03. November 2009 13:20
Der Protest gegen die Studentenproteste, bei denen Hörsäle an allen
Universitätsstandorten Österreichs besetzt wurden, nimmt zu: Im Internet
haben sich mittlerweile rund 20.100 Nutzer des Netzwerks Facebook der Gruppe "Studieren
statt Blockieren" angeschlossen, die Gruppe der Audimax-Besetzer hält
bei rund 25.200 Fans. Studenten der Uni Innsbruck haben sich über Facebook
zusammengetan, um am Dienstagabend einen seit sechs Tagen besetzten Hörsaal
in der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Sowi) per
Plenumsbeschluss zu räumen.
Mehr Schaden als Nutzen
Die Besetzungen würden anderen Studenten
schaden, weil Vorlesungen ausfielen. Zudem hätten manche Forderungen wenig
mit Unipolitik, sondern mit gesamtgesellschaftlichen Fragen zu tun. "Man
muss sich auf das Wesentliche beschränken, sonst kommt man mit den
unispezifischen Forderungen nicht mehr durch", begründet Johannes Bauer
den Widerstand. Derzeit ist er noch Sprecher von "Studieren statt
Blockieren". Er und rund zehn weitere Personen wollen sich allerdings
wegen der vielen "niveau- und belanglosen" Forenbeiträge, die
Bauer auf den "etwas radikalen Namen" der Gruppe zurückführt,
abspalten.
Die Forderungen des Audimaxplenums kritisiert Bauer als "in ihrer
Gesamtheit sehr schwer realisierbar": Den Wunsch nach mehr Geld könne
die öffentliche Hand ohne Beschränkungen nicht erfüllen. Bauer ist auch
nicht gegen eine Wiedereinführung von Studiengebühren, wenn gleichzeitig die
Unis mehr Geld bekommen und das Stipendien- und Befreiungssystem verbessert
wird.
Eine relativ kleine Facebookgruppe mit rund 200 Mitgliedern stellt sich zwar
hinter die Audimaxbesetzung, fordert allerdings eine "Rückbesinnung auf
studentische Forderungen ohne ideologischen Beigeschmack". Derzeit
werde der Protest nämlich "von unzähligen marxistischen Sekten
dazu missbraucht, sich zu profilieren", heißt es auf der Seite von "Ideologie
- Raus aus dem Audimax!".
"Gebt die Sowi-Aula frei!" will sich durch die geplanten
Räumung des Hörsaals der Uni Innsbruck gegen eine Instrumentalisierung "von
einer kleinen, wenn auch lautstarken Gruppe, die nicht die Interessen der
Studierenden, sondern nur ihre ewiggestrige Ideologie vertritt",
wehren. Bisher haben 250 Facebook-Nutzer ihre Teilnahme um 18 Uhr
angekündigt, "falls die Besetzer wirklich so basisdemokratisch
sind, werden sie der Mehrheitsentscheidung nachgeben".