Mankell: Schwere Vorwürfe gegen Israel

Gaza-Flotte gestürmt

Mankell: Schwere Vorwürfe gegen Israel

Ein hochpolitischer Auftritt in der Berliner Volksbühne mit schweren Vorwürfen gegen Israel: Der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell stellte sich Donnerstag Nachmittag als Augenzeuge der israelischen Militäraktion in Berlin den Fragen von Journalisten. "Es war weit in den internationalen Gewässern", betonte Mankell, "ungefähr zwei Stunden vor den israelischen Gewässern. Wenn sie uns wirklich nur stoppen wollten, hätten sie dies an ihrer Grenze tun können." So aber sei es ein Akt der Piraterie gewesen, ein Akt von Seeräuberei und Kidnapping.

Dass es Tote gegeben habe, habe er erst zwei Tage später auf seinem Rückflug mit der Lufthansa erfahren - einem Rückflug, den er ohne Socken antreten musste. "Denn die israelischen Soldaten haben uns alles gestohlen: die Kamera, das Telefon, das Geld, die Kreditkarten und sogar die Kleidung." Die Teilnehmer an der pro-palästinensischen Solidaritätsaktion seien regelrecht gekidnappt, nach Israel verbracht und dort zwei Tage festgehalten worden. Ihnen sei sogar Folter angedroht worden.

Soldaten töteten durch gezielte Schüsse
Sein Schiff hieß Sophia, ein kleines Schiff, auf dem unter anderen eine schwedische Ärztin und ein schwedischer Parlamentsabgeordneter der Grünen waren. Mit ihnen und rund 600 weiteren Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte wurde er ins Gefängnis gesperrt. Er könne versichern, dass es keine Waffe an Bord gegeben habe. Er hoffe eindringlich auf eine "erträgliche Lösung des unerträglichen Konflikts" im Nahen Osten, werde sich weiterhin engagieren und "hoffentlich bald wieder Gaza besuchen können". In einer Demokratie gebe es für Konfliktlösungen kein besseres Instrument als den Dialog. Den forderte Mankell auch in der israelisch-palästinensischen Frage ein.

Unmittelbar vor seinem Flug nach Berlin am Donnerstag habe er erfahren, dass manche der getöteten Teilnehmer durch gezielte Schüsse umgebracht worden seien. Als "nützlicher Idiot" oder als "naiv" wollte sich Mankell nicht bezeichnen lassen. "Aber ich akzeptiere Ihre aggressive Frage", antwortete Mankell einem Redakteur der "Welt". Die Blätter des Springer-Verlags seien die einzigen Medien Deutschlands, die Israels Aktion massiv verteidigen. "Ich bin Realist. Ich hätte erwartet, dass uns die Navy erst an der Grenze stoppen würde und die Israelis klug genug sind, keine Gewalt gegen Personen anzuwenden. Ich verstehe bis jetzt nicht, warum sie so viel Gewalt ausgeübt haben."

In den nächsten Tagen erwarte er Aufschluss darüber, was die israelische Regierung zu diesem Beschluss bewogen haben mag. "Diesmal waren es nur sechs Boote", sagte Mankell. "Was macht Israel, wenn wir das nächste Mal mit hundert Booten kommen? Bomben werfen?" Das Pressegespräch, bei dem Mankell von zwei Personenschützern begleitet war, fand kurz vor Beginn seines Berliner Auftritts im Rahmen der Lesereise für seinen neuen Wallander-Roman "Der Feind im Schatten" statt.

Mankell-Romane bald nicht mehr in hebräisch
Mankell erwägt außerdem die Übersetzung seiner Bücher ins Hebräische einzustellen. "Ich bin in Israel ein Bestseller-Autor und ich muss ernsthaft darüber nachdenken, ob ich die Übersetzung meiner Bücher ins Hebräische unterbinden sollte", sagte Mankell der Tageszeitung "Dagens Nyheter" vom Donnerstag.

Er wolle aber nicht die "falschen Leute" mit seiner Maßnahme treffen. "Das habe ich auch zu bedenken", fügte der Schriftsteller hinzu, der sich insbesondere durch seine Krimis einen Namen machte.

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