06. Februar 2010 21:19
Seit ÖSTERREICH von FPÖ-Chef Heinz-Christian Straches möglicher
Hofburg-Kandidatur berichtet hatte, gehen in der ÖVP die Wogen hoch.
Immerhin hat sich ÖVP-Chef Josef Pröll dazu entschlossen, keinen Kandidaten
für die Bundespräsidentenwahl am 25. April aufzustellen. Das weiß auch
Strache, der mit einer eigenen Kandidatur „erstmals in die ÖVP-Klientel
eindringen könnte“, wie es ein FP-Stratege nennt.
Nur Angst vor Wien-Neuwahl hält FP ab
Im
ÖSTERREICH-Interview sagt Strache nun erstmals: „Ich überlege eine
Hofburg-Kandidatur.“ Er selbst würde sich 30 Prozent der Stimmen
zutrauen. Stimmen, die er dann bei der Wien-Wahl im Herbst nützen könnte.
In der FPÖ gibt es freilich zwei Lager: Eine Truppe um Strache will, dass
der FPÖ-Chef selbst in den Ring steigt, um erstmals auch „staatsmännischer
auftreten zu können und neue Wählerschichten anzusprechen“, so ein FP-Mann.
Eine andere Gruppe in der FPÖ warnt Strache hingegen vor „dem Hasard“.
Sollte er unter 30 Prozent liegen, würde ihn das vor der wichtigen Wien-Wahl
„beschädigen“, befürchten die blauen Gegner einer Strache-Kandidatur.
Allerdings, berichtet ein FPÖ-Mann, habe die FP bereits abfragen lassen, wie
hoch Straches Potenzial im Duell mit Fischer wäre. Der FP-Chef habe laut
diesen Umfragen „einen Basiswert von rund 20 Prozent“ – das heißt, er könnte
auf 30 Prozent kommen.
Bekanntgabe Anfang März?
Strache selbst, so ein
FP-Vertrauter, will das Risiko eingehen und Anfang März seine Kandidatur
bekannt geben. Das Einzige, was ihn noch zurückhalte, sei die „Angst vor
einem Leger von Michael Häupl“. Sollte Strache seine Kandidatur zu früh
deklarieren, könnte der Wiener SP-Bürgermeister die Wien-Wahl einfach
vorverlegen. Und Strache könnte nicht mehr Wiener FP-Spitzenkandidat werden.
Der FPÖ-Chef hat freilich bis 26. März Zeit, seine Kandidatur zu verkünden.
Hier das ganze Interview:
ÖSTERREICH: Sie konzentrieren sich stark auf die Wien-Wahl, oder?
Heinz-Christian Strache: Häupl befindet sich jedenfalls längst im
Wahlkampf. Er betreibt Schönfärberei, obwohl er als Bürgermeister völlig
versagt hat. Daher ist die Zeit reif für einen Wechsel. Es braucht keiner
Angst vor Strache haben, außer den Bonzen und Kriminellen. Die haben allen
Grund, Angst vor mir zu haben.
ÖSTERREICH: Es haben aber weit mehr Menschen vor Ihnen Angst, wie die
Diskussionen um zehn Jahre Schwarz-Blau gezeigt haben. Nicht?
Heinz-Christian Strache: Das sind Menschen, denen die demokratische
Reife fehlt, auch anders denkende Menschen zu akzeptieren.
ÖSTERREICH: Derzeit ist Heinz Fischer immer noch der einzige Kandidat für
die Bundespräsidentenwahl. Wird die FPÖ ihm die Bühne alleine überlassen?
Heinz-Christian Strache: Sicher nicht. Es kann nicht angehen, dass
nur ein Kandidat bei so einer staatspolitisch wichtigen Wahl antritt. Die
FPÖ wird dann für die demokratiepolitische Hygiene sorgen. Wir werden
sicherstellen, dass nicht nur der rote Heinzi zur Wahl steht.
ÖSTERREICH: Die ÖVP wird jedenfalls keinen eigenen Kandidaten aufstellen.
Heinz-Christian Strache: Wenn die FPÖ einen eigenen Kandidaten
aufstellt, dann wird die ÖVP da wohl auch unter Druck kommen ...
ÖSTERREICH: Vor allem, wenn der FPÖ-Hofburg-Kandidat Strache heißt. Werden
Sie antreten?
Heinz-Christian Strache: Man soll nichts ausschließen. Wir werden
prüfen, welche Variante am besten ist. Darüber wird der FPÖ-Parteivorstand
entscheiden.
ÖSTERREICH: Und wenn der FPÖ- Parteivorstand sagt: "HC, wir wollen, dass Du
gegen Heinz Fischer antrittst"?
Heinz-Christian Strache: Dann werde ich das sehr ernsthaft überlegen.
Wir haben viele Persönlichkeiten, die wir aufstellen könnten, ehemalige
zweite und dritte Nationalratspräsidenten etwa. Wir werden gemeinsam
entscheiden, wer die besten Chancen hätte, breite Wählerkreise für die FPÖ
anzusprechen.
ÖSTERREICH: Also Strache als FP-Hofburg-Kandidat? Sie würden ja wohl die
meisten Menschen für die FPÖ ansprechen ...
Heinz-Christian Strache: (lacht) Das werden wir dann prüfen.
ÖSTERREICH: Wieviel will und kann die FP bei der Präsidentenwahl erreichen?
Heinz-Christian Strache: Wenn Fischer der einzige Kandidat ist, kann
die FPÖ sicher über 30 Prozent kommen.
ÖSTERREICH: Sie vielleicht, aber andere FP-Kandidaten?
Heinz-Christian Strache: ... würden auch über 20 Prozent kommen.