Nach Horrorunfall: Lenker auf freiem Fuß

Zwei tote Frauen

© APA

Nach Horrorunfall: Lenker auf freiem Fuß

Sonntag um 0.45 Uhr fuhr er zwei Frauen zu Tode. Um 3.30 Uhr wurde Rene G. verhaftet. Um 23.10 Uhr desselben Tages durfte er aus der U-Haft schon wieder nach Hause.

Die Empörung über den Entscheid der Grazer Staatsanwaltschaft ist nicht nur in der obersteirischen Ortschaft groß. Vizebürgermeister Herbert Spitzer meinte zu der schnellen Entlassung von Rene G. nur: "Ich kann das nicht verstehen. Der Bursche ist doch gefährdet.“

Damit spricht der Politiker an, was sich viele - nicht nur in Vorau - denken. Dass sich der 18-Jährige, der im Vollrausch sechs Menschen aus dem Ort niedergemäht und zwei Frauen getötet hat, selbst etwas antut. Oder, dass aufgebrachte Angehörige oder Freunde der Opfer auf den "Täter am Volant“ losgehen. Ein ermittelnder Polizist zu ÖSTERREICH: "Meiner Meinung nach hätte man den Verdächtigen 14 Tage in U-Haft behalten sollen. Erstens, damit er Zeit zum Nachdenken hat. Zweitens zum Schutz für ihn selbst. Drittens, damit sich die Stimmung in Vorau beruhigen kann. Und viertens auch als generelle Abschreckung.“

Verdächtiger zerfloss im Verhör in Selbstmitleid
Die Staatsanwaltschaft sah’s aber anders. Rene G. sei bei der Einvernahme voll geständig gewesen, er sei Österreicher, sozial und familiär integriert, Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr sei daher ausgeschlossen. Und so darf der junge Schlosser auf freiem Fuß seinem Prozess wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen (Strafrahmen bis zu drei Jahre) entgegensehen.

Beim Verhör in der Ausnüchterungszelle zerfloss der junge Obersteirer vor allem in Selbstmitleid: Ja, er habe das Zehn-Jahres-Fest des Biker-Cafés "Zwoaradl“ besucht, habe sich betrunken. Als er seine Freundin Monika „aus den Augen verlor“, wollte er woanders hin. Ohne Ziel, einfach so und ziemlich schnell.

Anzeige wegen Beihilfe für schwangere Frau?
Wie berichtet, setzte er sich mit 1,8 Promille hinters Steuer des grünen VW Golf seiner Lebensgefährtin. Nach nur 300 Metern kam es zu dem Drama, bei der vier Menschen verletzt und Annemarie H. (24) sowie Lisa R. (20) getötet wurden.

grafik Grafik: (c) TZ Österreich

Tatsächlich hat Rene G. keinen Führerschein, aber einen Zweitschlüssel, mit dem er den Wagen in Betrieb nehmen konnte. Jetzt ermittelt die Polizei auch gegen Monika P. (28). Zu klären ist nämlich, ob Rene ihr den Schlüssel heimlich entwendet hatte oder ob sie wusste, dass ihr Freund (nicht nur in dieser Nacht) mit ihrem Auto fuhr. Im letzteren Fall müsste die schwangere Frau mit einer Anzeige wegen Beihilfe zu einer Straftat rechnen.

Ein weiteres tragisches Detail wurde jetzt bekannt. Annemarie H. und Lisa R. (die beide in Wien lebten und nur für das Fest nach Hause gekommen waren) befanden sich erst auf dem Wegzu der Open-Air-Party auf der Kring-Wiese. Sie hatten ihre Autos im Ort stehen lassen, weil beide strikte 0,0-Promille-Fahrerinnen sind, als der Alko-Raser auf sie zugeschossen kam …

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