Haiders letzte Polit-Geheimnisse

Enthüllungsbuch

Haiders letzte Polit-Geheimnisse

Lügen, vertuschen, dem politischen Gegner einen Paparazzo auf den Hals hetzen. Jörg Haiders einstiger Vertrauter Stefan Petzner hat ein Buch über den ehemaligen Kärntner Landeshauptmann geschrieben (Haiders Schatten, edition a) und damit für as Polit-Buch des Jahres geliefert. Denn Petzner enthüllt nicht nur seine eigene Arbeit als Haiders Vertrauter, sondern auch Fakten, die Haiders Schattenseiten zeigen.

Haider bunkerte Geld auf Konto in Liechtenstein

So bestätigt Haiders Ex-Sekretär nicht nur, dass dieser fix über ein Geheimkonto in Liechtenstein verfügte, sondern auch mehrmals Zahlungen von Libyens Ex-Diktator Gaddafi erhalten hatte. Auch erklärt Petzner, dass er absichtlich Nazi-Codes einsetzte, um Haider zu Wahlsiegen zu verhelfen. „Mein Job war es damals, Wählerstimmen zu maximieren“, erklärt er im Interview mit ÖSTERREICH (siehe rechts).

Auch der Tod von Jörg Haider am 11. Oktober 2008 inklusive der späteren Enthüllungen (starke Alkoholisierung, Besuch in einem Schwulenlokal) wird ausführlich thematisiert. Gerade dass Letzteres herauskommt, versuchte Petzner damals noch mit allen Mitteln zu verhindern. Ein nächtlicher Anruf bei der Justizministerin Maria Berger inbegriffen. Berger sollte den zuständigen Staatsanwalt davon abhalten, die pikanten Details bekannt zu geben. Genutzt hatte es nichts.

"Heute sehe ich Haider
 kritischer als damals"

Schmutzig auch: Um Politgegner Heinz-Christian Strache im Zaum zu halten, wurde ihm auf Ibiza sogar ein Paparazzo auf den Hals gehetzt. Das Ziel: Kompromittierende Fotos – was allerdings nicht gelang. Petzner „gesteht“ auch entwaffnend offen, für Haider gelogen oder politische Mitbewerber gezielt diffamiert zu haben.

Heute, sieben Jahre nach Haiders Tod, sieht Petzner sein ehemaliges Idol differenzierter. „Sicher hat sich meine Wahrnehmung von Jörg Haider verschoben, ich sehe ihn kritischer. Ich habe mich bemüht, seine vielen Facetten sachlich darzustellen.“

Die besten Passagen aus dem Buch von Stefan Petzner:

Stefan Petzner über Haiders letzte Stunden: „Waren die Dinge wirklich so abgelaufen, wie ich es mir zusammenreimte (Besuch in einem Schwulenlokal, Alkohol, Anmerkung), wollte ich alles tun, um die Wahrheit zu verschleiern. Ich wollte verhindern, dass wilde Spekulationen sein Erbe beschädigten. Ich würde lügen, auch wenn diese Lügen kaum halten würden.“

... über die Paparazzi-Jagd auf HC Strache: „Ich hatte im Vorfeld alles an möglichem Material gegen Strache zu recherchieren versucht. Das ging so weit, dass wir ihm in seinem Ibiza-Urlaub einen deutschen Paparazzi hinterhergeschickt hatten. Wir hatten allerdings nicht das erhoffte, komprimierende Fotomaterial bekommen, sondern bloß eine fette Rechnung.“

...über nationalsozialistische Vergleiche im Wahlkampf: „Gleichzeitig setzte ich die besonders für den österreichischen Rechtspopulismus typischen nationalsozialistischen Akzente immer skrupelloser ein. Zum Beispiel, als es Silvester 2007 in Kärntens zweitgrößter Stadt Villach zu einer Massenschlägerei zwischen Asylwerbern kam und wir jene Anti-Ausländer-Kampagne starteten, die das Monatsmagazin der Menschenrechtsorganisation »SOS Mitmensch« noch sieben Jahre danach, im Jahr 2015, als niederträchtigste in der Geschichte der Zweiten Republik bezeichnete.“

... über Geld von Gaddafi: „Der libysche Diktator gab Haider bei dessen Besuchen ein Geschenk mit. Es waren jeweils 150.000 bis 200.000 Dollar in bar, die Haider auch annahm.“

"Haider hatte auch Schatten-Seiten"

ÖSTERREICH: Was waren Haiders Schattenseiten?
Petzner: Sein größter Fehler war sein Umgang mit Landesvermögen. Ich habe das damals zwar erkannt und ihn darauf hingewiesen. Wahrscheinlich hätte ich das aber mit größerer Vehemenz machen sollen.

ÖSTERREICH: Welche Geheimnisse lüften Sie?
Petzner: Vieles, worüber bisher nur spekuliert wurde, wird beantwortet. Gab es Geheimkonten in Liechtenstein? Ja, in zweistelliger Millionenhöhe. Gab es Geld von Gaddafi? Ja, er hat kassiert wie andere Politiker auch. Drittens: Besaß er eine Ölquelle? Ja, im Irak. Schließlich beantworte ich alle Fragen über seine Todesnacht.

ÖSTERREICH: Sie kritisieren die Rechtspopulisten heftig …
Petzner: Rechtspopulisten machen durchaus Sinn, weil sie den Finger auf die richtige Wunde legen. Aber sie sollten nicht über 10 Prozent und nicht zu Regierungsverantwortung kommen. Sie sind regierungsunfähig.

ÖSTERREICH: Das gilt auch für Haider?
Petzner: Zwei Jahre nach Regierungseintritt ist die Haider-FPÖ in Knittelfeld gelandet. Das beantwortet Ihre Frage.

ÖSTERREICH: Sie gestehen in dem Buch, als Spin Doctor gelogen, Leute diffamiert und bewusst NS-Codes eingesetzt zu haben. Bereuen Sie das heute?
Petzner: Nein, mein Job war es damals, Wählerstimmen zu maximieren, da hat für uns die Koketterie mit NS-Codes dazugehört. Moralisch-ethische Diskussionen führen Philosophen, nicht Spindoktoren. Ich stehe dazu – wie zu meinen Tränen damals, auch wenn sie mir geschadet haben.

ÖSTERREICH: An die Verschwörungstheorien zu Haiders Tod glauben Sie nicht mehr?
Petzner: Sagen wir so: Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen tragischen Unfall bei überhöhter Geschwindigkeit unter Alkohol-Einfluss gehandelt hat, ist hoch. Letzte Zweifel werden aber immer bleiben. Unmittelbar vor seinem Tod hat er etwa ein brisantes Banken-Dossier erhalten. Ich gehe im Buch auch darauf ein. Und ich verstehe Leute, die Verschwörungstheorien haben. Man soll ihnen das auch nicht nehmen. Wo immer er jetzt ist – ihm würde das gefallen. Das nützt der Mythenbildung.

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