Warum kam der Callgirl-Ripper frei?

Skandal nach Blutbad

© SID GRAZ, Internet/Oasex.at

Warum kam der Callgirl-Ripper frei?

Ohne jede Bewachung durfte der ultrabrutale Vergewaltiger Friedrich Osterbauer aus dem Gefängnis spazieren – und schlitzte ein Callgirl auf.

„Wir prüfen intensiv, ob da alles korrekt abgelaufen ist. Wenn nicht, gibt es Konsequenzen für die Verantwortlichen.“ Donnerstag versuchte Justiz-Vollzugsdirektor Karl Drexler die Wogen nach der Messer-Attacke auf das Grazer Callgirl „Mia“ zu glätten.

Gefahr
Gewerkschafter der Justizwache hatten die Vorgehensweise des Leiters der Strafanstalt Karlau, Brigadier Franz Hochstrasser, als skandalös angeprangert. Er habe den brandgefährlichen Vergewaltiger und Entführer Haft-Ausgang gewährt, ohne den Kriminellen vorher von der Begutachtungsstelle für Sexualstraftäter in Wien untersuchen zu lassen. „Die Begutachtungsstelle hätte dann entschieden, ob von dem Mann weiterhin Gefahr ausgeht und er eingesperrt bleibt, oder er harmlos ist und Ausgang bekommt. Das ist in diesem brisanten Fall nicht passiert“, kritisiert Gewerkschafter Gerhard Puff.

Bordell
Als es zu dem Mordversuch an „Mia“ Magdalena D. kam, hatte Osterbauer bereits seit zwei Monaten zweimal wöchentlich die Strafanstalt stundenweise verlassen dürfen. Und jedes Mal nutzte er die Zeit für Schäferstündchen mit der feschen Bulgarin. Bei seinem letzten Besuch eskalierte die Situation jedoch. Der skrupellose Psychopath fühlte sich zurückgewiesen und explodierte. Zuerst würgte er „Mia“ mit einem Kabel, dann durchtrennte er ihr mit einem Messer die rechte Halsseite.

Riskant
Wie konnte so ein Mensch nur Freigang bekommen, fragt sich jetzt das ganze Land. Vollzugsdirektor Drechsler versucht zu erklären: „Es gab keinen Verstoß gegen geltendes Recht. Der Mann war wegen Einbrüchen und nicht wegen eines früheren Sexualdelikts inhaftiert. Die Zeit dafür hatte er schon abgesessen. Daher gab es keine Verpflichtung, ihn von den Spezialisten für Triebtäter begutachten zu lassen.“ Haft-Ausgang gebe es, um Gefangene wieder an das Leben draußen zu gewöhnen. Das würde die Rückfallquote senken. „Allerdings kann man nie hundertprozentig sicher sein, ob nicht doch was passiert“, so Drechsler.

Krise
Donnerstag war eine Krisensitzung in der Strafanstalt Karlau angesetzt. Leiter Hochstrasser geriet dabei heftig unter Beschuss – denn ein Expertenteam soll sich vor Monaten gegen den Freigang Ostbauers ausgesprochen haben – wurde aber nicht beachtet.
 

Fahndung
In den 90er Jahren versteckte sich der Flüchtige in der Buckligen Welt. Jetzt könnte er in sein altes Revier zurückgekehrt sein.

Im Dreiländereck Niederösterreich-Burgenland-Steiermark geht die Angst um. Die Bevölkerung zittert vor Friedrich Osterbauer, für den die Unschuldsvermutung gilt. Ermittler glauben, dass sich der unberechenbare Gewalttäter dorthin zurückgezogen hat. Jahrelang hatte er in dem Gebiet im Forst gelebt und die Polizei genarrt. Jetzt suchen ihn die Beamten erneut – mit technischen Tricks und einem enormen Aufgebot. Oberst Alois Eberhart: „Leider haben wir bisher nicht die geringste Spur. Aber wir fahnden so lange, bis wir ihn haben.“ Die Jagd auf den unheimlichen Waldmenschen geht weiter.

Heftige Kritik von Justizwache-Beamten: 'Ministerin trägt Schuld‘

ÖSTERREICH:
Sie bezeichnen den Haft-Ausgang Osterbauers als Skandal?
Gerhard Puff (FSG): Genau das ist es. Bei schweren Sexualstraftätern wie ihm hätte die Begutachtungsstelle für solche Fälle in die Entscheidung, ob er raus darf, eingebunden werden müssen. Wann sonst hätte das passieren sollen?

ÖSTERREICH: Bei wem sehen Sie die Verantwortung, wer sollte die Konsequenzen tragen?
Puff: Die Leitung der Karlau hat die Entscheidung über den Haft-Ausgang zu tragen, aber auch die Justizministerin, weil sie den Strafvollzug völlig vernachlässigt. Wir sind zum Wurmfortsatz geworden, da passieren solche Dinge.


"Mia": 'Ja, er war es'

Fünf Tage nach der blutigen Attacke des Messermanns Osterbauer konnte Callgirl „Mia“ Magdalena V. aus dem künstlichen Tiefschlaf geweckt werden. In einer sechsstündigen Not-OP hatten Ärzte der 29-Jährigen das Leben gerettet, nachdem der Psychopath ihr mit einem Stanleymesser beinahe die Gurgel durchgeschnitten hatte. „Wir haben ihr ein Foto des Verdächtigen vorgelegt“, so Ermittler Alois Eberhart, „sie flüsterte sofort, ja, der war es.“ Nunmehr ist der 48-jährige Steirer eindeutig als Täter identifiziert. Er soll jetzt allerdings längere Haare als auf dem Fahndungsfoto haben. „Mia“ steht nun unter Polizeischutz, genauso wie Osterbauers Ex-Frau.

Autor: Markus Hofer
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