06. Mai 2009 20:15
Bombe im Fall Natascha Kampusch: Wie ÖSTERREICH-Recherchen ergaben, könnte
Peiniger Wolfgang Priklopil bei seiner Tat bis zu fünf Mitwisser gehabt
haben. Ludwig Adamovich, Chef der Evaluierungskommission, die
Ermittlungspannen aufarbeiten soll, zu ÖSTERREICH: "Es gibt
offenbar mehrere Personen, die in der Causa Kampusch involviert waren und
zueinander sehr enge Kontakte gehalten haben.“
Soko Natascha
Adamovich verweist auf einen Zwischenbericht, den
seine Expertenrunde am Dienstag Innenministerin Maria Fekter übergeben hat.
Wie berichtet, fordert die Kommission in dem zehn Seiten starken Papier,
dass die laufenden Erhebungen der Polizei-Soko Natascha „mit Nachdruck
fortgesetzt werden.“ Die Kriminalisten haben Ende 2008 die Arbeit an dem
bereits geschlossenen Akt wieder aufgenommen, die vom Innenministerium
eingesetzte Adamovich-Kommission kontrolliert sie seither begleitend.
Polizeibericht
Informationen aus hohen Polizeikreisen zufolge
wird der Endbericht der Soko Natascha noch im Mai an die Staatsanwaltschaft
übergeben. Erste Details sickerten durch: "Es gibt Hinweise auf
Mitwisser, aber keine auf Mittäter.“ Immer wieder im Gerede: Priklopils
Freund und Geschäftspartner Ernst H. ("Ich kann nur ständig
wiederholen: Ich habe mit der Sache nichts zu tun“) und ein Greißler, der
Priklopil per Hauszustellung beliefert hat. Auch Teile der Porno-Szene
dürften eingeweiht sein: Besucher eines Sexklubs, in dem Priklopil Stammgast
war, sind im Visier der Ermittler.
Fekter schweigt
Nährboden für Spekulation bildet auch die
Geheimniskrämerei des Innenministeriums. Fekter-Sprecher Martin
Brandstötter: „Wegen laufender Ermittlungen können wir jetzt nichts sagen.“
Der Endbericht der Adamovich-Kommission wird vor dem Sommer erwartet. Peter
Pilz, Sicherheitssprecher der Grünen, fordert vorab die Veröffentlichung des
Zwischenberichts.
Natascha Kampusch will Bericht sehen
Natascha Kampusch selbst
übt Kritik an der Aufklärungsarbeit der Polizei. "Es wäre interessant, den
Bericht in seiner Gesamtheit zu sehen und nicht nur einzelne Sätze", hieß es
am Donnerstag aus dem Umfeld der 21-Jährigen. "Sie würde gerne den Bericht
sehen und nicht auf Aussagen aus zweiter und dritter Hand reagieren."
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Interview mit Peter Pilz:
ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die Ermittlungen im Fall Kampusch? PETER
PILZ: Der Fall muss ordentlich untersucht werden, das hat das
Innenministerium bisher verhindert. Das Ganze gehört
kriminalpolizeilich und parlamentarisch neu aufgerollt. Es ist gut,
dass sich Adamovich nicht beirren lässt.
Wurden bisher Ermittlungsfehler gemacht? Ja, wir haben
jahrelange Vertuschungen durch ÖVP-Minister im Fall Kampusch hinter
uns. Fekter wird uns nicht auskommen. Wir werden dafür sorgen, dass
nichts vertuscht wird.
Wie wollen Sie das erreichen? Der Bericht muss
veröffentlicht werden und auch an den Innenausschuss im Nationalrat
gehen. Und ich habe brisante interne Dokumente, die ich bald
veröffentlichen werde.
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