Israelischer Spion

Israelischer Spion

Weiterer Agenten-Thriller in Wien

Montag, 7.30 Uhr, Vienna Airport: Eine Flotte aus dunklen Limousinen fährt vor. Die Passagiere, um die sich auffällig unauffällige Anzugträger gruppieren: Israels Außenminister Avigdor Lieberman und der angebliche israelische Geheimagent Rafael Haddad (34).

Aber: Hinter ihnen liegt kein gewöhnlicher Staatsbesuch. Der Wien-Aufenthalt ist vielmehr das Ende eines mysteriösen Spionage-Krimis, der Israel seit März in Atem hält – mit Showdown in Österreich! Der Thriller im Zeitraffer:

März 2010: Haddad verschwindet plötzlich in Libyen – eigentlich wollte er nur das jüdische Erbe fotografieren. Er wird aber als „Spion“ verhaftet.

Berlusconi scheitert, dann schaltet sich Schlaff ein
April: USA, Frankreich und Italien versuchen, Haddads Freilassung zu erreichen. Italiens Premier Berlusconi und sein israelischer Kollege Netanjahu scheitern.

Anfang Juni: Israels Außenminister bittet den Wiener Milliardär Martin Schlaff um Hilfe. Schlaff hat gute Kontakte zu Gaddafis Sohn Saif. Und tatsächlich: Auf Schlaffs Vermittlung kommt Haddad frei.

Außenminister bricht sogar seinen Urlaub ab
Sonntag, 8. August: Der Showdown im „Agenten“-Krimi: Schlaff fliegt den Israeli mit seinem Privatjet nach Wien. Zur gleichen Zeit bricht Israels Außenminister Lieberman seinen Urlaub in Moldawien ab. Am Sonntag, um 22.01 Uhr, landet der Privatjet unter strengster Geheimhaltung in Wien. Haddad wird von Lieberman in Empfang genommen. Seine ersten Worte: „Ich bin froh, frei zu sein.“ Nach dem Check durch die Ärzte verbringt er die Nacht in der Villa von Schlaff.

Gaddafi tauschte Spion gegen Hilfslieferung aus
Montag, 9. August: Per Polizeieskorte werden Haddad und Lieberman zum Flughafen Wien gebracht. Um 10.44 Uhr heben sie mit der Boeing 767-300 der Austrian nach Tel Aviv ab.

Hintergrund des Deals: Im Gegenzug für den Spion durfte ein libysches Schiff am 14. Juli im ägyptischen Sinai-Hafen Al-Arish einlaufen. An Bord hatte der Frachter 20 Fertigteilhäuser, die für Gaza bestimmt waren und dort auch angekommen sind.

Österreichs Geheimdienst half bei der Übergabe
Haddad durfte von Sonntag auf Montag eine Nacht in Österreich bleiben, obwohl er den Pass in Libyen zurücklassen musste. Israels Botschafter Shir-On: „Nicht nur Herr Schlaff hat mitgeholfen. Es waren auch andere mit eingebunden.“ Offensichtlich waren Österreichs Behörden gut informiert und haben der Übergabe keine Steine in den Weg gelegt. Der Geheimdienst-Experte Siegfried Beer ist sicher: „Die heimischen Behörden und Geheimdienste waren voll informiert.“

Es ist bereits das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass in Wien eine Spionageaffäre zu Ende ging: Am 9. Juli war die schöne Russin Anna Chapman in Wien „getauscht“ worden.

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