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Pröll: Warum er nicht Präsident wird

Interview

© Kernmayer

Pröll: Warum er nicht Präsident wird

ÖSTERREICH: Wie ist das Echo auf Ihre Entscheidung, nicht als Präsident zu kandidieren, ausgefallen?

ERWIN PRÖLL: Noch positiver als ich erwartet hätte. Ich gehe unter in Anrufen und Mails, die mir alle dazu gratulieren, dass ich mich für Niederösterreich entschieden habe. Das macht Mut für die Zukunft und bestätigt mir, dass meine Entscheidung, die ich rein aus dem Herzen getroffen habe, richtig war.

ÖSTERREICH: Sind Sie persönlich froh, dass Sie sich für das Bundesland und gegen die Hofburg entschieden haben.

PRÖLL: Sehr froh – es fällt mir ein Stein vom Herzen, dass ich die aufkeimende Unsicherheit schnell beseitigen konnte. Eine monatelange Spekulation hätte dem Land nicht gut getan – jetzt kann ich mich voll auf die Herausforderungen in Niederösterreich konzentrieren. Die Zeiten sind schwierig genug.

ÖSTERREICH: Wäre es nicht möglich gewesen, als Präsident zu kandidieren und bis zur Wahl Landeshauptmann zu bleiben?

PRÖLL: Nein, für halbe Lösungen bin ich nicht zu haben. In meinem gesamten Leben bin ich immer den geraden Weg gegangen – hopp oder tropp. Wäre ich als Präsident angetreten, hätte ich den Landeschef mit Jahresende zurückgelegt.

ÖSTERREICH: Was war so reizvoll an der Idee, für die Hofburg zu kandidieren?

PRÖLL: Der Reiz lag darin, dieses Amt mit neuen Impulsen zu erfüllen. Ich habe in den letzten Monaten von vielen Bürgern die Frage gehört: Wenn dieses Amt so geführt wird wie derzeit – wofür braucht man überhaupt noch einen Bundespräsidenten? Ich bin überzeugt davon, dass wir – wenn Heinz Fischer weiter so agiert wie bisher – in ein paar Jahren eine heftige Diskussion haben werden, wofür wir in diesem Land wirklich noch einen Bundespräsidenten benötigen. Das macht mir Sorge, weil ich es gut finde, dass wir in Österreich einen Bundespräsidenten haben, der vom Volk gewählt wird und damit die Autorität hätte, in kritischen Situationen klare Worte zu sprechen – der aber auch die Verpflichtung hat, offen auf die Menschen zuzugehen, die Hofburg für die Bürger zu öffnen. Fischer versteckt sich hinter dem Protokollarischen. Man spürt, dass bei ihm der Kontakt zu den Menschen gekünstelt und nur zur Schau gestellt wird aber nicht aus dem Innersten kommt.

ÖSTERREICH: Sie wollen, dass die ÖVP für die Präsidentenwahl einen eigenen Kandidaten aufstellt?

PRÖLL: Ich spüre, dass die ÖVP derzeit in einer sehr guten Situation ist, die SPÖ dagegen mit stotterndem Motor fährt. Das Jahr 2010 wird entscheidend werden am Weg zur Kanzlerschaft – und in dieser Situation bei einer so entscheidenden bundesweiten Wahl wie der Präsidentenwahl nicht mit einem eigenen Kandidaten aufzuzeigen – das wäre für die ÖVP ein ganz schwerer Rückschlag.

ÖSTERREICH: Hat die ÖVP nach Ihrer Absage einen geeigneten Kandidaten?

PRÖLL: Die ÖVP hat exzellente Kandidaten.

ÖSTERREICH: Trauen Sie sich, Namen zu nennen?

PRÖLL: Ich möchte an erster Stelle zwei Namen nennen: Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol. Leitl wäre ein Kandidat der Wirtschaft, der ja derzeit mit dem amtierenden Bundespräsidenten schon oft auf Reisen ist – Khol wäre als Nationalratspräsident mit Fischer von Beginn an auf einer Augenhöhe und hätte zusätzlich die Unterstützung der Senioren. Andreas Khol wäre ein enorm spannender Kandidat – den hielte ich für eine exzellente Wahl. Beide könnten zeigen, wie sie beim Wahlvolk ankommen.

ÖSTERREICH: Sie haben sich in dieser Woche für einen gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten – gemeinsam mit der FPÖ – ausgesprochen.

PRÖLL: Das ist eine Möglichkeit, die spannend wäre – ein gemeinsamer bürgerlicher Kandidat. Aber persönlich glaube ich, dass zunächst jede Partei für sich einen Kandidaten überlegen und auch nominieren sollte. Die ÖVP hat mit Khol und Leitl zwei ausgezeichnete Möglichkeiten. Ich finde aber auch, dass der in dieser Woche genannte frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler ein hervorragender, weil unabhängiger Kandidat wäre. Und ich hielte auch Siegfried Dillersberger (FPÖ) für einen denkbaren bürgerlichen Kandidaten.

ÖSTERREICH: Heißt Ihre Entscheidung für Niederösterreich, dass Sie 2013 noch einmal als Landeschef antreten?

PRÖLL: Das hängt davon ab, ob mich die Wähler weiter wollen, ob mich die Partei kandidiert und ob mir der liebe Gott die Gesundheit und Kraft gibt – wenn ja, werde ich noch ein weiteres Mal als Landeshauptmann antreten, jawohl!

ÖSTERREICH: Und kandidieren Sie 2016 dann als Präsident?

PRÖLL: Das Kapitel Hofburg ist für mich abgehakt. Mit dann 69 Jahren hat man auch ein Recht an die Pension zu denken.

ÖSTERREICH: Ganz ehrlich: Hat bei Ihrer Entscheidung gegen die Kandidatur auch der Gedanke mitgespielt, dass es für Ihren Neffen dann leichter wird, Kanzler zu werden?

PRÖLL: Ehrliche Antwort: Ja, das war ein Nebengedanke. Ich bin auch zur Überzeugung gekommen, dass es im Interesse eines größeren Ganzen nötig ist, bei persönlichen Überlegungen zur Seite zu treten. Für den Josef ist eine enorm hohe Chance da, in drei Jahren Kanzler zu werden – das will ich voll und ganz unterstützen. Und für mich ist es eine Herzensangelegenheit, mit ganzer Kraft für mein Niederösterreich da zu sein. Ich habe immer mit dem Herzen entschieden - und nie nach dem Kalkül einer Karriereplanung. Ich habe für die 550.000 Niederösterreicher entschieden, die mich und die VPNÖ gewählt haben – und für meine Familie, deren Dank mir der wichtigste ist.

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