Murmelier Phil sagt Wetter voraus

Am 2. Februar

Murmelier Phil sagt Wetter voraus

Ginge es nach dem kleinen Nager Phil, so vermuten Tierfreunde, könnte man auf den "Groundhog Day", den berühmten Murmeltiertag am 2. Februar in den USA, getrost verzichten. Was soll das Ganze: ein müdes Wesen wie ihn aus dem wohlverdienten Winterschlaf zu reißen, nur um eine Prognose des Wetters zu bekommen? Doch Tradition bleibt vorerst Tradition: Schließlich ist der orakelnde Phil aus dem US-Staat Pennsylvania als "lebendes Barometer" eine feste Größe in der nordamerikanischen Meteorologie geworden.

Winter zu Ende?
So wird Bill Deely, Präsident des Murmeltiervereins im kleinen Örtchens Punxsutawney, kurz nach Sonnenaufgang wieder in Frack und Zylinder gekleidet zur Tat schreiten. Unter Jubelrufen wird er das verschlafene Murmeltier ans Tageslicht ziehen. Raus aus dem Bau! Sieht Phil dann seinen Schatten und zieht sich erschrocken zurück, müssen sich die Menschen auf sechs Wochen mehr Winter einstellen. Erblickt er aber keinen Schatten, weil der Himmel bewölkt ist, dann liegt Frühling in der Luft - und ist die Freude groß.

Phil ist ein Weltstar

Auch dieses Jahr wappnet sich Punxsutawney für eine Invasion von Schaulustigen und Medienvertretern. Denn spätestens der Film "Täglich grüßt das Murmeltier" hat Phil zu einem Weltstar gemacht. Seit der Schauspieler Bill Murray 1993 im Kino ein und denselben Tag wieder und wieder durchmachen musste, pilgern Zehntausende Menschen in das freundliche Städtchen. Mehrere Millionen Fernsehzuschauer verfolgen das Ritual.

"Phil ist mehr als nur ein Murmeltier - er ist eine Legende", sagt Ron Ploucha. Der pensionierte Highschool-Lehrer ist seit 1997 Mitglied in der 15-köpfigen Führungsriege des Murmeltierclubs. Sein Job: Das Orakel und dessen Ehefrau "Phillis" zu umsorgen. Der wievielte Phil im 126. Jahr der ungewöhnlichen Wettervorhersage schon in der Obhut des Vereins ist, will Ploucha nicht sagen: "Es hat schon immer nur einen Phil gegeben", beteuert er.

Murmeltiere werden laut Wissenschaft gewöhnlich nicht älter als zehn Jahre, aber dieser Nager sei eben außergewöhnlich, meint er augenzwinkernd. Jeden Sommer bekomme er ein magisches Elixier verabreicht. Das halte ihn so jung.

Tierschützer gar nicht glückich
Tierschützern indes geht der Brauchtum zu weit: "Es ist schlimm, dass Phil dieser stressigen Tortur allein zur Bespaßung der Menschen ausgesetzt wird", sagt Carrie Snider, Sprecherin von PETA. Die Tierschutzorganisation fordert schon seit längerem, Phil in den Ruhestand zu schicken und durch einen Murmeltierroboter zu ersetzen. "Wir glauben nicht, dass die Tradition dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird." Die Murmeltierianer sehen das natürlich anders. "Phil durch einen Roboter ersetzen - das ist doch albern", erwidert Ploucha.

Seinen Ursprung soll der "Groundhog Day" in den Legenden amerikanischer Ureinwohner und deutscher Siedler haben. Die christlichen Siedler glaubten, dass an Mariä Lichtmess, exakt 40 Tage nach Weihnachten, Murmeltiere aus ihrem Winterschlaf erwachen. Der seit dem 19. Jahrhundert gelebte Brauch ist so beliebt, dass nunmehr andernorts zahlreiche Murmeltiere Phil Konkurrenz machen.

Nicht besonders treffsicher
Phils Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken wird jedoch immer wieder bezweifelt. "Es ist nicht wirklich eine kluge Idee, den Schatten eines Murmeltiers als Vorhersage für das Wetter in den gesamten USA zu nehmen", schreiben Experten der US-Klimabehörde NOAA trocken. Tatsächlich: Die Vorhersagen von Phil trafen bisher nur in knapp 40 Prozent der Fälle zu. Letzten Winter lag das Murmeltier ganz falsch in der Annahme, der Frühling würde bald Einzug halten. Es kam ein Schneesturm, den der Volksmund "Groundhog Day Blizzard" taufte.

Den Anhängern von "Punxsutawney Phil" ist das herzlich egal. "Für eines kann ich garantieren: Phil ist um ein Vielfaches süßer als jeder bei der NOAA", sagt Ploucha. Ohnehin ist der Gelehrtenstreit müßig, denn der Wetterfrosch im Pelz binde sich in seiner Vorhersage an keinen bestimmten Ort. Ein laues Frühlingslüftlein oder ein Schneesturm findet sich irgendwo in den USA schließlich immer.
 

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