Sonderthema:

Mongolen-Familie fleht

© Raunig

"Bitte lasst uns bleiben"

Die 14-jährige Schülerin bricht fast in Tränen aus, wenn sie über ihre verzweifelte Situation sprechen soll: „Wir lieben Österreich, fühlen uns als Kärntner, trotzdem kann es jetzt jeden Tag so weit sein, dass sie uns abholen kommen“, schluchzt Enkhmurun Lunuu im tiefsten Kärntner Dialekt im ÖSTERREICH-Gespräch.

Die Lage des Mädchens und ihrer Familie ist dramatisch: Vor sechs Jahren flüchteten die Lunuus Hals über Kopf aus der Mongolei. Grund: Vater Badrakh drohten 13 Jahre Gefängnis, weil er angeblich als Gefängniswärter zwei Häftlingen zur Flucht verhalf. „Das ist falsch“, versichert der Mann. Bei der Ankunft in Österreich 2004 machte der damals 26-Jährige einen folgenschweren Fehler: „Aus Angst habe ich einen falschen Namen angegeben.“ Die Konsequenz: Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt. Anwalt Rudolf Pototschnig hat sofort einen zweiten Antrag gestellt, will humanitäres Bleiberecht durchsetzen.

Unterstützung von Dörfler
Klar ist: Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) kommt nach dem Fall Arigona und den Komani-Zwillingen weiter unter Druck. Denn in Kärnten bildet sich bereits eine breite Front für den Verbleib der mongolischen Familie. Allen voran Landeshauptmann Gerhard Dörfler unterstützt sie: „Ich habe die Vier getroffen und einen guten Eindruck.“ Er will sich für das Bleiberecht der Familie einsetzen. ÖVP-Landesparteichef Josef Martinz: „Die ÖVP wird am Dienstag in einem Antrag bei Frau Fekter das Bleiberecht beantragen.“ Klagenfurts Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz: „Alle sind perfekt integriert. Die Kinder werden von Lehrern als Traumkinder bezeichnet.“

Besonders Enkhmurun (14) und ihre Geschwister Purewjal (8) und Bilguun (5) würden unter einer Rückkehr in die Mongolei sehr leiden, nachdem sie vor fünf Jahren bereits in Österreich einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen mussten. Damals starb Mama Selenge bei einem Autounfall.

ÖSTERREICH: Wie gehen Sie mit der drohenden Abschiebung um?

Enkhmurun: Es geht mir sehr schlecht. Ich bin nachdenklich, es ist ein schreckliches Gefühl. Ich weiß nicht, was morgen passiert. Sie können uns jeden Tag holen kommen.

ÖSTERREICH: Wissen Ihre Freunde davon?

Enkhmurun: Nur meine besten Freunde wissen Bescheid. Immer, wenn wir darüber sprechen, weinen sie. Sie fragen, was sie tun können. Das ist so lieb.

ÖSTERREICH: Haben Sie in der Mongolei überhaupt Kontakte zu jemandem?

Enkhmurun: Nein, ich habe dort keine Freunde, keine Bekannten. Ich kann auch nicht lesen und schreiben.

ÖSTERREICH: Ihr Appell an die Verantwortlichen?

Enkhmurun: Österreich ist mein Heimatland. Wir sind gut in der Schule, wollen aus unserem Leben etwas machen. Wir sind integriert. Bitte gebt uns diese Chance, dass wir wenigstens hier leben können.

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