Asylwerber in Wien gefoltert:

"Du wirst sterben"

Asylwerber in Wien gefoltert: "Ich habe noch immer Schmerzen"

Elf Jahre, nachdem Bakary Jassey von Polizisten in Wien nach einem erfolglosen Abschiebeversuch in einer Halle schwer misshandelt und verletzt worden ist, hat er das damals Erlebte nach wie vor nicht aufgearbeitet. "Ich habe noch immer Schmerzen", sagte er dieser Tage in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" und der APA.

"Ich vermeide Treffen mit Polizisten"
"Ich bekomme noch immer Medikamente, ich bekomme Psychotherapie und auch Physiotherapie. Ich schlafe sehr schlecht, ich wälze mich von einer Seite auf die andere, wegen meines Rückens", erzählte Jassey. Auch mit längerem Sitzen und dem Tragen schwerer Lasten hat er Probleme. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, etwa Begegnungen mit Polizisten. "Ich bin immer verängstigt. Ich vermeide Treffen mit Polizisten", sagte Jassey.

Dabei hat er nun durchaus positive Erfahrungen mit der Exekutive, etwa in dem Grätzel im Süden Wiens, in dem er wohnt: "Wenn ich mit den Polizisten bei mir im Bezirk etwas zu tun hatte, ist das fast freundschaftlich abgehandelt worden." Bakary Jassey hat nach eigenem Bekunden auch nicht das Vertrauen in das österreichische Rechtssystem verloren, trotz des ob seiner Milde heftig kritisierten Urteils gegen seine Peiniger. "Ich habe Vertrauen in das System. Wenn mein Fall nicht anständig ermittelt worden wäre, hätte ich ihn verloren."

Bakary Jassey
Die drei Gewalttäter haben sich nie bei ihm entschuldigt. "Ich sprach nie mit ihnen. Die sind noch immer böse auf mich. Ich sah sie im Gericht, die haben sogar gelacht. Das ist inakzeptabel", schilderte Jassey. Die Entschuldigung des Innenministeriums sei aber eine "große Erleichterung" für ihn gewesen. "Das gibt mir Hoffnung." Sein Wunsch wäre: "Sie stellen sich vor eine Kamera, sagen, dass sie das getan haben, dass genug genug ist und dass sie gerne Bakary Jassey treffen und sich persönlich bei ihm entschuldigen wollen", sagte er.

Jassey betonte erneut, dass ihn drei der vier verurteilten Beamten misshandelten. "Der Vierte machte ein Video. Wenn ich ein schlechter Mensch wäre, könnte ich sagen, alle vier haben mich geschlagen. Aber das habe ich nie."

"Du wirst sterben"
Bakary Jassey sagte, er habe am 7. April 2006 und danach die Macht der österreichischen Polizei zu spüren bekommen. Das hätten sie ihm auch gesagt: "Wir sind die Polizei, wir sind mächtig, wir haben die Macht. Du wirst sterben." Und man habe "mit allen Tricks" versucht, den Fall unter den Teppich zu kehren. "Sie versuchten mich einzuschüchtern." Und er habe sogar Geldangebote erhalten.

Passiert sei ihm das, "weil ich ein schwarzer Mann bin", zeigte sich der aus Gambia stammende Jassey überzeugt. "Wäre ich ein Österreicher, ein Amerikaner oder ein Brite, wäre das nie passiert." Er glaubt aber, dass sein Fall auch etwas bewirkt hat. "Generell haben sich die Dinge für aus Afrika stammende Menschen mit der Polizei um einiges zum Besseren entwickelt."

Jassey will  mit Buch aufklären
Jassey glaubt auch, dass das am Sonntag veröffentlichte Buch "Wie es sich zugetragen hat" einiges bewegen kann. "Viele der Menschen, die gegen mich waren, wussten vieles nicht, was passiert ist. Sie bekommen nun einen vollen Einblick." Das Buch sei "nicht über Österreicher, es ist über Menschen, die ein Verbrechen begangen haben."

Bakary Jassey würde sich für die Zukunft sehr über einen Job freuen. Dabei gibt es allerdings Einschränkungen: Er kann nicht lange sitzen, und er darf wegen seines bei den Misshandlungen schwer in Mitleidenschaft gezogenen Rückens nichts Schweres tragen.
 

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