Ärzte-Reform ist nun fix

1 Mrd Einsparung

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Ärzte-Reform ist nun fix

Still und heimlich haben Ärztekammer und Hauptverband seit Februar am neuen Kassenreformpaket geschmiedet. Am Dienstag nun soll das Paket, das zwischen 2009 und 2013 deutlich mehr als eine Milliarde Euro einsparen soll, von der Trägerkonferenz des Hauptverbandes abgesegnet werden, spätestens am Freitag soll die Bundeskurie der Ärzte, am Samstag der Ärztekammertag grünes Licht geben.

Vergessen sind die wochenlangen Streite aus dem Vorjahr: Tausende Ärzte waren im Sommer gegen die geplante Gesundheitsreform auf die Straße gegangen und hatten die Gesetzesänderung schließlich gekippt. Diesmal hat man vorsorglich die Öffentlichkeit erst spät informiert: „Es sollte nicht unsere Aufgabe sein, laut herumzupoltern, sondern gerade in diesem sensiblen Bereich konstruktiv zu arbeiten. Das hat uns diesmal Gesundheitsminister Alois Stöger auch ermöglicht“, erklärt Günther Wawrowsky, Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer.

Neuerungen für Patienten:

  • Gemeinschafts-Praxen: In ganz Österreich sollen Ärzte-GmbHs geschaffen werden und den Patienten so weite Wege zu Experten erspart bleiben. Durch eine bessere Vernetzung der Praxen wird künftig dem eCard-Missbrauch der Kampf angesagt.
  • Längere Öffnungszeiten: Positiver Nebeneffekt der Praxis-Zusammenschlüsse: Ärzte sollen ihren Patienten durch gemeinschaftliche Nutzung der Praxen längere und flexiblere Öffnungszeiten anbieten können.
  • Generika günstiger: Für die sogenannten Generika (billigere, wirkstoffgleiche Arzneimittel) soll künftig die Rezeptgebühr in den Apotheken von derzeit 4,90 Euro deutlich gesenkt werden. Zugleich sollen die Packungsgrößen der Medikamente reduziert und so Überschüsse verhindert werden. „Diese Maßnahme werden die Menschen dann täglich in ihren Geldbörsen spüren“, ist Ärztevertreter Wawrowsky überzeugt. Die Krankenkassen wollen so zumindest ihre explodierenden Ausgaben für Arzneimittel in den Griff kriegen: Alleine im Vorjahr wurden drei Milliarden Euro allein für Medikamente ausgegeben, immerhin 22 % der Gesamtausgaben für 2008.
  • 417 Millionen Euro Schulden. Klar ist: Das Defizit der Krankenkassen macht die rasche Umsetzung eines Reformpaketes unumgänglich. Nach aktuellen Schätzungen des Hauptverbandes werden alle Kassen heuer 98,6 Millionen Euro Schulden einfahren, im kommenden Jahr sollen die neun Gebietskrankenkassen bereits ein Minus von 417,3 Mio. Euro machen.

Kritik an den geplanten Änderungen gab es dagegen von der Apothekerkammer und der Pharmaindustrie, die nicht an den Verhandlungen teilnahmen. „Statt sich ernsthaft mit Einsparungen in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen, werden wieder einmal Reduktionen bei Ausgaben für Medikamente als Sanierungs-Allheilmittel verkauft“, so Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbandes der Pharmazeutischen Industrie.

„Das System der Krankenkassen ist veraltet. In Zukunft muss ein völlig neues System konzipiert werden“, meint Gesundheitsexperte Ernest Pichlbauer. Die Spitäler bleiben von den Reformen bisher unberührt.

Ärzte-Vize: "Wir brauchen mehr Geld"

ÖSTERREICH: Was erwarten Sie sich vom Kassen-Reformpapier?
Günther Wawrowsky: Es ist eine Basis für weitere Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und den Ärztekammern. Aber das Gesprächsklima war ausgezeichnet, es war sicherlich richtig, die Ärzte diesmal einzubinden.

Sind jetzt künftige Reformen vom Tisch?
Sicher nicht. Ärzte und Hauptverband können das Gesundheitssystem nicht retten – auch wenn unser Paket noch so gut ist.

Was heißt das?
Ein solches Paket wirkt nur kurzfristig. Lang-, ja auch mittelfristig ist ein klareres Bekenntnis der Politik zum Gesundheitssystem nötig, wie wir es derzeit haben.

Es muss also noch mehr Geld ins System?
Langfristig sicher. Die Alternative wäre, das System rigide zu rationieren, wie das in einigen europäischen Ländern schon der Fall ist.

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