Biker getötet: Polizist freigesprochen

Kein Vorsatz

Biker getötet: Polizist freigesprochen

Ein Polizeibeamter, der am 8. August 2008 in Wetzelsdorf (Bezirk Mistelbach) einen flüchtenden mutmaßlichen Motorraddieb erschossen hatte, ist am Freitag am Landesgericht Korneuburg vom Vorwurf der schweren Körperverletzung mit tödlichem Ausgang freigesprochen worden. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

In der Urteilsbegründung betonte Richterin Berta Perger, es sei schrecklich, dass ein Mensch zu Tode kam. Der Angeklagte habe sich aber korrekt verhalten und keinen Verletzungsvorsatz gehabt. Er habe zurecht annehmen können, dass es sich bei dem Motorradfahrer um eine gefährliche Person handelte. Der 46-Jährige habe sich mehrmals der Kontrolle durch die Polizei entzogen. Dass er auf einen Polizeibeamten losfuhr, sei rechtlich Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Auf Reifen gezielt
In der Kellergasse von Wetzelsdorf fuhr der Mann dann auf den Angeklagten zu, der gemeinsam mit einer Kollegin eine Sperre errichtet hatte. Der Polizist habe den Waffengebrauch mit einem Warnschuss angekündigt, dann sei es zur leider letalen Schussabgabe gekommen. Durch die Absenkung des Motorrades, das gerade von der Böschung herunterfuhr, war der - auf die Reifen gezielte - Schuss "leider tödlich", so Perger.

Der Angeklagte hatte am frühen Morgen des 8. August im Weinviertel mit Kollegen sogenannte AGM-Kontrollen durchgeführt. Dabei lag der Fokus auf - möglicherweise im Wiener Raum gestohlenen - "Risikofahrzeugen", also hochpreisigen Geländefahrzeugen, Kastenwagen und Motorrädern.

Davongerast
Um 3.40 Uhr näherte sich bei Gaweinsthal das spätere Opfer mit einer 182 PS starken Yamaha mit Wiener Kennzeichen. Beim ersten Versuch, ihn anzuhalten, bremste der Biker zunächst ab, beschleunigte aber kurz vor dem Beamten, der sich durch einen Sprung zur Seite rettete.

In der Kellergasse von Wetzelsdorf errichteten der Angeklagte und eine Kollegin dann eine Straßensperre, indem sie den Dienstwagen schräg zum Fahrbahnrand stellten. In der Lücke postierte sich der mit einer Warnweste bekleidete 26-Jährige, die Beamtin stand hinter dem Pkw. Das Motorrad näherte sich laut Staatsanwaltschaft mit etwa 70 km/h.

Bauchaorta verletzt
Als das Bike etwa 100 Meter entfernt war, rief der Polizist "Stehenbleiben oder ich schieße" und gab unmittelbar darauf einen Warnschuss ab. Er trat zur Seite und visierte das Motorrad an. Dieses fuhr durch die Lücke. Als das Motorrad etwa 15 Meter vom Dienstwagen entfernt war, soll der Beamte einen auf die Reifen gezielten Schuss abgegeben haben, der jedoch den 46-Jährigen in den Rücken traf und Herz sowie Bauchaorta verletzte. Der Mann verblutete. Bei Anwendung gehöriger Sorgfalt und Aufmerksamkeit wäre sein Tod zu vermeiden gewesen, hieß es in der Anklageschrift.

Der Angeklagte gab an, er habe auf die Reifen gezielt. Er war aufgrund der Fahrweise und des Verhaltens des Mannes davon überzeugt, dass es sich um einen Motorraddieb handelte. Im Nachhinein stellte sich damals heraus, dass der 26-Jährige mit seiner Einschätzung Recht hatte: In einem Bauernhaus des Getöteten in Drasenhofen fanden sich mehrere als gestohlen gemeldete Zweiräder. Es soll sich dabei um eine Art "Beutelager" gehandelt haben. Der 46-Jährige wies zudem mehrere Vorstrafen auf. Für die Tatrekonstruktion demonstrierte ein Test-Biker, dass die Darstellung, auf die Reifen gezielt zu haben, möglich ist, wenn der Schuss in dem Moment einschlug, als der in der Lücke zwischen dem Dienstwagen und der Reihe von Kellern auf die Böschung ausweichende Motorradfahrer wieder von der Böschung runterfuhr. Der Testfahrer sprach von einem ruckartigen Absacken der Maschine.

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