03. Juli 2010 16:32
Die Wiener Ringstraße ist am Samstag einmal mehr zu schrillen Partyzone
geworden: Mehr als 100.000 Teilnehmer kamen zur Regenbogenparade,
um mit Musik und bunten Outfits gegen die Diskriminierung von Homosexuellen
zu demonstrieren. Richtig politisch wurde es bei der Abschlusskundgebung,
die am Abend am Schwarzenbergplatz unter anderem mit Frauenministerin
Gabriele Heinisch-Hosek (S) und der grünen Europasprecherin Ulrike Lunacek
stattfand.
Heinisch-Hosek verwies auf die vielen Vorteile, welche die mit Jahresbeginn
eingeführte Eingetragene Partnerschaft für schwule und lesbische Paare habe.
Die Ministerin versprach, für weitere Gleichstellungen zu kämpfen - was etwa
die Eheschließung betrifft: "Wir wollen das Standesamt." Ihre
Parteikollegin, die Wiener Sozialstadträtin Sandra Frauenberger, betonte,
sie kämpfe für eine Stadt ohne Homophobie. "Liebe darf nicht mit zweierlei
Maß gemessen werden", unterstrich sie und berichtete von bereits 240
Eingetragenen Partnerschaften in der Bundeshauptstadt.
"Transsexuellenrechte jetzt!"
Lunacek gab wiederum zu
bedenken, dass es in vielen Ländern noch nicht geduldet werde, eine
derartige Parade abzuhalten. "Aber in Zukunft wird es noch in mehr Städten
möglich sein, mitten im Zentrum schwul, lesbisch oder transgender zu sein",
zeigte sich die Grüne optimistisch. Marco Schreuder, grüner Mandatar in
Wien, kritisierte, dass die Eingetragene Partnerschaft noch immer mehr als
40 Unterschiede zum Eherecht mache. "Liebe ÖVP und FPÖ, wir wissen, was
Familien sind", verwies Schreuder auf das diesjährige Paradenmotto "We are
family!".
Auch bereits während des Ring-Umzugs, der ab 14.00 Uhr gegen die
Fahrtrichtung vom Stadtpark bis zum Schwarzenbergplatz führte, waren auf
Transparenten mehr oder weniger ernste politische Slogans wie
"Transsexuellenrechte jetzt!" oder "Freizügigkeit, Tuntigkeit und
Kampflesbentum" zu lesen. Spaß und Feierlaune überwogen aber deutlich.
Angeführt wurde der Menschenzug heuer von sechs Motorrädern und den
traditionellen Pride-Boys und -Girls in Körperbemalung.
Eigene Briefmarke von der Post
In Sachen Selbstinszenierung waren
der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Tracht reichte von Tierkostümen über
Engelsflügel bis hin zu Lack und Leder. Unter den rund 40 Wägen fand sich
auch in diesem Jahr wieder die pferdelose Kutsche der Sadomaso-Initiative,
die ungeachtet der heißen Temperaturen von acht lackgewandeten "Sklaven"
gezogen wurde. Im Velotaxi wurde - wie schon im Vorjahr - Hermes Phettberg
chauffiert, der der APA beschied, die Parade sei für ihn "wie Weihnachten
und Ostern zusammen".
Organisiert wurde die Regenbogenparade bereits zum achten Mal von der
Homosexuellen Initiative (Hosi). Zum 15. Jubiläum des Demofestes machte die
Post den Veranstaltern ein besonderes Geschenk. Sie legte eine eigene
Briefmarke auf, die nur am heutigen Tag bei einem speziellen Stand am
Schwarzenbergplatz gekauft werden konnte.