12. November 2009 21:35
Christian Schörkhuber, Flüchtlingsbetreuer der Volkshilfe und Freund der
Familie Zogaj, macht sich große Sorgen um Arigona.
ÖSTERREICH: Wie hat Arigona auf den negativen Bescheid reagiert?
Christian Schörkhuber: Sie war fassungslos, verzweifelt und
ist erst einmal weinend zusammengebrochen. Aber nach ihrem Klinikaufenthalt
wegen Suizidgefahr nimmt Arigona immer noch sehr starke Medikamente, die sie
wieder heruntergeholt haben. Das hat einen schlimmeren Zusammenbruch
verhindert. Sie ging auch ganz tapfer in die Schule. Das Unfassbare ist,
dass die Familie, der Anwalt, wir alle von dem negativen Bescheid aus der
Zeitung erfahren mussten. Das ist einfach menschenverachtend!
ÖSTERREICH: Wie ging es der Familie in letzter Zeit?
Schörkhuber: Seit die Kleinen, Albin und Albona, wieder aus
dem Kosovo da waren, ging es einigermaßen. Die beiden haben sich in der
Schule wieder gut eingelebt. Aber die Unsicherheit zehrt gewaltig: Nurie
hatte ja schon mehrere Zusammenbrüche und leidet unter psychosomatischen
Lähmungen des Arms, muss starke Medikamente nehmen. Arigona war vier Wochen
lang auf einer geschlossenen Abteilung im Krankenhaus, unter anderem wegen
massiver Suizidgefahr. Das war den Beamten im Ministerium bekannt. Und
jeder, der nur ein bisschen Verstand hat, weiß, dass so eine schockierende
Meldung zu einer Kurzschlusshandlung führen kann.
ÖSTERREICH: Gibt es noch eine Chance für die Familie Zogaj?
Schörkhuber: Ich konnte den 140-Seiten-Akt noch nicht genau
analysieren. Aber: Es gibt die Möglichkeit der Berufung in der zweiten
Instanz, und die wird genutzt werden. Solange die Berufung läuft, gilt für
den Bescheid aufschiebende Wirkung.