29. Jänner 2009 13:26
© Steinbacher/TZ Österreich
Seit einem Monat ist das neue Rauchergesetz in Kraft, jetzt hagelt es für
Gastronomen die ersten Strafen: Allein in St. Pölten wurden insgesamt sechs
Wirte zu Geldstrafen verurteilt. Auch im Burgenland flatterte einem Wirt
bereits eine saftige Strafe ins Haus.
Und: Mehrere Wirte werden in den nächsten Tagen Anzeigen erhalten. In Wiener
Neustadt (5 Anzeigen) und Bregenz (2) sind Strafzettel unterwegs.
„Kein Verständnis.“
Ein
ÖSTERREICH-Lokalaugenschein zeigt: Die betroffenen Lokalbesitzer haben für
die Strafen kein Verständnis.
Der erste Wirt, dem Strafverfügung von insgesamt 400 Euro ins Haus
geflattert sind, erzählt gegenüber ÖSTERREICH: „Ich traute meinen Augen
nicht, als am Mittwoch die erste Strafe kam. Diesmal wurden gleich 200 Euro
gefordert“, erzählt der Gastronom Hamed Abdel Rahman (54) von der Pizzeria
Oase. Bereits zuvor bekam er zwei Mal Strafverfügungen zu je 100 Euro.
„Einmal wegen schlechter Beschilderung und ein anderes Mal, weil ein Gast
geraucht hat“, ärgert sich Rahman. Zusätzlich machte er seit Anfang Jänner –
seit dem das neue Gesetz besteht – 60 Prozent weniger Umsatz.
Phantom erstattete Anzeige
Doch er ist nicht der Einzige. Die
Anzeigen in Niederösterreich konzentrieren sich auf das St. Pöltener
Einkaufszentrum Traisenpark. Problem hier: Sämtliche Gastronomiebetriebe
sind gegen die Mall, also dem öffentlichen Raum, hin offen. Im gesamten
Shopping-Center sucht man eine Rauchernische vergeblich. Eine räumliche
Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereich sei so kaum möglich.
Bisher ist unklar, wer die Wirte angezeigt hat. Die Vermutung der
Gestraften: Der Anzeiger ist ein „Phantom“ – ein engagierter Pensionist, der
seine Runden durch die Lokale dreht, selbst aber weder Gastronomen oder
Beamten bekannt ist. „Da ist ein privater Schnüffler und militanter
Nichtraucher unterwegs“, ist Rahman sicher.
100 Euro Strafen
Insgesamt können Verstöße gegen das Tabakgesetz
mit bis zu 2.000 € gestraft werden. Im Wiederholungsfall sind gar bis zu
10.000 € möglich. In St. Pölten dagegen wurden Bußgelder höchstens bis 200 €
verhängt. Grund für das geringe Strafmaß: Da man sich noch in der
Einführungsphase befinde, will man noch nicht rigoros strafen.
Trotzdem will Rahman die Strafe nicht annehmen. „Meine Kollegen und ich
werden gegen die Bescheide Berufung einlegen. Das lassen wir uns nicht
gefallen.“
Gesundheitsminister gegen Rauchverbot
Während es jetzt die
ersten Strafen hagelt, spricht sich ausgerechnet Gesundheitsminister Alois
Stöger im Radio Kulturhaus gegen ein totales Rauchverbot in der
Gastwirtschaft aus. Ein Trend bezüglich Nichtrauchen habe sich in den
letzten Jahren auch ohne dem Gesetz, das seine Vorgängerin durchgesetzt hat,
abgezeichnet. "Hier hat sich etwas weiterentwickelt. Auch in die
Gaststätten soll diese gesellschaftliche Entwicklung weitergetragen werden",
so der Gesundheitsminister.
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Interview mit Alois Stöger:
ÖSTERREICH: Sind Sie als Gesundheitsminister dafür, dass sich
Raucher ihr Laster abgewöhnen? Alois Stöger:
Jedenfalls. Die Raucher brauchen auf diesem Weg Unterstützung und
Hilfe. Durch das Tabakgesetz sind auch die Nichtraucherräume mehr
geworden.
Das Gesetz wird von allen Seiten kritisiert Der
Kompromiss, der am 1. Jänner in Kraft getreten ist, beschreibt einen
gesellschaftlichen Konsens.
Ist das nicht eine sehr raucherfreundliche Einstellung? Ich
nehme keine raucherfreundliche Haltung ein, sondern ich nehme eine
Haltung ein, dass die Entscheidungen des Nationalrates auch ernst zu
nehmen sind. Es ist ein Kompromiss, aber man sollte ihm eine Chance
geben. Wenn wir merken, dass es nichts bringt, wird man Initiativen
setzen müssen. Wir sehen uns das Gesetz nun ein Jahr lang an und dann
wird es evaluiert.
St. Pölten ist bisher die einzige Landeshauptstadt, wo Wirte
gestraft wurden. Zufrieden? Darum geht es nicht. Wichtig
ist, dass dem Gesetz eine Chance gegeben wird. Bei Nichteinhaltung
sieht es auch Sanktionen vor, wie dieses Beispiel zeigt.
Andere Städte wie Klagenfurt klären bisher nur auf.
Im Sinne einer starken Zivilgesellschaft ist zuerst Aufklärung
gefragt. Hält sich jemand beharrlich nicht an die Spielregeln, wird
allerdings zu strafen sein.
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