13. Juni 2010 19:50
Manche Schwarze nahmen es mit Humor, dass SP-Kanzler Werner Faymann
VP-Klubchef Karlheinz Kopf am roten Parteitag rüde attackierte – „solche
Leute brauchen wir nicht, die bei der Armutsbekämpfung eine Krot schlucken
müssen“. VP-Wirtschaftsbund-Chef Christoph Leitl, einer der letzten
g’standenen Großkoalitionäre, bemühte gar einen Kicker-Vergleich: „Kopf hält
das aus. Er ist als Ex-Fußballer manchen Tritt gegen das Schienbein gewöhnt.“
Auch Faymanns Forderung, dass statt seines direkten Vis-à-vis in der
Koalition, Josef Pröll, nach der nächsten Wahl ein SP-Mann Finanzminister
werden solle, wurde noch am Samstag keck abgetan: „Okay, tauschen wir halt.
Wir nehmen den Kanzler, die SP kriegt den Finanzminister.“ Man verließ sich
im Pröll-Lager darauf, dass Faymann rein rhetorisch nach links gerückt sei –
um seine tollen 93,8 Prozent Zustimmung abzuholen. Ab heute, Montag, werde
wieder „Business as usual“ herrschen.
Dachte man. Bis das ÖSTERREICH-Interview mit dem roten Landeshauptmann Franz
Voves wie eine Bombe detonierte: Dass der Steirer ganz offen über Rot-Blau
nach der Herbst-Wahl in seinem Land nachdenkt, machte die ÖVP plötzlich
hypernervös.
Schwarzer Horror vor
SP-Dauerangriff bis Herbst
Im Laufe
des Sonntags dämmerte den VP-Strategen um Josef Pröll, dass diese
Verstimmung nicht so schnell vorbeigehen würde wie das Sommergewitter beim
Kanzlerfest.
Denn, so ein VP-Insider, „Faymann sucht sein Heil in der Flucht nach vorne.
Er wird uns weiter frontal angreifen. Und keine Ruhe geben, bis die Wahlen
in Wien und in der Steiermark geschlagen sind“.
VP-General Fritz Kaltenegger ging Sonntag im ÖSTERREICH-Interview denn auch
in enger Absprache mit dem Vizekanzler zum Gegenangriff über: Der SPÖ gehe
es um „rein parteitaktisches Kalkül“, das Machterhalt um jeden Preis und
nicht das Gesamtwohl im Auge habe.
Bis zu den Wahlen in der Steiermark am 26. September und in Wien am 10.
Oktober könne das so einfach nicht weitergehen: Das Land brauche Lösungen
statt Extremismus, so die neue Parole der ÖVP, die von Faymann offenbar
völlig am falschen Fuß erwischt worden ist.
Die schönen VP-Pläne, wie man die SPÖ bei Mindestsicherung und Co. jetzt
monatelang vorführen könne, sind plötzlich Makulatur. Man steht stattdessen
mitten im Abwehrkampf gegen eine rote Dauer-Offensive.