27. Februar 2010 17:51
Am Dienstag wird Barbara Rosenkranz als Hofburg-Kandidatin präsentiert — sie
soll vor allem in ländliche VP-Wählerschichten einbrechen.
Wien. Eigentlich wollte FPÖ-Chef Heinz Christian Strache bis Ende kommender
Woche alles offen halten. Zu verlockend erschien es dem blauen Parteichef,
am 25. April selbst gegen Bundespräsident Heinz Fischer in den
Wahlkampf-Ring zu steigen. Doch dann überstürzten sich am Freitag die
Ereignisse.
Freitag fiel Entscheidung für Barbara Rosenkranz
Strache
verlegte die Parteivorstandssitzung auf Dienstag vor. Und nachdem die ersten
für den FPÖ-Chef nicht eben schmeichelhaften Ergebnisse einer
ÖSTERREICH-Umfrage in FPÖ-Kreise durchgesickert waren, fiel bei den Blauen
die Entscheidung: Die niederösterreichische FPÖ-Landesrätin Barbara
Rosenkranz wird Dienstagmittag nach der Parteivorstandssitzung als
Kandidatin offiziell präsentiert. Sie hat die klare Mehrheit der
Landesparteien schon lange hinter sich und wäre schon vergangen Woche fast
gekürt worden. Doch Strache hatte noch Widerstand geleistet.
Am Ende blieb dem FPÖ-Chef aber nichts anderes übrig als aufzugeben: Die
Werte für Strache in einer FPÖ-internen Umfrage aber auch in der
ÖSTERREICH-Gallup-Erhebung waren einfach zu schwach: Nur 16 Prozent würde
der FPÖ-Chef gegen Fischer erreichen und läge damit peinlicherweise unter
den aktuellen Werten der FPÖ, die derzeit bei 22 Prozent hält. Strache wirkt
nicht wie ein Bundespräsident – entsprechend ablehnend reagieren die Wähler.
Besser also Barbara Rosenkranz, die in der 1. Umfrage gegen Fischer auf
immerhin 21 Prozent kommt und auf die Unterstützung eines
Anti-EU-Kleinformates hoffen darf.
Ihr Anti-EU-Wahlkampf soll bis zu 5 Mio. € kosten
Die
51-Jährige Mutter von 10 Kindern aus Seebarn (Bezirk Korneuburg) steht schon
voll im Wahlkampf. Seit Woche plakatiert die nö. FPÖ ihre Chefin im
Gemeinderatswahlkampf wie eine Präsidentin: „Wir sind Heimat!“ Genau das ist
der Stil, den FPÖ-Stratege Herbert Kickl für die Rosenkranz-Kampagne geplant
hat. Kosten: 3,5 Mio. € – FP-Insider rechnen sogar mit fünf Millionen Euro.
- Anti-Ausländer: Im Ton moderat fährt sie aber einen radikalen Anti-Ausländerkurs.
Motto: Am liebsten alle wieder heimschicken.
- Anti-EU: In rechten Anti-EU-Kreisen gilt sie als Heilige, stimmte sie
doch 2006 als einzige Parlamentsabgeordnete gegen den
EU-Verfassungsvertrag. Ein Angebot an VP-Wähler aus dem
EU-kritischen Westen.
- Heimat & Familie: Mit ihrem extrem konservativen Familienbild –
auch als Landesrätin bezeichnet sie sich als „Hausfrau“ –
soll Rosenkranz vor allem in ländlich-konservativen ÖVP-Kreisen
wildern und langfristig an die FPÖ binden.
Ihre Achillesferse: Rechts-rechter Ehemann Horst
Doch das Privatleben ist auch ihre Achillesferse: Sie ist verheiratet mit
Horst Jakob Rosenkranz, dessen extrem rechte Liste „Nein zur Ausländerflut“
1990 wegen NS-Wiederbetätigung von der Nationalratswahl ausgeschlossen
wurde. 1995 nannte der Autor Hans-Henning Scharsach Barbara Rosenkranz
deshalb „Kellernazi“ – und wurde 2003 vom EGMR in Straßburg vom Vorwurf
freigesprochen, dies sei verleumdend gewesen.
„Grenzen dicht – dafür trete ich ein“
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ÖSTERREICH: Sie sind schon in ganz NÖ für die
Gemeinderatswahl plakatiert. Was bewegt die Menschen? Barbara
Rosenkranz: Das Thema, das die Leute am stärksten bewegt, ist ganz
klar die Sicherheit. Das kommt immer als erstes. ÖSTERREICH:
Was können Sie den Menschen anbieten? Rosenkranz:
Ich halte nichts davon, die Dinge mit Scheuklappen zu betrachten. Die
Übergriffe sind massiv gestiegen, das ist nicht nur Einbildung. Und es
bringt nichts, wenn man meint, jeder Haushalt müsse plötzlich eine
Festung sein. Und dass wir das Problem seit den offenen Grenzen haben,
ist bekannt. ÖSTERREICH: Das ist nicht die Lösung
des Problems, sondern nur eine Feststellung… Rosenkranz:
Wir haben innerhalb des Schengenvertrages Möglichkeiten, wieder
Grenzkontrollen einzuführen. Dafür bin ich und dafür werde ich mich
einsetzen. Diese Grenzkontrollen sind eine wirksame Methode und ich
finde, es ist an der Zeit, diese auch umzusetzen. ÖSTERREICH:
Wie bei der EURO auf Zeit beschränkt? Rosenkranz:
Eine solche Möglichkeit sollte nicht nur für Großevents gelten, die
tagtägliche Sicherheit ist wichtiger. Wenn die öffentliche Ordnung
bedroht ist, kann man Grenzkontrollen temporär wieder einführen. Und
wenn ich mir ansehe, dass Banden zu uns kommen, unsere Häuser
ausrauben und wir sie dann sogar noch mit der Beute wieder nach Hause
fahren lassen müssen – das ist ja ungeheuerlich geworden. ÖSTERREICH:
Was aber, wenn Sie als Kandidatin für die Hofburg ins
Rennen geschickt werden? Enttäuschen Sie damit nicht ganz
Niederösterreich, wenn Sie sich gerade im Wahlkampf so eingebracht
haben? Rosenkranz: Dazu möchte ich mich noch nicht
äußern, die Entscheidung fällt ja erst am Dienstag. Aber klar ist,
dass ich ja nicht für die Gemeinderatswahlen kandidiere. Ich stelle
nur die Kandidaten vor und unterstütze sie. ÖSTERREICH:
Sie haben neben ihrem Job als Politikerin vor allem privat eine
außergewöhnliche Situation. Sie haben zehn Kinder. Wie geht sich das
aus neben dem Vollzeitjob in der Politik? Rosenkranz:
Die Familie kommt für mich an erster Stelle, das war bei uns immer so.
Und es ist auch nach wie vor so. Ich kann mir die Zeit einteilen, kann
mich gut organisieren, aber das ist eine klare Priorität. ÖSTERREICH:
Verliert man bei zehn Kindern nicht den Überblick? Wissen Sie die
Namen und das Alter aller Kinder so ganz spontan? RosenKranz:
(lacht) Ich weiß sogar das Geburtsgewicht, aber das wäre wohl zuviel.
Also, das sind Hedda (30), Horst (28), Arne (25), Mechthild (24),
Hildrun (22), Volker (20), Sonnhild (17), Alwine (15), Ute (13) und
der Wolf ist acht Jahre. ÖSTERREICH: Und trifft
sich diese riesige Familie eigentlich auch regelmäßig oder eben nur zu
Weihnachten? Es gibt ja nicht einmal ein aktuelles Bild von Ihrer
Familie. Rosenkranz: Ja, stimmt, es gibt nur ältere
Bilder. Aber diese Familie trifft sich jeden Sonntag. Und dabei geht
das gar nicht von uns, also meinem Mann und mir aus, sondern von den
Kindern. Das darf man nur mit Entschuldigung fehlen, so streng sind
die Kinder. ÖSTERREICH: Und Sie müssen jeden
Sonntag für die ganze große Familie kochen? Rosenkranz:
Naja, ich fange meistens am Vormittag mit den Kindern, die noch zu
Hause leben an und dann trudeln alle langsam ein und helfen natürlich
mit. Das ist nicht mit Bedienung, sondern da tut jeder was. Die
Burschen sind meistens im Service, das hat sich so eingependelt.
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Interview: Barbara Haas