In Polen Verhafteter eher nicht der Schütze

Tschetschenen-Mord

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In Polen Verhafteter eher nicht der Schütze

Bei dem in Polen verhafteten Turpal Ali J. dürfte es sich nicht um den Mörder, sondern um seinen Begleiter handeln. Der Landsmann des Opfers sei wohl einer der beiden Haupttäter, die Israilov mit einer Waffe verfolgt und getötet hätten - aber "eher nicht der Schütze", so Innenministeriumssprecher Rudolf Gollia am Montag. "Das ist die Vermutung, die sich auch auf kriminaltaktische Ergebnisse stützt."

Verdächtiger wird ausgeliefert
Der Mörder des 27-jährigen Israilov befindet sich demnach weiterhin auf der Flucht und wird gesucht. Die Auslieferung von Turpal Ali J. wurde bereits beantragt und wird laut Staatsanwaltschaft Wien "relativ rasch erfolgen". Es gebe "Signale", dass diese bald erfolgen werde, hieß es auch aus dem Innenministerium. "Entscheiden muss das die polnische Justizbehörde."

Bei der Staatsanwaltschaft zeigte man sich am Freitag nicht sehr glücklich über die Bekanntgabe der Festnahme - Grund ist die Fahndung nach dem noch flüchtigen Täter. "Schade, dass es draußen ist", so Sprecher Gerhard Jarosch. Ob es sich bei Turpal Ali J. um den Schützen oder den Komplizen handelt, wollte er nicht kommentieren. Die Einvernahme des Mannes würde erst in Österreich erfolgen, Spuren wie die DNA-Rückstände auf einer am Tatort gefunden Jacke hätten bei der Verhaftung jedenfalls eine Rolle gespielt. Über das Motiv gebe es keine neuen Erkenntnisse.

Gemeinsam mit Turpal Ali J. wurden vergangenen Donnerstag gegen 18.00 Uhr bei Warschau zwei weitere Tschetschenen im Hotel des Verdächtigen verhaftet. Die beiden Männer wurden nach Einvernahmen wieder freigelassen und dürften sich laut Jarosch nur zufällig bei dem mutmaßlichen Täter im Hotel aufgehalten haben. Die österreichischen Behörden erfuhren von der Festnahme am Freitagvormittag.

Umar Israilov war am 13. Jänner nach einer Verfolgungsjagd durch zwei Männer, von denen einer der nun Verhaftete sein soll, in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen worden. Der politische Flüchtling hatte seit dem Sommer 2008 mehrmals vergeblich um Polizeischutz gebeten. Die Familie des Opfers sprach nach der Tat von einer Verfolgung des 27-Jährigen durch Männer des Tschetschenen-Präsidenten Ramsan Kadyrow.

In den Tagen nach der Ermordung des politischen Flüchtlings hatte die Polizei in Österreich insgesamt acht Landsmänner des Opfers wegen mutmaßlicher Beteiligung festgenommen. Vier Personen wurden mittlerweile wieder enthaftet. Im Gefängnis sitzt u.a. der Tschetschene Otto K., der den Mördern als Fahrer des Fluchtwagens geholfen haben soll.

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