauda: Ich bin natürlich auch ein Teil von dem Ganzen. Wenn ich am Abend heimkomme, spielt Birgit meistens mit den Kleinen am Boden. Dann schnappe ich mir den Max und setze ihn zu mir. Ich habe ein mechanisches Mobile von Tinguely. Wenn ich es starte, lacht Max meistens, stoppe ich es, macht er große Augen. Das macht ihm Spaß. Mit der Mia spiele ich natürlich auch, aber der Max ist der Flinkere der beiden.

ÖSTERREICH: Bereuen Sie es rückblickend, das Babyalter nicht bei Ihren älteren Söhnen erlebt zu haben?
Lauda: Nein, dafür bin ich Automobil-Weltmeister geworden. Wenn Sie mich fragen, was ich lieber getan habe: Windeln wechseln oder Weltmeister werden, ist die Antwort ganz klar: Weltmeister.

ÖSTERREICH: Sie leben mit drei Nieren. Im Vorjahr haben Sie in Interviews gesagt, die Lebenserwartung der Nieren liege bei fünfzehn, zwanzig Jahren. Sollten Sie sich da nicht besser schonen, als zu expandieren?
Lauda: Mir geht es bestens. Die Spenderniere von der Birgit rennt wie ein Glöckerl. Es gab noch nie eine Niere, die von den medizinischen Parametern so gut mit meiner zusammengepasst hat wie jene von Birgit.

ÖSTERREICH: Es stimmt also nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch organisch...
Lauda: Richtig.

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