15. August 2010 18:02
Die 1.800 Einwohner-Gemeinde Wulkaprodersdorf nahe Eisenstadt, gestern früh:
Weil die Wulka nach schweren Regenfällen in der Nacht über die Ufer getreten
ist, steht der halbe Ort unter Wasser. „Die Situation ist kritisch.
Normalerweise liegt der Pegel der Wulka bei maximal einem halben Meter,
jetzt beträgt der Höchststand 4,20 Meter“, sagt Robert Csukovits, Kommandant
der Feuerwehr Wulkaprodersdorf.

Schwere Regenfälle zum zweiten Mal in 24 Stunden
Es scheint,
als würde dieser Sommer der Extreme kein Ende nehmen. Zum zweiten Mal
innerhalb von 24 Stunden wüteten in der Nacht auf Sonntag schwere Unwetter
über Ostösterreich. Am Freitagabend waren vor allem Wien und
Niederösterreich betroffen –in der Bundeshauptstadt brach der öffentliche
Verkehr zusammen, der Flughafen Schwechat musste gesperrt werden, Hunderte
Keller und Garagen waren überflutet. Die neuen Regenschauer Sonntagnacht
trafen am schlimmsten das nördliche Burgenland, die Steiermark und Tirol.
Bevölkerung half Feuerwehr bei den Aufräumarbeiten
Im
kleinen Wulkaprodersdorf schlossen sich gestern Freiwillige zusammen und
halfen der Feuerwehr bei den Aufräumarbeiten. Den ganzen Tag kämpften sie
gemeinsam gegen die Wassermassen. Das Hauptproblem: Die Böden waren schon so
feucht, dass sie kein neues Wasser mehr aufnehmen konnten. Überall Wasser,
Schlamm.
„Die Bevölkerung hilft, die Sandsäcke zu befüllen. Die Frauen sorgen für die
Verpflegung, dass die Menschen Kraft haben, uns zu helfen“, sagt
Feuerwehr-Chef Csukovits. Die Taktik ging auf: Im Laufe des Nachmittags ging
der Pegel leicht zurück, die Situation entspannte sich. Den Betroffenen
hilft das nur wenig. „Wir haben nicht einmal das Geld aus dem
Katastrophenfonds für die Unwetter vom Vorjahr erhalten. Die Angst vor neuer
Flut ist sehr groß“, sagt Willi Wohlrab.
Auch in der Oststeiermark wüteten wilde Unwetter: Vor allem in den Bezirken
Weiz und Hartberg gab es nach Blitzeinschlägen Schäden an Gebäuden.
Einfamilienhäuser gerieten in Brand, im Bezirk Hartberg musste die L416
wegen Murenabgängen und umgestürzten Bäumen gesperrt werden. In Tirol musste
im Ötztal Hochwasser-Alarm gegeben werden. Die Ötztaler Ache führte so viel
Wasser mit sich, dass 20 Häuser und 100 Bewohner in Umhausen evakuiert
werden mussten. Entwarnung ist nicht in Sicht: Laut Meteorologen sind auch
diese Woche sind immer wieder Unwetter möglich.