25. März 2009 14:44
Josef Fritzl ist verurteilt. Der Horrorvater von Amstetten wird wohl nie
wieder freikommen. Er bekannte sich in allen Punkten schuldig. Eine Frage
wird jedoch immer wieder diskutiert: "Wie konnte der inzwischen
73-Jährige 24 Jahre lang unbemerkt das perverse Doppelleben führen?".
"Drei gegen einen"
Jetzt meldet sich die Linzer
Psychiaterin Adelhaid Kastner im Nachrichtenmagazin "Stern" zu
Wort - und berichtet über die 27 Stunden, die sie dem nun verurteilten
Mörder gegenüber saß. Fritzl habe zunehmend Angst davor gehabt, im Keller
überrascht zu werden. "Er hatte Bedenken, dass ihn da unten jemand
mal attackieren könnte. Am Schluss haben dort immerhin drei Erwachsene
gelebt. Also drei gegen einen", so Kastner im Interview.
Ihrer Einschätzung zufolge plante Fritzl offenbar, die im Keller
eingekerkerte Zweitfamilie nach oben zu holen. Er soll fest davon überzeugt
gewesen sein, dass sein Verbrechen nicht auffliegen und dass seine Tochter
E. ihn nicht anzeigen würde. Er sei sich bis zum Prozess nicht der Schwere
seine Taten bewusst gewesen.
Video brachte Wende
In dem Prozess in St. Pölten war es zu einer
überraschenden Wende gekommen, als Fritzl mit einer auf Video
aufgezeichneten Aussage der gepeinigten Tochter E. konfrontiert wurde. In
dem elfstündigen Video beschrieb sie, wie sie den Horror erlebte. Spätestens
an diesem Punkt sei "Fritzls Welt endgültig zusammengebrochen", so
Kastner.
"Das setzt jemandem am meisten zu, wenn er so etwas seiner Sicht der
Welt entgegen gesetzt bekommt und diese Sicht nicht mehr wegleugnen kann",
sagte Kastner. Die üblichen Strategien des bald 74-Jährigen, das Unrecht
auszublenden, das er seiner Tochter jahrzehntelang angetan hatte, hätten
nicht mehr gegriffen: "Er war erstmals ohne Entkommen zu können mit
einer anderen Sicht konfrontiert."
Das Gericht verurteilte den 73-Jährigen wegen Mordes, Sklaverei und
Vergewaltigung zu lebenslanger Haft sowie eine Einweisung in eine
geschlossene Anstalt.