22. Juli 2010 15:21
Das erste Halbjahr 2010 sei weltweit das wärmste seit Beginn der Messungen
vor 130 Jahren. Die weltweite Durchschnittstemperatur von Jänner bis Juni
sei bei 14,2 Grad Celsius gelegen, das sei um 0,7 Grad mehr als das
langjährige Mittel im 20. Jahrhundert. Das zeigten der oberösterreichische
Umweltlandesrat Rudi Anschober (G) und Meteorologe Wolfgang Traunmüller
(bluesky Wetteranalysen) in einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz auf.
Auch der Juni sei der heißeste Juni in der Messungsgeschichte und außerdem
der 304. Monat in Folge, der wärmer ausfiel als das langjährige Mittel im
20. Jahrhundert. Das würden die Daten des US-Wetterdienstes NOAA belegen,
über die "spiegel online aktuell" informiere. "Das zeigt, dass wir keine
stabile Temperatursituation haben, sondern dass die Temperaturwerte nach
oben gehen", sagte Anschober. Die Klimakrise treibe die Temperatur nach
oben, derzeit global schon um etwa ein Grad. Im schlimmsten Fall steige die
Durchschnittstemperatur um bis zu sechs Grad bis zum Ende des Jahrhunderts.
Juni liegt auf Rekordkurs
Kurzfristige Schwankungen und Rekorde
könnten auch widersprüchlich auftreten, so habe die Durchschnittstemperatur
von Jänner bis Juni im oberösterreichischen Zentralraum 7,0 Grad betragen,
das sei um 0,3 Gad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Der Juni 2010
war hingegen in Oberösterreich mit 17,5 Grad Celsius um knapp ein Grad zu
warm, der Juli liege nach den ersten 20 Tagen mit durchschnittlichen 23,4
Grad auf Rekordkurs. Die Sommertemperatur werde überdurchschnittlich
ausfallen, der Rekordwert aus dem Jahr 2003 (21,6 Grad) sei aber praktisch
nicht mehr zu erreichen.
Betrachte man den Klimatrend, zeige sich, dass die wärmsten zehn Jahre seit
1880 ausnahmslos in den vergangenen 20 Jahren registriert wurden, sechs
davon in den vergangenen zehn Jahren. Traunmüller warnte: Dem Weltklimatrend
zufolge werde es fast jedes Monat wärmer. "Ein guter Indikator ist der
Dachsteingletscher, der zurückgeht", so der Meteorologe. Das
durchschnittlich etwa 50 Meter dicke Eis habe innerhalb von drei Jahren 2,20
Meter an Dicke verloren, hätten Messungen der Universität Innsbruck ergeben.
Ungenaue Prognosen
Eiszeiten und Warmzeiten habe es in der
Geschichte des Planeten immer schon gegeben, so Anschober weiter, der große
Unterschied sei das Tempo, mit dem sich die Temperatur ändere. Das sehe man
auch am Beispiel der Hochwassersituation, innerhalb von zwei bis drei
Stunden könne die Prognose total drehen, das Wasser bis zu 70 Zentimeter
steigen, erläuterte Anschober am Beispiel des Inns in Schärding in
Oberösterreich Anfang Juni.
Allein beim Klimaschutz gebe es keine parallele Kurve, was das Tempo
beträfe, so Anschober. Ein weltweites Abkommen täte not, in Europa sei das
Ziel: keine globale Temperaturerhöhung, die bis Ende des Jahrhunderts über
zwei Grad hinausgehe (derzeit vier Grad). Der Schlüssel dazu liege im
Umstieg in der Energieerzeugung.