06. Juli 2010 18:30

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Sex-Affäre an nobler Privat-Schule

Erneut ist ein Missbrauchs-Fall im Umfeld der Kirche bekannt geworden. N. soll ein Jahr lang von seinen Lehrern vergewaltigt worden sein.

Sex-Affäre an nobler Privat-Schule
Sex-Affäre an nobler Privat-Schule
© APA/ Hochmuth

Vor zweieinhalb Monaten wurde die steirische Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic zur Opferschutzanwältin ernannt – seit damals kümmert sie sich um Anschuldigungen von Opfern sexuellen Missbrauchs im Umfeld der Kirche. Derzeit werden 200 Betroffene betreut, gestern trudelte die erste Klasnic-Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien ein.

Die Taten wurden von Tätern auf Video aufgezeichnet
Die Anschuldigungen (es gilt die Unschuldsvermutung) sind schockierend: Ein damals 11-Jähriger wurde von Bruder Paul Kaiser (57) und bis zu sechs weiteren Geistlichen und Schulangehörigen gleichzeitig vergewaltigt. Diese Sex-Attacken sollen sich über ein Jahr erstreckt haben.

Tatort war, laut Zeugenaussage der Mutter, das Internat der Schulbrüder in Wien-Strebersdorf. Im Schuljahr 1992

93 kam der hochbegabte Manuel N. in die angesehene Schule, die Mutter wollte ihm eine perfekte Ausbildung bieten.

Stattdessen kam der Horror. Auszug aus dem Protokoll: „Mein Sohn wurde von zwei Tätern festgehalten, während er von einem anderen vergewaltigt wurde. Er wurde von den Tätern abwechselnd gehalten und vergewaltigt. Das alles wurde (auf Video) aufgezeichnet“, so die Mutter zur Polizei.

Kind wollte sich mit Pillen selbst das Leben nehmen
Dieses grausame Ritual wiederholte sich anscheinend zwei Mal pro Woche. Angeblich wurden die Videos immer vor Vergewaltigungen vorgespielt. Die Kinder mussten zusehen, bevor sie selbst Opfer wurden.

Mutter Eva N. bekam lange nichts vom Martyrium ihres Sohnes mit. Erst, als er sich im Badezimmer mit einer Überdosis Pillen das Leben nehmen wollte, kam die Geschichte heraus. Manuel war schwer krank: Seine Verletzungen sind bis heute derart stark, dass er eine Invaliditätspension bezieht.

Seitdem versucht Eva N., den Fall vor Gericht zu bringen. In den 90er Jahren wurde das Verfahren aus „Mangel an Beweisen“ eingestellt. Eine der mit dem Fall befassten U-Richterinnen war damals die spätere FPÖ-Politikerin Helene Partik-Pablé. Die Schulbrüder meinen, ihre Unschuld sei bestätigt worden. Drei Gerichtsgutachter bestätigten laut Eva N., dass Manuel schwer misshandelt worden sei.

Die Schulbrüder und der Beschuldigte Paul Kaiser weisen jede Schuld von sich. Kaiser: „Sexuelle Übergriffe kann ich ausschließen.“ Die Staatsanwaltschaft prüft die eingelangte Anzeige.


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