Attacke auf Israel

"Beim Essen schlug die Rakete ein"

Wieder hagelte es am Sonntag Qassam- und Fajr-5-Raketen auf Israel. Zwei Raketen konnten über Tel Aviv abgefangen werden, schwere Einschläge gab es aber in den Städten Be’er Scheva, Ashdod, Ashkelon und Sderot.
In Ashkelon traf eine Qassam-Rakete ein dreistöckiges Wohnhaus: Aleksander Leibowietz (58) saß beim Frühstück, als kurz vor acht Uhr die Sirenen heulten. Leibowietz wohnt im dritten Stock des Siedlungshauses in der Histadrutstraße. Er hat ein Hüftleiden, wusste: „Bis in den Luftschutzkeller schaffe ich es nicht.“
Ashkelon ist nur 13 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Kaum 40 Sekunden bleiben den Menschen vom Beginn des Raketenalarms bis zum Einschlag: „Ich kam gerade noch bis zu meinem Schreibtisch“, erzählte er mir, „dann hat es schon gekracht.“ Die Rakete donnerte direkt in den Wassertank am Flachdach des Gebäudes: „Der Metallkopf der Rakete durchschlug die Stahlbetondecke meines Wohnzimmers, krachte direkt in die Wohnung unter mir.“ Seit 12 Jahren werden die Bewohner hier beschossen
Leibowietz war zu geschockt, um zu schreien. Überall Staub, beißender Gestank nach Verbranntem: „Seit zwölf Jahren werden wir hier von der Hamas beschossen“, erzählte er, „jetzt hat es auch mich getroffen.“ Der Kopf der Rakete landete in der Wohnung da­runter. Im Vorzimmer von Irina Ivannikova (52): „Minuten zuvor habe ich das Haus verlassen, ich wollte zum Bus, der mich in die Arbeit bringen sollte“, schilderte sie: „Von der Busstation aus hab’ ich die Rakete gesehen, es war ein Schock.“
Direkt hinter Ashkelon (54 Kilometer südlich von Tel Aviv) beginnt die „gesperrte Zone“. In einem Umkreis von zehn Kilometern sind alle Zufahrtsstraßen zum Gazastreifen abgeriegelt. Im Minutentakt bringt die Armee schweres Kriegsgerät: Panzer, gepanzerte Caterpillar, um Straßensperren wegzuschieben.

Diashow ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl live aus Israel

Raketen zerstörten Haus

Reporter Wendl bei Opfer der Gaza-Raketen.

Bereit für eine Boden-Offensive

Reporter Karl Wendl beobachtet den Aufmarsch der israelischen Armee vor der Grenze zu Gaza.

Jugend schwört Rache

Immer heftiger wird der Ruf nach einem großen Gegenschlag.

Hier zerstörten israelische Kampfflieger ein Wohnhaus.

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Alle warten jetzt auf den Marschbefehl
In normalen Touristenbussen fahren Reservisten an die Front. 75.000 wurden in den vergangenen Tagen um Gaza zusammengezogen. Alles deutet auf den baldigen Beginn einer beschränkten Bodenoffensive hin: „Unsere Soldaten sind bereit“, sagte Premier Netanjahu. Sie warten nur mehr auf den Einsatzbefehl. Oder auf ein Einlenken der Hamas.
 

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So weit reichen die Raketen aus Gaza

5 Kinder starben bei Angriff
Die Zahl der Todesopfer schnellt in die Höhe: Seit Mittwoch starben mindestens 65 Menschen in Gaza – darunter gestern 5 Kinder.
Gaza. Es sind erschütternde Bilder: Gestern Abend flogen israelische Jets einen Angriff auf ein Wohnhaus in Gaza. Kurz darauf tauchten Fotos von fünf Kinderleichen auf. Ihre Verwandten bargen sie aus den Haus-Ruinen. Laut palästinensischen Angaben wurden bei dieser Attacke 10 Zivilisten getötet. Rauchsäulen wurden auch in der Nacht auf Sonntag über Gaza gesichtet. Die israelische Armee bombardierte unter anderem ein Medienzentrum. Im Visier waren zwei TV-Sender, die der als Terror-Organisation eingestuften Regierung Hamas nahestehen. Schlecht ausgerüstet. Große Sorgen macht sich mittlerweile auch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Viele der Verletzten seien Frauen oder Kinder. Ihre schweren Verbrennungen oder Kopfverletzungen könne man kaum behandeln. Die Ausstattung der Spitäler sei schlecht, die Arzneimittel sehr knapp.
Insgesamt steigt die Zahl der Todesopfer in Gaza auf mindestens 65 Menschen – seit Mittwoch. 900 Raketen. Gestern meldete sich ein Sprecher der Hamas: Er gab an, dass etwa 900 Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Und auch in zivilen Zielen einschlugen.

Diashow Attacke auf Israel: Das sind die Meinungen

Werner Schneyder ist berühmter Satiriker. Als Kenner analysiert er politische Vorgänge.

„Um sich nicht ständig wiederholen zu müssen, empfehle ich dringend, bei Bruno Kreisky nachzulesen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, diese große Tragödie zu beenden: die Gründung eines eigenen Staates Palästina.“

Danielle Spera war ORF-Anchor-Woman und ist Chefin des Jüdischen Museums in Wien.

„Ich bedauere natürlich das Leid auf beiden Seiten. Aber ich kenne aus persönlicher Anschauung die täglichen Erfahrungen der Bevölkerung im südlichen Israel: Kinder sind gezwungen, täglich ihre Klassenzimmer zu verlassen, um in kleinen Beton-Kämmerchen vor den Raketen Schutz zu suchen. Dass sich das ein souveräner Staat nicht länger anschaut, ist klar.“

Ex-Vizekanzler Erhard Busek

Erhard Busek war Vizekanzler und ist Präsident des Europäischen Forums Alpbach. „Es herrscht eine ungeheure Unsicherheit im gesamten arabischen Raum. Vielleicht gibt es auch ein Ablenkungsmanöver, um von den Problemen in Syrien abzulenken, und vielleicht ist sogar der Iran beteiligt. Derzeit weiß man es noch nicht genau. In jedem Fall handelt es sich hier um keinen lokalen Konflikt mehr. Aber er wird uns sicher noch einige Zeit begleiten.“

Ex-Islam-Vertreter Anas Schakfeh

Bis 2011 war Anas Schakfeh Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. „Das Problem der Region ist ein chronisches. Es geht um zwei Völker, die ein Land beanspruchen. Die Situation der Palästinenser ist bekannt: Sie haben ihre Heimat verloren und ein Großteil hat Zugeständnisse gemacht. Es ist ein Volk, das in in einem großen Gefängnis lebt. Dass es irgendwann zu Ausbrüchen kommt, war zu erwarten. Die Situation ist sehr, sehr gefährlich.“

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