28. Juni 2010 08:10
Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, Leon Panetta, hat Schwierigkeiten beim
internationalen Einsatz in Afghanistan eingeräumt. Bei dem Einsatz am
Hindukusch gebe es Fortschritte, sagte Panetta am Sonntag dem
US-Fernsehsender ABC. Er sei aber "härter und langsamer als alle
vorausgesehen haben".
Taliban besonders gewalttätig
Panetta, der die die CIA seit
vorigem Jahr leitet, wies auf die zahlreichen Probleme in Afghanistan hin.
Es handele sich um eine Stammesgesellschaft, in der es Probleme bei der
Regierungsführung sowie mit Korruption, Drogenhandel und dem Aufstand der
radikalislamischen Taliban gebe. Die entscheidende Frage laute, ob die
Afghanen Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen wollten, fügte Panetta
hinzu.
Die Taliban seien derzeit besonders gewalttätig und verübten mehr
Bombenanschläge, die sich insbesondere gegen die internationalen Truppen in
Afghanistan richteten, sagte Panetta in dem Interview. Der diesjährige Juni
war mit fast hundert getöteten Soldaten der tödlichste Monat für die
internationalen Truppen in Afghanistan seit dem US-geführten Einmarsch Ende
2001.
Al-Kaida so schwach wie nie zuvor
Panetta hob jedoch auch Erfolge
im Kampf gegen islamische Extremisten hervor. Das Terrornetzwerk Al-Kaida,
dessen Bekämpfung ein zentrales Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan sei,
sei derzeit so schwach wie wohl nie zuvor. In Afghanistan gebe es nur noch
50 bis 100 Al-Kaida-Mitglieder, vielleicht auch weniger, sagte Panetta.
"Wir haben weiter eine Wirkung auf ihre Kommando- und Kontrollstrukturen.
Wir haben weiter eine Wirkung auf ihre Fähigkeit, Angriffe zu planen", fügte
der CIA-Chef hinzu. Zudem sei vergangenen Monat Al-Kaidas Nummer drei,
Mustafa Abu al-Yasid, getötet worden. Wenn der Druck auf das Terrornetzwerk
aufrechterhalten werde, werde es nach seiner Einschätzung auch gelingen,
Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und seinen Stellvertreter Ayman al-Zawahiri
aus ihrem Versteck zu scheuchen und sie zu verfolgen.
Keine Spur zu Osama
Doch zu bin Laden fehlt derzeit jede Spur.
"Die letzten genauen Informationen über sein Versteck aber wir in den frühen
2000er Jahren erhalten", so Panetta.
"Seitdem ist es sehr schwierig, genaue Anhaltspunkte zu erhalten", sagte er
weiter. Die meisten Al-Kaida-Kämpfer wie auch ihr Chef Osama bin Laden
halten sich nach Panettas Einschätzung in den an Afghanistan grenzenden
pakistanischen Stammesgebieten auf.
Bin Laden sehr gut versteckt
Dieses Gebiet sei "das schwierigste
der Welt", sagte der Geheimdienstchef. Bin Laden sei sehr gut versteckt und
werde durch ein massives Sicherheitsaufgebot geschützt.
Die CIA jagt nach Panettas Angaben auch weiter den jemenitischen Prediger
Anwar al-Awlaqi. Der Islamist mit US-Staatsbürgerschaft hatte kürzlich die
Muslime in der US-Armee aufgefordert, ihre nicht-muslimischen Kameraden zu
töten. Außerdem wird Awlaqi mit mehreren Anschlägen in Verbindung gebracht.
"Awlaqi ist ein Terrorist und ja, er ist ein US-Bürger, aber er ist zuerst
und vor allem ein Terrorist und wir werden ihn wie einen Terroristen
behandeln", sagte Panetta auf ABC.