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Tötungsmaschinerie mit 100.000 Todesopfern

KZ Mauthausen

Tötungsmaschinerie mit 100.000 Todesopfern

Mauthausen war das größte Konzentrationslager auf dem Gebiet des heutigen Österreich. Rund 200.000 Menschen wurden dort gefangen gehalten. Etwa die Hälfte davon überlebte die Vernichtungsmaschinerie nicht. Wer die Gedenkstätte, die heute dort angesiedelt ist besucht, kann sich diese Zahlen schwer vorstellen, denn neben dem erhaltenen Bereich gab es zahlreiche Außenlager.

Die Nationalsozialisten verloren wenig Zeit nach ihrer Machtübernahme: Bereits im April 1938, wenige Tage nach dem "Anschluss", begann die SS Verhandlungen wegen des Erwerbs von Grundstücken in Mauthausen. Am 8. August trafen die ersten Gefangenen aus dem KZ Dachau ein. Die Anlage dehnte sich rasch aus, bei ihrer Befreiung durch amerikanische Soldaten am 5. Mai 1945 umfasste sie mehr als 40 Außenlager, die über das gesamte Gebiet des heutigen Österreich verteilt waren.

Bis 1943 war Mauthausen ein reines Vernichtungslager. Es wurde als KZ der Stufe III - mit den härtesten Haftbedingungen - klassifiziert. Besonders schlimm traf es Juden, Roma und Sinti. Aber auch Tschechen, Russen, republikanische Spanier sowie arbeitsunfähige und kranke Gefangene wurden ermordet. Viele Häftlinge wurden im Steinbruch über die berüchtigte Todesstiege gestoßen, fielen grausamen medizinischen Versuchen oder der Gewalt der Aufseher zum Opfer, etliche starben an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Seit 1941 war eine Gaskammer Teil der Tötungsmaschinerie. Die Leichen wurden in eigenen Krematorien verbrannt, vorher nahm man ihnen noch alles Wertvolle ab, sogar das Gold aus den Zähnen.

Je länger der Krieg dauerte, umso mehr Häftlinge wurden in den Außenlagern als Arbeitssklaven, etwa für die Rüstungsindustrie, eingesetzt. Die "Zentrale" in Mauthausen entwickelte sich immer mehr zu einem Sterbelager für Gefangene, die zu schwach für die schweren Tätigkeiten waren. Im Rahmen der "Aktion 14f13" transportierte man etwa 4.000 kranke und politisch unerwünschte Häftlinge des KZ Mauthausen und des Außenlagers Gusen in die Euthanasieanstalt Hartheim, wo sie vergast wurden.

Als klar war, dass der Krieg verloren ist, ergriffen die SS-Angehörigen in der Nacht auf den 3. Mai 1945 die Flucht. Die Wiener Feuerschutzpolizei übernahm die Bewachung des KZ. Am 5. Mai trafen erstmals Einheiten der US-Armee in Mauthausen ein, Häftlinge übernahmen die Kontrolle über das gesamte Lager. Große Teile wurden von den Alliierten u.a. wegen der Seuchengefahr niedergebrannt. Seit 1949 ist der Kernbereich des ehemaligen KZ eine Gedenkstätte.

Viele Verantwortungsträger entzogen sich durch Flucht oder Selbstmord der Gerichtsbarkeit. Der ehemalige Lagerkommandant Franz Ziereis wurde im Mai 1945 von amerikanischen Soldaten aufgestöbert und erschossen, dem als "Doktor Tod" bekannten KZ-Arzt Aribert Heim gelang es sich abzusetzen. 61 Personen mussten sich 1946 in einem US-Militärprozess in Dachau verantworten. Der Großteil, unter ihnen der ehemalige Gauleiter von Oberdonau August Eigruber, wurde zum Tod verurteilt und hingerichtet, die übrigen bekamen lebenslange Haftstrafen. Gegen wie viele Personen insgesamt Verfahren wegen der Verbrechen in Mauthausen eingeleitet wurden, ist unbekannt.

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