Ganzer Bezirk wehrt sich gegen Asylheim

In Wien

Ganzer Bezirk wehrt sich gegen Asylheim

In ein leer stehendes Bürogebäude in Wien-Liesing sollen ab Anfang März bis zu 750 Asylwerber einziehen. Dagegen machen seit einigen Wochen eine Bürgerinitiative und die FPÖ mobil. Nun haben zwei Bürgerversammlungen stattgefunden, eine davon gestern, Dienstagabend. Laut dem Wiener Flüchtlingskoordinator Peter Hacker wurden dabei u.a. Gerüchte und Falschmeldungen aus der Welt geschafft.

"Ich glaube schon, dass es gelungen ist, ein bisschen mehr Objektivität hineinzubringen. Und wirklich ändern wird sich das Meinungsspektrum erst durch Erleben. Jetzt ist das Ganze für die Bevölkerung in Liesing noch eine virtuelle Einrichtung. Die gibt es ja noch nicht", zog Hacker, der auch Chef des Fonds Soziales Wien (FSW) ist, im APA-Gespräch am Mittwoch nach den beiden stattgefundenen Versammlungen Bilanz.

Neben Sicherheitsbedenken gab es bei den Teilnehmern vor allem Unwissen darüber, wie viele Menschen nun tatsächlich in der Unterkunft leben sollen. Denn ursprünglich kursierte, dass es bis zu 1.400 sein sollen. Dabei handelte es sich um eine "Falschmeldung", stellte der Flüchtlingskoordinator klar - und erzählte, wie es dazu kam. Bei einer Sitzung wurde einst nachgedacht: "Würden wir dieses Quartier mit Matratzen auslegen, dann könnten 1.400 Matratzen in diesem Haus liegen. Wir haben aber nicht geplant, Matratzen aufzulegen. Das haben wir auch gesagt, aber das ist untergegangen."

Adaptierung
Derzeit erfolgt die Adaptierung des Gebäudes in der Ziedlergasse - Sanitäreinrichtungen wurden eingebaut oder Großbüros in Schlafräume umgewandelt. Kommende Woche steht die Lieferung der Betten auf dem Programm. Ab März sollen dann zunächst 350 Bewohner einziehen. Dabei handelt es sich um Familien, die bereits in anderen Wiener Quartieren wohnen, aber umziehen müssen, weil ihre Unterkünfte geschlossen werden. Die weitere Belegung sei noch nicht fix, die Kapazität solle aber nicht voll ausgeschöpft werden.

Der Vertrag ist laut Hacker auf ein Jahr befristet. Eine Option auf Verlängerung sei nicht vorgesehen, aber: "Wenn wir mehr Plätze brauchen als im Augenblick abzusehen ist, kann es auch sein, dass wir schauen, das Quartier verlängern zu können." Wobei die Unterkunft jedenfalls zeitlich befristet sein wird, da der Eigentümer plant, auf dem Areal Wohnungen zu errichten. Überhaupt sei die Immobilie als Notquartier konzipiert - "wo die Leute so kurz wie möglich bleiben sollen, bis sie in ein echtes Grundversorgungsquartier übersiedeln".

Das geplante Großquartier Ziedlergasse steht derzeit zwar im Fokus der Öffentlichkeit - wobei: Es handelt sich nicht um das einzige in der Stadt. Es gibt sogar größere, zum Beispiel die Unterkunft in der Vorderen Zollamtsstraße, wo weit mehr als 1.000 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es laut FSW in Wien 30 Notquartiere und 71 reguläre Grundversorgungseinrichtungen. Derzeit werden täglich 4.800 Übernachtungen in Notquartieren registriert, 20.560 Menschen befinden sich in der Grundversorgung.

Bis Mai zehn weitere Unterkünfte
Bis Mai sollen etwa zehn weitere Grundversorgungsunterkünfte mit circa 500 Plätzen dazu kommen. "Wir haben laufend Quartiere, die wir übersiedeln müssen, weil wir großteils Quartiere haben, die wir befristet bekommen haben", erklärte Hacker. Weitere Quartiere im Ausmaß der Ziedlergasse seien derzeit aber nicht geplant, hieß es. Diese seien auch keine befriedigende Lösung, wie der Flüchtlingskoordinator betonte: "Wir wollen eigentlich keine großen Quartiere."

Abschließend übte er Kritik - auch an der Politik -, denn es würden derzeit Bilder transportiert werden, "die mit dem echten Leben nichts zu tun haben": "Natürlich gibt es auch bei Flüchtlingen das eine oder andere Gfrast, aber rein grundsätzlich bleibe ich dabei: Das sind Menschen, die vor Angst und Terror geflohen sind. Und wenn man die Menschen kennenlernt, dann weiß man, dass das auch so ist." Der weitaus größere Teil der Flüchtlinge würde sich bemühen, "sich so unauffällig wie möglich in dieser Stadt zu bewegen und ist höchst interessiert daran, in dieser Stadt ein ganz ein normales, ruhiges Leben aufzubauen und für die Kinder zu sorgen. Das ist unsere Erfahrung im Alltag."



 

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