ATIB: Erdogans Spitzel-Netzwerk

Pilz zeigt ATIB an

ATIB: Erdogans Spitzel-Netzwerk

Wien. Kinder, die am Jahrestag der Schlacht von Gallipoli (im Ersten Weltkrieg) in einer Moschee in Wien-Brigittenau in Tarnuniform exerzieren und sogar Gefallene – „Märtyrer“ – mimen müssen. ÖSTERREICH brachte die Skandalbilder vergangene Woche. Aggressive Moscheenbesucher, die Kameraleute und Reporter attackieren. Und eine Islamische Glaubensgemeinschaft, die muslimische Mädchen und Frauen zum Kopftuchtragen vergattert und sich gegen das geplante Kopftuchverbot für Kinder zur Wehr setzt.

Rund um den türkischen Moscheenverein ATIB eskaliert die Lage. Für ÖSTERREICH erklärt jetzt der Aufdecker Peter Pilz, wie ATIB arbeitet und wie groß die Gefahr durch den Moscheendachverband ist, der in einem gläsernen Bürogebäude in Wien-Favoriten residiert.

 

Mehr als 60 Moscheen in acht Bundesländern

■ Direkt von Ankara gelenkt. ATIB – zunächst ein harmloser Moscheenverein – wird jetzt durch die türkische Re­ligionsbehörde Diyanet, den Religionsattaché in der türkischen Botschaft in Wien sowie den Residenten des türkischen Geheimdienstes MIT gelenkt. „Die Befehle kommen direkt aus dem Büro des türkischen Premierministers“, sagt Pilz. 65 Gebetsstätten in acht Bundesländern betreibt der Dachverband (siehe Grafik). Doch was macht ATIB wirklich?
■ Bespitzelung. Laut Pilz bespitzelt das ATIB-Netzwerk „türkischstämmige Österreicher, Kurden und österreichische Politiker“. Pilz hat deshalb ATIB bereits wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeit angezeigt.
■ Gegengesellschaft & Kampfauftrag. In den Moscheen, so Pilz, würden Kinder – und das zeigen ja auch die Fotos – paramilitärisch im Sinne Erdoğans erzogen. Und Frauen wurden auf Geheiß des „Sultans“ angewiesen, zu Hause zu bleiben und auch nicht Deutsch zu lernen.
»ATIB verteilt TV-Receiver mit einer ORF-Sperre«
Pilz: „Hier wird eine Gegengesellschaft aufgebaut und Integration von Türken verhindert.“ ATIB verteile TV-Receiver, die für ORF-Programme gesperrt seien und nur türkische Regierungssender empfangen.
■ Glaubensgemeinschaft. Zudem habe ATIB inzwischen längst auch die Islamische Glaubensgemeinschaft IGGÖ übernommen. „AKP-Politiker von Erdoğans Sohn abwärts fahren mit Geldkoffer nach Wien und finanzieren das alles.“
 
Pilz fordert von der Regierung die Auflösung von ATIB, Innenminister Kickl sei säumig.
 
Peter Pilz © Stögmüller
 

Pilz: "Innenminister muss ATIB umgehend auflösen"

ÖSTERREICH: Sie warnen seit Jahren vor ATIB. Was hat es mit dem türkischen Moscheenverein auf sich?
 
Peter Pilz: ATIB war ursprünglich ein eher harmloser Moscheenverein. Doch seit zehn Jahren wird er zum Instrument von Präsident Erdoğan umgebaut, das beinhart seine Ziele in Österreich verfolgt und unsere Türken bespitzelt.
 
ÖSTERREICH: Wie geht denn das vor sich?
 
Pilz: ATIB wird über die Religionsbehörde Diyanet und den türkischen Religionsattaché in der Wiener Botschaft gelenkt. Die Befehle kommen direkt aus dem Büro des türkischen Ministerpräsidenten in Ankara. Bespitzelt werden türkischstämmige Österreicher, Kurden und österreichische Politiker.
 
ÖSTERREICH: Jetzt gibt es aber ein Islamgesetz, das genau das verhindern soll.
 
Pilz: Das ist aber löchrig. Das Kultusamt kann ATIB fragen, ob sie Geld aus der Türkei bekommen – und ATIB kann dazu Nein sagen. Keiner kann das kon­trollieren. Hier ist eine Gesetzesverschärfung nötig.
 
ÖSTERREICH: Sie sind sicher, dass ATIB aus der Türkei finanziert wird?
 
Pilz: Es fahren doch AKP-Politiker aus der Türkei mit Geldkoffern nach Österreich. Sogar Erdoğans Sohn war in Wien – obwohl ein Haftbefehl Italiens gegen ihn aufrecht ist.
 
ÖSTERREICH: Was soll die Regierung jetzt machen?
 
Pilz: Innenminister Herbert Kickl muss ATIB sofort auflösen. Er hätte das schon längst tun sollen und ist hier aus unverständlichen Gründen säumig.
 
ÖSTERREICH: Sie werden ATIB erneut anzeigen?
 
Pilz: Ja, ich werde am Montag Anzeigen erstatten: eine bei der Staatsanwaltschaft und eine bei der Vereinsbehörde.
 
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