Stöger für Praxisjahr in Ärzteausbildung

Medizinerausbildung

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Stöger für Praxisjahr in Ärzteausbildung

Künftig sollen alle angehenden Ärzte am Beginn des Turnus ein gemeinsames Praxisjahr absolvieren. Dieses soll je sechs Monate Chirurgie und Innere Medizin umfassen und auch eine Schwerpunktausbildung in Notfallmedizin beinhalten, kündigte Gesundheitsminister Alois Stöger (S) gegenüber der APA an. Sein Modell einer "Ärzteausbildung neu" präsentierte der Minister beim heute, Donnerstag, beginnenden Kongress "Medizinerausbildung in Österreich" in Wien. Erst nach diesem etwa in Skandinavien üblichen "Common Trunk" (etwa: Gemeinsamer Stamm) sollen sich die Mediziner für eine Ausbildung zum Allgemeinarzt oder Facharzt entscheiden.

Die anschließende Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin soll dann zwei Jahre dauern und zuerst zwölf Monate in einer Krankenanstalt und danach noch einmal zwölf Monate in einer Lehrpraxis umfassen. Wer Facharzt werden will, absolviert nach dem "Common Trunk" eine - je nach Fach - höchstens fünfjährige Ausbildung in einem der Sonderfächer. Jeweils erst danach erfolgt die Approbation - ein wesentlicher Unterschied zum im Vorjahr vorgelegten Modell von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V), das bereits eine Teilapprobation nach dem Studium vorsieht. "Bei der Qualität schraube ich nicht hinunter. Das ist mit mir nicht diskutierbar", so Stöger.

"Wichtige Grundlagen"
Derzeit absolvieren Ärzte nach dem Studium entweder einen dreijährigen Turnus, nach dem sie die Arztprüfung ablegen können und damit die Approbation zum Allgemeinmediziner erlangen, oder eine bis zu sechsjährige Facharztausbildung bis zur entsprechenden Facharztprüfung. Mit der Neuregelung will Stöger sicherstellen, dass alle Ärzte "praktische Erfahrungen in den wichtigsten Grundlagen haben". Jeder Arzt dürfe Innere Medizin oder Chirurgie nicht nur theoretisch gelernt haben. "Das ist ganz zentral. Damit ist sichergestellt, dass auch ein Tropenmediziner die Grundlagen des Arztberufs beherrscht und auch etwa Ahnung von Notfallmedizin hat."

Turnusstellen besser planbar
Mit dem neuen Modell verspricht sich Stöger auch eine effizientere Nutzung der Turnusstellen. Derzeit gebe es das Problem, "dass sich in manchen Krankenanstalten der Usus eingebürgert hat, dass Ärzte zuerst eine Allgemeinausbildung machen und dann eine Facharztausbildung. Das führt dazu, dass Ausbildungsplätze nicht ideal genützt werden." Die Ärzteausbildung neu soll deshalb eine bessere Planbarkeit der Stellen bringen, um einen Flaschenhals zu verhindern. Durch die Neuregelung hätten die angehenden Ärzte bereits einjährige Erfahrung mit Patienten, bevor sie sich für den konkreten weiteren Ausbildungsweg entscheiden.

Auch für die Krankenanstalten sei das neue Modell besser planbar: Dort seien nämlich die größten Abteilungen jene für Chirurgie und Innere Medizin, womit es gerade dort die meisten Ausbildungsplätze gebe. Darüber hinaus hätten die Krankenanstalten die Chance, ihre Turnusärzte im ersten Jahr zu motivieren, in jene Fächer zu gehen, in denen sie entsprechenden Bedarf haben. "Wenn man das nicht tut, soll man nachher nicht jammern, dass man keine entsprechenden Ärzte hat."

Beim derzeitigen Turnusmodell sieht Stöger das Problem, dass es "einerseits ein Stück dem Zufall überlassen bleibt, wie der Ausbildungsweg verläuft. Ärzte sind sehr oft abhängig davon, ob sie bei einem Abteilungsleiter den entsprechenden Platz bekommen". Andererseits gebe es ein Überangebot in den großen Städten und ein Unterangebot am Land. Außerdem müsse man für eine Facharzt-Ausbildung "viele Umwege gehen" - de facto werden oft der komplette Allgemeinmedizin-Turnus oder große Teile davon für eine Facharzt-Ausbildungsstelle verlangt.

Expertenkommission
Zur Umsetzung seiner Vorschläge will Stöger eine kleine Expertenkommission mit Länder-, Sozialversicherungs- und Ärztevertretern bestellen, die innerhalb von drei Monaten die Details ausarbeiten soll. Noch in dieser Legislaturperiode sollen dann die ersten Ärzte nach dem neuen Modell ausgebildet werden. Probleme bei der Umsetzung sieht er vor allem bei der Lehrpraxis für die künftigen Allgemeinmediziner. Zwar seien sich alle klar darüber, dass eine entsprechende Aufwertung der Medizin außerhalb der Krankenanstalten auch in der Ausbildung abgebildet werden müsse - die Frage, wer das aber nun bezahlen solle, sei aber immer ein "Diskussionsthema" mit den Ländern.

Nicht hineinreden will Stöger der Wissenschaftsministerin bezüglich der Ärzteausbildung an den Unis - auch wenn diese im Vorjahr bereits Vorschläge für "seinen" Bereich der postpromotionellen Ausbildung vorgelegt hat. Vorbehalte äußerte er gegenüber medizinischen Privatuniversitäten, die "so aus dem Boden wachsen und die dann irgendwo Kompromisse in der Qualität machen". Konkret schlechte Erfahrungen habe er damit, dass "viele solcher Institutionen in die Richtung gehen, viel in Ausbildung zu investieren und weniger in Bildung".

Die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium für die EU-Kommission erstellte Studie zur Ärzteversorgung in Österreich wird laut Stöger gegen Mitte des Jahres vorliegen. Dabei zeichne sich ab, dass Österreich kein Problem mit der Deckung der Gesamtsumme der nötigen Ärzte hat - bei gewissen Ärztegruppen gebe es aber Handlungsbedarf. Größtes Problem dürfte dabei der "Flaschenhals" beim Turnus sein. "Es ist einfach nicht attraktiv, in diesem Dschungel für das Erreichen eines Ausbildungsplatzes wertvolle Zeit zu verlieren."
 

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