Bischöfe beraten mit Papst über Eklat

Missbrauchsskandal

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Bischöfe beraten mit Papst über Eklat

Die irischen Bischöfe beraten ab Montag mit Papst Benedikt XVI. und der römischen Kurie über die Missbrauchsfälle in ihrer Ortskirche, wie Kathpress meldet. In einer zweitägigen Konferenz im Vatikan suchen sie nach Auswegen aus der Krise, in welche die irische Kirche durch den im November vorgelegten "Murphy Commission Report" geraten war.

Erzdiözese vertuschte Missbrauch
Dem Report zufolge hatte die Erzdiözese Dublin zwischen 1975 und 2004 systematisch Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche vertuscht. Zudem war zuvor bekanntgeworden, dass in Irland tausende Heimkinder bis in die 90er Jahre von Geistlichen und Ordensleuten in kirchlichen Einrichtungen des Landes gequält und vergewaltigt worden waren.

"Schockiert und beschämt"
Unmittelbar nach Vorlage des Murphy-Berichts hatte sich die irische Kirchenleitung öffentlich "schockiert und beschämt" geäußert. Sie entschuldigte sich bei den Opfern und sagte eine Aufklärung im Abstimmung mit dem Vatikan zu. Daraufhin hatte Benedikt XVI. eine Konferenz mit den Bischöfen des Landes sowie einen Brief an die Kirche in Irland angekündigt.

Taten erkennen und bereuen
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone betonte bei der Eröffnungsmesse am Montag, die "schwersten und erniedrigendsten Prüfungen für die Kirche" kämen "aus den eigenen Reihen", wenn ihre Mitarbeiter in "verabscheuungswürdigende Taten" verwickelt seien. Gefragt sei jetzt eine Erneuerung. Die Schuldigen müssten ihre Taten erkennen und bereuen. Jedoch sollte man sich in dieser Situation zugleich vor Mutlosigkeit und Verzweiflung hüten, sagte der Kardinal.

Tausende Heimkinder gequält
Die Untersuchungsberichte hatten die Kirche in Irland 2009 in eine tiefe Krise gestürzt. Der erste Report zeigte im Mai, dass in Irland von 1930 bis in die 1990er Jahre hinein tausende Heimkinder von Kirchenleuten geschlagen, kahlgeschoren, mit Feuer oder mit Wasser gequält und vergewaltigt worden waren. Sie hatten Nummern statt Namen. Manchmal waren sie so hungrig, dass sie Abfall aßen.

Vier Bischöfe zurückgetreten
Im November zeigte dann der sogenannte Murphy-Report, wie die Kirche grausame Taten und Missbrauchsfälle jahrelang systematisch unter den Teppich gekehrt hatte. Die Kirchenleitungen schwiegen demnach aus Furcht vor einem Skandal, staatliche Behörden schauten weg. Vier Bischöfe traten seitdem zurück - nach starkem öffentlichen Druck. Drei der Rücktritte muss der Papst noch akzeptieren. 

Es wird erwartet, dass der Papst zum Abschluss des Treffens oder in den nächsten Tagen ein Pastoralschreiben zu den Missbrauchsskandalen in der irischen Kirche veröffentlicht. Es wäre der erste Brief eines Papstes, der ausschließlich diesem Thema gilt. Es könnte auch sein, dass in dem Brief - im Blick z. B. auf die jüngsten Missbrauchsskandale in Jesuitenschulen in Deutschland - nicht nur die Verantwortung der Bischöfe, sondern auch der Ordensoberen ausdrücklich zur Sprache kommt.

"Nicht rein irisches Problem"
"Wir wollen, dass der Papst sich entschuldigt, nicht allgemein, sondern für das, was in Irland geschehen ist", zitierte der irische Sender RTE das Opfer Michael O'Brien. Es handle sich außerdem nicht um ein rein irisches Problem, sondern "um ein Problem der katholischen Kirche weltweit", so O'Brien. Für John Kelly vom Verband ehemaliger Missbrauchsopfer geht es auch darum, Irland "die Ehre zurückzuerstatten". Diese sei "schwer beschädigt worden durch die von einem Antichrist in den letzten 50 Jahren begangenen Grausamkeiten".

24 Bischöfe beim Papst
Insgesamt nehmen unter Leitung von Kardinal-Primas Sean Brady, dem Erzbischof von Armagh, und dem Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin 24 Bischöfe an der Konferenz mit dem Papst teil. Der Heilige Stuhl ist vertreten durch Kardinalstaatssekretär Bertone sowie durch die Präfekten der Kongregationen für die Bischöfe, für die Glaubenslehre, für den Klerus, für die Ordensleute und für das Bildungswesen. Kardinal Brady sagte unmittelbar vor Konferenzbeginn, er erwarte sich von dem Treffen "einen ersten Schritt in Richtung Reue, Erneuerung und Vergebung" in der irischen Kirche.

Der Papst selbst hatte die Fälle bereits bei einem ersten Treffen im Dezember "tief bestürzt und betrübt" verurteilt und angekündigt, dem Fall höchste Aufmerksamkeit zu widmen.

Benedikt äußerte sich während seines Pontifikats schon mehrfach unmissverständlich zum Thema Kindesmissbrauch in der Kirche. Auf seiner USA-Reise 2008 war er als erster Papst mit Opfern pädophiler Priester zusammengekommen. Ein ähnliches Treffen wie das jetzige gab es im Jahr 2002, als US-Bischöfe von Papst Johannes Paul II. vorgeladen wurden, um die Missbrauchsfälle in der amerikanischen Kirche zu diskutieren.

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