Revolte bei den Grünen Revolte bei den Grünen

Partei-Krise

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Revolte bei den Grünen

Knalleffekt wenige Wochen vor der heiß umkämpften Wien-Wahl: Grün-Politiker Stefan Schennach, 54, politisches Urgestein innerhalb der Öko-Partei (seit 23 Jahren dabei), wechselt die Farben. Aus grün wird rot! Er soll nach Konstituierung des neuen Wiener Landtages nach der Wahl am 10. Oktober auf der Vorschlagsliste der SPÖ für den Bundesrat stehen: "Bürgermeister Michael Häupl und SP-Landessekretär Christian Deutsch haben mir im Sommer den Wechsel angeboten“, sagt Schennach zu ÖSTERREICH, "jetzt nehme ich das Angebot an, werde roter Bundesrat“. Als solcher verdient er weiter 4.080 € brutto im Monat.

"Verrat" in sensiblen Zeiten
Innerhalb der Grünen-Partei sehen viele den Wechsel als "Verrat“ zu einem extrem sensiblen Zeitpunkt. Am 10. Oktober wird in Wien gewählt. Maria Vassilakou, Klub-Chefin der Grünen in Wien, steht unter Beschuss, ebenso Grün-Bundesobfrau Eva Glawischnig: "Mit Verrat hat mein Wechsel nichts zu tun“, bemüht sich Schennach um Schadensbegrenzung: "Das war eine persönliche Entscheidung, eine Art Zäsur in meinem Leben. Hier geht es um Perspektiven, um nichts anderes.“ Schennach war zu Jahresbeginn in seinem Heimatbezirk Döbling als Bezirkschef abgelöst worden: "Die sicher schmerzvollste politische Erfahrung in meinem Leben.“

Kein Anruf bei Partei-Chefin
Für die Grünen ist Schennachs Schritt ein Schlag ins Gesicht. Vor allem der Stil, wie der gebürtige Tiroler die Wende durchzog (er informierte die Parteispitze Mittwoch per Mail), irritiert die Partei: "Ich nehme die Entscheidung von Stefan Schennach zur Kenntnis. Verständnis für den plötzlichen Seitenwechsel gibt es aber keines“, sagt Maria Vassilakou: "Dieser Schritt, der ohne Vorinformation überraschend von ihm gesetzt wurde, ist persönlich enttäuschend, da mich mit ihm ein langjähriges Verhältnis der politischen Zusammenarbeit, Freundschaft und gegenseitiger Loyalität verbunden hat.“

Schennachs Wechsel ist der bisherige Höhepunkt der Wiener Grünen-Krise.

Dritter Promi-Abgang vor Wien-Wahl
Zuerst wurde in Wien-Josefstadt der grüne Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian nicht mehr zum Spitzenkandidaten gekürt. Jetzt tritt Rahdjian mit der eigenen Bezirksliste "Echt grün“ an. Ähnlich die Situation in Wien-Mariahilf: Dort rebellierten Grüne gegen die Nominierung von Noch-Gemeinderätin Susanne Jerusalem zur Spitzenkandidatin. Sie treten jetzt ebenfalls gegen die eigene Partei an.

Was also läuft falsch bei den Grünen? Schennach will zwar nicht nachtreten, ortet aber zu wenig Demut vor den Erfolgen der Altgedienten: "Politische Leistungen müssen gewürdigt werden. Das politische Leben darf nicht zu einer Lotterie gemacht werden.“

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