Miese Bezahlung

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EU fordert Strafen für Macho-Firmen

Der Justizkommissarin der EU, Viviane Reding, platzte zwei Tage vor dem internationalen Frauentag der Kragen: „Es ist unglaublich. EU-weit verdienen Frauen, einfach weil sie Frauen sind, im Durchschnitt um 18 Prozent weniger. So eine Lohndifferenz kann sich Europa in der Krise nicht leisten.“

Redings spektakuläre Schlussfolgerung: Firmen, die sich nicht ans Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ halten, sollen künftig Strafe zahlen – in Schweden, wo dieses Modell schon gilt, sind das bis zu 20.000 Euro pro Unternehmen.

Heinisch-Hosek will in Österreich mitziehen
Eines der Schlusslichter in Sachen Gleichberechtigung ist dabei Österreich: Wie aus den derzeit noch unter Verschluss gehaltenen Zahlen des jüngsten Frauenberichts hervorgeht, verdienen hierzulande Frauen um stolze 31,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen im gleichen Job – besonders ärgerlich für die Frauen: Die Einkommensschere ist in den letzten zehn Jahren laut Frauenbericht noch weiter aufgegangen, statt geschlossen zu werden.

Noch in diesem Jahr will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek – ebenfalls nach schwedischem Vorbild – als ersten Schritt eine anonymisierte Gagenoffenlegung vergleichbarer Durchschnittsgehälter für bestimmte Jobs von Männern und Frauen in Unternehmen mit über 25 Mitarbeitern durchsetzen.

Zweite Etappe nach einer Testphase von etwa zwei Jahren, so der noch geheime Plan der Frauenministerin, wäre – ähnlich wie Reding es will – die Einführung von Strafzahlungen für Firmen, die sich absolut nicht ans Gleichheitsgebot halten wollen. Heinisch-Hosek kann sich dabei durchaus vorstellen, dass das schwedische Modell mit Strafen von bis zu 20.000 Euro auch in Österreich zur Anwendung kommt.

ÖVP will jetzt auch über Gagen-Strip verhandeln
Die ÖVP signalisiert dafür jetzt erstmals Gesprächsbereitschaft: VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner will Heinischs Vorschläge abwarten – und prüfen, ob diese mit der Sozialpartnerschaft akkordierbar seien. VP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm erklärte am Freitag, dass diese Einkommenstransparenz angesichts der wieder aufgehenden Einkommensschere praktisch unverzichtbar geworden sei.

Bald auch Quote für die Chefetagen?
Bei den Gagendifferenzen ist Österreich nur 25. von 27 EU-Staaten. Noch schlimmer sieht es bei den Frauenanteilen in den heimischen Topunternehmen aus: Gerade einmal 33 von 627 Geschäftsführerjobs sind von Frauen besetzt, in den Top-200-Unternehmen sind ganze 141 von 1.454 Aufsichtsratsjobs in Frauenhand – was fast null Verbesserung in den letzten Jahren darstellt.

Heinischs Resümee: „Mit Motivation allein geht es nicht, wir brauchen Frauenquoten.“

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