Neonazis stören KZ-Gedenkfeier

In Ebensee

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Neonazis stören KZ-Gedenkfeier

Die Teilnehmer/innen, unter ihnen zahlreiche Überlebende, wurden von einer Gruppe schwarzgekleideter und mit schwarzer Maske Vermummter mit Sieg-Heil-Rufen und Hitlergruß beleidigt. Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Willi Mernyi spricht von einem unglaublichen Tabubruch: "Vor wenigen Wochen die KZ-Gedenkstätte Mauthausen geschändet, gestern ehemalige Häftlinge mit Nazi-Parolen provoziert - was kommt als nächstes?"

Mernyi, berichtete, dass sie - wie er hoffe - nur eine Attrappe eines Maschinengewehres bei sich gehabt hätten.

Grüne und BJV werden aktiv
Die Grünen sehen nun Innenministerin Maria Fekter (V) gefordert: "Wir erwarten von der Ministerin nicht nur, dass sie endlich aktiv wird, sondern generell ein entschiedenes Vorgehen der Exekutive bei derartigen Vorfällen", sagte Sozialsprecher Karl Öllinger am Sonntag.

Auch die Bundesjugendvertretung (BJV), deren Vertreter bei der Veranstaltung anwesend waren, meldete sich zu Wort. Die BJV-Vorsitzende Rodaina El Batnigi sprach von "unfassbaren Szenen" bei der Gedenkfeier. Alle politischen Kräfte seien jetzt dringend aufgefordert, zu verhindern, dass solche Vorkommnisse in Österreich möglich sind.

Dringender Appell
Umso wichtiger war das Zeichen der mehr als 7.500 Besucher/innen aus ganz Europa, der Vertreter von fünf Religionen und der Überlebenden des KZ-Mauthausen, die einen dringenden Appell an Bundespräsident Fischer und hochrangige Repräsentant/innen der Republik richteten, dass diese Maßnahmen gegen den aufkeimenden Rechtsextremismus und zunehmenden Rassismus ergreifen.

Religiöser Widerstand
Die Internationale Gedenkfeier in Erinnerung an die Befreiung des KZ-Mauthausen stand heute Sonntag, 10. Mai 2009 im Zeichen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus aus religiöser Motivation. Unter den mehr als 200.000 Häftlingen, die zwischen 1938 und 1945 in Mauthausen inhaftiert waren, befanden sich auch Tausende, die sich aufgrund ihrer religiösen Überzeugung gegen das NS-Regime aufgelehnt hatten.

Moralische Würde
Unter ihnen waren zahlreiche Zeug/innen Jehovas, die wie einer der Gedenkredner, Karl Hubmann vom Verein Lila Winkel, betonte "nicht die gewaltsame Veränderung der politischen Ordnung" zum Ziel hatten, sondern lediglich dem Gebot "Du sollst nicht töten" folgten. Obwohl nicht aus religiösen sondern aus rassischen Gründen verfolgt, war es für Jüdinnen und Juden wichtig, "Gott und sich selbst treu zu bleiben und ihre moralische Würde und jüdischen Werte auch im Angesicht des Todes und der Vernichtung zu bewahren" wie Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister hervorhob.

Fehler der Kirche
Der römisch-katholische Altbischof Maximilian Aichern und der evangelische Bischof Michael Bünker widmeten sich in ihren Reden nicht nur jenen Glaubensbrüder und -schwestern, die auch angesichts der Gefahr für das eigene Leben zu ihren christlichen Werten standen, sondern bezogen klar Stellung zu den Fehlern und Versäumnissen ihrer Kirchen. "Insgesamt hat die evangelische Kirche im Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen.

Sie hat gegen sichtbares Unrecht nicht protestiert, sie hat geschwiegen und weggeschaut, sie ist dem Rad nicht in die Speichen gefallen’" (Bischof Bünker). Beide Bischöfe betonten jedoch auch die Verantwortung, die sich daraus für die Gegenwart ergibt.

Bekämfung von Rassismus
In ihrem Appell, den die Religionsvertreter gemeinsam mit den Überlebenden des KZ-Mauthausen und dem Mauthausen Komitee Österreich als Veranstalter der Gedenkfeier, stellvertretend an die anwesenden Ehrengäste Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer, Innenministerin Dr. Maria Fekter, ÖGB-Präsident Erich Foglar und Altbischof Herwig Sturm richteten, forderten sie dazu auf, "alle Mittel und Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus auszuschöpfen, ein Klima zu schaffen, das von Respekt für alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung, Alter, Religion und Weltanschauung getragen ist, verstärkt für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung einzutreten, um eine Arbeitswelt des Miteinanders zu gestalten, für ein Klima des Verständnisses und der Toleranz zu sorgen, dafür zu sensibilisieren, dass Worte Wegbereiter für Taten werden können, und aufzuzeigen, wo die Würde des Menschen bedroht wird und ewig gestrigen Stammtischparolen und demagogischen Hetzern mutig entgegen zu treten."

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