01. Februar 2010 14:00
Heftige Kritik hat der Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, Peter
Veider, am Verhalten jenes Lawinenopfers geübt, das am Sonntag trotz
Warnstufe "3" und ohne Lawinenausrüstung mit den Tourenskiern unterwegs
gewesen war. "Das ist unverantwortungsvolles, total egoistisches Verhalten,
das überhaupt kein Nachahmungspotenzial hat", meinte Veider. Der 28-jährige
Extremsportler Stefan Widauer lag 70 Minuten 1,40 Meter unter den
Schneemassen und überlebte stark unterkühlt.
Notfallaustrüstung
"Einem Extremsportler muss ich zumuten
können, dass er die Standardnotfallausrüstung (Lawinenpieps, Schaufel,
Sonde, Anm.) und ein Handy dabei hat", meinte der Bergrettungschef. Sein
Verhalten sei besonders auch unverantwortlich seinen Kameraden und den
Bergrettern gegenüber. "Solche Leute gefährden das Leben der Retter",
kritisierte der 53-jährige Experte. Immerhin seien bei ähnlichen
Lawinenunfällen in dieser Wintersaison im Trentino bereits vier Bergretter
und in der Schweiz ebenfalls mehrere Einsatzkräfte gestorben.
Der nach 70 Minuten unter den Schneemassen überlebende Widauer solle sich
nicht als "Held" fühlen und dürfe nicht als ein solcher angesehen werden,
sondern müsse sich schämen, sagte Veider. Ein derartiges Benehmen sei
"idiotisch". Die Überlebenschance liege nach 15 Minuten unter den
Schneemassen bei 93 Prozent, sollte das Lawinenopfer nicht sofort getötet
und sich eine Atemhöhle geschaffen haben. Danach gehe es "steil bergab".
Demnach sei auch die Kameradenrettung am wichtigsten. "Nur die Begleiter
können innerhalb der 15 Minuten an Überlebenschance das Leben des Opfers
retten, nicht die Bergrettung", appellierte Veider. Deshalb sei jeder im
Gebirge aufgefordert, adäquat mit der Standardnotfallausrüstung als
Grundausrüstung ausgestattet zu sein, um jedem helfen zu können - nicht nur,
dass einem selbst geholfen werde. Ein Ego-Denken sei am Berg nicht
angebracht, meinte der seit 23 Jahren aktive Bergretter.
Grundsätzlich solle bei einer wie am Wochenende herrschenden
Lawinenwarnstufe "3" nicht mehr ins Gebirge gegangen werden. "Gerade wenn es
geschneit hat und in Kombination mit Wind herrscht akute Lawinengefahr. Ich
brauche kein Experte zu sein, um das zu wissen", sagte Veider. Vor dem
Tourenstart sollten ohnehin Wetterbericht sowie Lawinenwarndienst abgeklärt
werden.
Der Extremsportler Widauer war am Sonntagvormittag mit einem Kollegen von
Auffach in der Wildschönau (Bezirk Kufstein) über den Schatzberg in Richtung
Lämpersberg gegangen. Gegen
11.50 Uhr wurde der 28-Jährige beim Abfahren über einen 40 Grad steilen Hang
von einem rund 35 Meter breiten Schneebrett erfasst, bis zu 80 Meter
mitgerissen und verschüttet. Weder der Verschüttete noch sein
Begleiter hatten die Notfallausrüstung dabei. Mit dem Mobiltelefon setzte
der Kollege einen Notruf ab und begann mit zwei durch Hilferufe alarmierten
Skitourengeher die Suche nach dem Lawinenopfer. Die Bergrettung Auffach
konnte den Verschütteten laut Polizeiangaben schließlich nach rund 70
Minuten 140 Zentimeter unter den Schneemassen ausgraben und bergen. Er hatte
sich eine Atemhöhle geschaffen, war bei Bewusstsein und wurde mit einer
starker Unterkühlung in die Klinik Innsbruck geflogen.