28. April 2008 10:12
Die Geheimwohnung dürfte Josef F. als Planungszentrale gedient haben. In der
Wohnung soll er die Abläufe im Kellerverlies und den hohen Aufwand dafür
geplant haben. Die Umbauten und auch die Versorgung der Tochter und ihrer
Kinder wurden detailliert vorgeplant. Jedes einzelne Papier werde dort jetzt
von den Ermittlern umgedreht, so Landeskriminalamtschef Polzer. Die
Planungen dort begannen ebenfalls bereits schon vor 30 Jahren.
Kein Zutritt für andere
Weniger später nahm der
Chefermittler das Wort "Geheimwohnung" und den Verdacht auf eine "Planungszentrale"
allerdings wieder zurück: Josef F. hat in seinem Haus in Amstetten auch
andere Räumlichkeiten außerhalb des Kellers exklusiv beansprucht, so Polzer.
Von einem Geheimversteck könne aber keine Rede sein, betonte er. Es habe
sich einfach um Räume im Haus gehandelt, zu denen F. den anderen Bewohnern
keinen Zutritt gewährte.
Alles zum Fall
Fritzl.
Letzte DNA-Spuren gesichert
Diese Woche sollen in dem Verlies
die Ermittlungen dahingehend beendet werden, DNA-Spuren zu sichern bzw.
Dokumentationen abzuschließen. Auch dürfte es noch Hohlräume geben, die
untersucht werden, berichtete Oberst Franz Polzer, Leiter des
Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ) am Dienstag.
Weitere Hohlräume vermutet
Die Ermittler gehen davon aus,
dass sie noch auf weitere Hohlräume stoßen werden. Sie vermuten aber nicht,
in diesen dramatische Funde zu machen. Dennoch werden diese untersucht,
erläuterte der Kriminalist. Polzer verwies darauf, dass in dem Keller "größte
Baubewegungen" stattgefunden hätten. Auch in weiteren Fragen, etwa wie
Josef F. die Familie in dem Verlies versorgt habe, werde "alles
überprüft", erläuterte der Polizeioffizier.
Polzer meinte, dass sich Josef F. im Verlies eine zweite Familie aufgebaut
habe. Wie mit seiner 68-jährigen Ehefrau habe er mit seiner 42-jährigen
Tochter sieben Kinder gezeugt. Die Motive dazu standen allerdings nicht
fest.
Weiterer Zugang entdeckt
Bereits seit dem Wochenende
konzentrieren sich die Ermittler auf den eigentlichen Tatort. Wie Oberst
Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes NÖ, am Montag ausführte, wurde
ein weiterer Zugang entdeckt, der in der Folge offenbar stillgelegt wurde.
Ihre
Meinung zum Fall Fritzl.
Betonklotz mit Stahltür
Dieser umfasste einen Betonklotz
mit Stahl- sowie Absperrtür. Er diente als Zugang zu einem etwa 35
Quadratmeter großen Raum. Insgesamt war das Gefängnis mit acht versperrbaren
Türen abgesichert, zusätzlich mit einer elektronischen Sicherung. Der
ursprüngliche Zugang war so gefinkelt angelegt, dass er zuerst sogar der
Spurensicherung verborgen blieb. Irgendwann dürfte er aufgrund der Schwere
der Türe, die sich mit dem Boden verkeilt habe, nicht mehr zugänglich
gewesen sein.
Verlies schon beim Hausbau geplant
Der Neubau des Hauses, in dem
sich das Verlies befindet, wurde bereits zwischen 1978 und 1983 gebaut.
Bereits bei der Planung des Hauses müsse laut Polizei beabsichtigt gewesen
sein, einen Raum zu schaffen, der der Baubehörde verborgen geblieben sei.
Die Idee müsse beim Tatverdächtigen Josef Fritzl bereits damals vorhanden
gewesen sein.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Schleusen und versteckte
Gänge
Schleusen und versteckte Gänge
Als Kinder auf die Welt
kamen, wurde es zunehmend eng, der Verdächtige schuf Durchbrüche für die
Erweiterungen. Der ursprüngliche Durchgang, erreichbar durch einen
Technikschacht, dürfte zunehmend schwerer zu öffnen gewesen sein, weshalb
die von den Kriminalisten vor eine Woche entdeckte Türe geschaffen wurde.
Polzer verwies auf die Verzweigtheit der gesamten mit Zylinderschlössern
gesicherten Kellerräume und sprach von regelrechten Schleusen. Alle
Hohlräume müssen bereits vorhanden gewesen sein - denn ansonsten wäre es
nicht möglich gewesen, derart große Mengen an Erde unbemerkt aus dem Haus zu
schaffen.
UV-Lampe und Vitaminpräparate
Primarius Berthold Kepplinger
vom neuropsychiatrischen Landesklinikum Mauer berichtete Erfreuliches zum
Gesundheitszustand jener Familienmitglieder, die seit 24 Jahren bzw. seit
ihrer Geburt ohne Tageslicht eingesperrt gewesen waren: Die
Lichtempfindlichkeit bessere sich, ebenso das Hautkolorit und die
Raumorientierung der Kinder. Die heute 42-Jährige habe von ihrem Vater
verlangt, ihr und den Kindern Vitamin-D-Präparate und eine UV-Lampe in das
völlig fensterlose Verlies zu bringen.
Mieter werden befragt
Die Ermittlungsarbeiten am Tatort werden
in dieser Woche abgeschlossen. Weiters werden Befragungen im Umfeld des
Verdächtigen geführt, verwies Prucher auf insgesamt mehr als 100 Mieter, die
im Lauf der Jahre in dem Mehrparteienhaus des Verdächtigen gewohnt hatten.
Es gehe darum, das Privatleben des 73-Jährigen zu rekonstruieren, Beweise
zur restlosen Aufklärung des Falles zu sammeln und der Justiz ein
umfangreiches Bild zu liefern.
Lesen
Sie hier: Wie die Behörden versagten.
Heizraum-Kessel kontrolliert
Erst letzte Woche stießen die
Ermittler auf neue Fakten. Im Keller des "Horror-Hauses" der
Familie Fritzl in Amstetten hatte 1999 die letzte Feuerbeschau
stattgefunden. Doch die Opfer, die sich in den Räumlichkeiten nebenan
befunden haben mussten, wurden nicht entdeckt. Wie Hermann Gruber, Sprecher
des Bürgermeisters Herbert Katzengruber am Tatort am Mittwoch betonte, sei
dabei ein Kessel in einem "eigenen, abgeschlossenen" Heizraum
kontrolliert worden.
Eingang zum Verlies war verstellt
Dieser habe sich außerhalb von
dem Verlies befunden. Gruber erläuterte, dass der Eingang zu dem Verlies mit
einem Regal verstellt gewesen sei. Die Opfer wurden damals nicht entdeckt.
Lesen
Sie auf der nächsten Seite: Auch Bruder von E. hatte einen Schlüssel und: So
sieht das Verlies aus
Auch Bruder von E. hatte Schlüssel
Das Verlies in dem E.
die letzten 24 Jahre eingesperrt war, ist nur 1,70 Meter hoch und hatte eine
Gummizelle. Keiner der Mieter des Hauses ahnte etwas von dem grausigen
Geheimnis. Gegenüber der deutschen Zeitschrift "Brigitte"
äußerten sich jetzt ehemalige Mieter des Hauses, dass ein Sohn von Josef F.,
demnach ein Bruder von E., regelmäßig im Keller unten war. Er stellte sich
den Mietern als Hausmeister vor. Er habe einen Schlüssel zum Keller gehabt,
um Werkzeug zu holen. Diesen aber immer wieder hermetisch abgeschlossen.
Er hat nichts mitbekommen
Auch dieser Bruder will nichts von den
Vorgängen im Kellerverlies mitbekommen haben. Für die Polizei liegt das im
Bereich des möglichen. Vor dem eigentlichen Verlies habe es einen großen
Arbeitsraum gegeben. Josef F. verbot allen diesen Raum zu betreten, nur der
eine Sohn durfte den Raum betreten. Die große Metalltür war hinter Regalen
gut versteckt. Die Polizei brauchte längere Zeit, um den Eingang zu finden,
obwohl sie wusste, wonach sie zu suchen hatte. Der Bruder von E. hatte aber
keinen Grund zu vermuten, dass es im Keller ein Verlies geben könnte.
Deswegen schließt die Polizei eine Mittäterschaft des Bruders nahezu aus.
Das war das Verlies
Auch wenn man heute nur erahnen kann, was
sich in dem Keller in einem Haus in Amstetten abgespielt hat, am Montag
gaben erste veröffentliche Fotos aus dem Verlies zumindest einen Eindruck,
unter welch furchtbaren Umständen die 42-Jährige E. mit ihren Kindern hausen
musste. Die Welt der Gefangenen erstreckte sich auf 60 Quadratmeter, ohne
Licht und ohne jede Kontaktmöglichkeit nach außen.
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(c) Info-Grafik, Tageszeitung ÖSTERREICH
Massive Stahlbetontüre
Versperrt war das Verlies mit einer
massiven Stahlbetontüre mit Elektromotor, die nur mit einer Fernbedienung
mit Zahlencode zu öffnen ist. Der Eingang war hinter einem Regal versteckt.
Durch einen etwa fünf Meter langen Gang und ein Schlupfloch gelangte man in
ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, wo sich eine veralterte Kochmöglichkeit
sowie eine Toiletten- und Duschanlage befindet.
Gespenstisches Bad
Das karge Bad mit dem alten Alibert-Schrank
und einem Joghurtbecher zum Zähneputzen zeigt gespenstisch, dass hier
tatsächlich einmal Menschen ihre Kindheit verbringen mussten. Kleine
lächelnde Zeichentrickfiguren, offenbar selbstgemalte Sterne und ein
aufgestellter Spielzeugelefant wirken angesichts des Ausmaßes des Schreckens
in den Räumlichkeiten aber eher anklagend als trostspendend.
Zwei Schlafräume mit Betten
In dem Verlies sind auch zwei
Schlafräume mit zwei Betten, die ebenfalls von Kinderhand mit Sternen und
kleinen Zeichnungen geschmückt worden sind. Ein Fernseher mit einem
Videorekorder und ein Radio waren das einzige "Fenster", das eine
Welt jenseits der Kellermauern erahnen ließ.
Das Verlies in dem "Horror-Haus" in Amstetten weist eine Größe von "50
bis 60 Quadratmetern" auf.