Dieser Wiener Bahnhof hat eine dunkle Geschichte

Mahnmal eröffnet

Dieser Wiener Bahnhof hat eine dunkle Geschichte

Fast 100 Jahre lang hat der Aspangbahnhof in Wien-Landstraße überdauert, bevor er 1977 endgültig abgerissen wurde. 1881 eröffnet, diente die Verkehrsstation zu Monarchiezeiten als Ausgangspunkt für Züge Richtung Süden. Die Nationalsozialisten machten den Bahnhof zu einem Ort des Grauens. Zehntausende Menschen wurden von hier aus in Ghettos und Konzentrationslager deportiert.

Im Bereich des Bahnhofs befand sich zuvor der Wiener Neustädter Kanal, der für die Schifffahrt allerdings zunehmend unwirtschaftlich wurde. 1879 wurde diese im Wiener Stadtgebiet eingestellt, die Wasserstraße bzw. das Hafenbecken trocken gelegt und zugeschüttet und stattdessen die Eisenbahnhaltestelle errichtet. Das Aufnahmegebäude war im historisierenden Renaissancestil gehalten und beherbergte auch ein modernes Postamt inklusive Rohrpost und Telegrafenstation.

Deportation Zehntausender Juden

Von hier aus fuhren die Züge Richtung Süden ab - eben bis nach Aspang im Wechselgebiet. Der ursprüngliche Plan, die Strecke bis an die kroatische Grenze zu führen, war verworfen worden. Die Fahrt Wien-Aspang betrug drei Stunden und 20 Minuten. Ab Aspang wurde der Verkehr dann über den Wechsel Richtung Graz geführt.

Mit der NS-Machtübernahme spielte die Verkehrsstation dann eine wichtige Rolle in der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Ab 1939 wurde hier die Deportation von Juden abgewickelt. Bis 1942 gingen zahlreiche Züge ab, die die Menschen zuerst in die sogenannten Auffanglager von Rest-Polen, später nach Theresienstadt, und von diesen weiter u. a. in die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka oder Maly Trostinez transportierten. Dort fand die große Mehrheit der Opfer den Tod.

Von mehr als 47.000 Deportierten kamen nur rund 1.000 Menschen zurück. Angehörige der Volksgruppe der Roma wurden ebenfalls vom Aspangbahnhof in das Lager Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Ab 1943 erfolgten die Deportationen vom Nordbahnhof.

Heute Stadtentwicklungsgebiet "Eurogate"

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Aspangbahnhof unter britischer Kontrolle. Danach verfiel die Strecke mangels Renovierungen zusehends. Mit der Eröffnung der S-Bahn-Haltestelle Rennweg in unmittelbarer Nähe verlor der Aspangbahnhof jede Funktion und wurde für den Personenverkehr gesperrt. Das Bahnhofsgebäude selbst wurde 1977 abgerissen, die Gleisanlagen entfernt bzw. verlegt und das Gebiet Anfang der 2000er-Jahre unter dem Namen "Eurogate" zum Stadtentwicklungsgebiet für Wohnungen, Büros und Grünflächen erklärt.

Vom früheren Bahnhofsgelände ist heute nichts mehr zu erkennen. Lediglich ein Straßenschild "Platz der Opfer der Deportation" und ein Gedenkstein erinnerten bisher an die düstere Geschichte des Areals. Das hat sich mit der Realisierung des Mahnmals, das symbolische Schienenstränge in einem grabähnlichen dunklen Betonblock münden lässt, geändert. Die Gedenkstätte samt großzügiger Erklärungstafel wurde am Donnerstag offiziell eröffnet.

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