Kritik an BP:

Ölpest

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Kritik an BP: "Wissen nicht, was sie tun"

Einen Monat nach Beginn der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko erhöht die US-Regierung den Druck auf den Ölkonzern BP. Innenminister Ken Salazar äußerte am Sonntag Zweifel an der Fähigkeit des britischen Unternehmens, das Leck am Meeresgrund zu stopfen. "Vertraue ich darauf, dass sie wissen, was sie tun? Nein, nicht so ganz", sagte Salazar.

"Wenn wir herausfinden, dass sie nicht das tun, was sie tun sollen, werden wir sie beiseiteschieben und dafür sorgen, dass alles getan wird, um die Menschen an der Golfküste zu schützen", sagte der US-Innenminister weiter. Zunächst einmal sei es aber Aufgabe von BP, die Ölpest einzudämmen.

Milliarden-Beträge kommen auf BP zu
Nach den Worten Salazars erklärte sich BP bereit, für die Säuberung der Küsten mehr zu zahlen als gesetzlich vorgeschrieben. Die Höchstgrenze im US-Recht liegt bei 75 Millionen Dollar (60,7 Mio. Euro). Experten gehen mittlerweile von Milliarden-Beträgen aus, die auf BP zukommen könnten. Auch Salazar spielte auf die immensen Kosten an: "Dies ist eine existenzielle Krise für eines der größten Unternehmen der Welt."

Die Kosten für die Eindämmung der Ölpest und Entschädigungszahlungen an Küstenbewohner belaufen sich nach Angaben von BP schon jetzt auf 760 Millionen Dollar (608 Millionen Euro). Die endgültigen Ausgaben seien noch nicht abzuschätzen, erklärte der Konzern am Montag.

Pelikane mit verklebtem Gefieder
Die Explosion einer von dem britischen Konzern genutzten Bohrinsel hatte am 20. April das Leck verursacht, aus dem seither mindestens 23.000 Tonnen Öl ausgeströmt sind. Einige Experten gehen davon aus, dass bereits mehr als 40.000 Tonnen Öl ausgetreten sind, mehr als bei der bisher schwersten Ölkatastrophe in der US-Geschichte, der Havarie der "Exxon Valdez". Der Ölteppich im Golf von Mexiko erstreckt sich inzwischen über einen 240 Kilometer langen Küstenabschnitt.

In der Bataria-Bucht im US-Bundesstaat Louisiana versuchten Experten am Sonntag vergeblich, eine Gruppe von Pelikanen zu retten, deren Gefieder von Öl verklebt war. Die Ankunft der Helfer habe die Tiere dermaßen verschreckt, dass der Rettungsversuch aufgegeben werden musste, wie Stacy Shelton von der US-Behörde für Fisch und Wild mitteilte. Es sei besser, einzelne Tiere ihrem Schicksal zu überlassen, als die gesamte Kolonie aufzuscheuchen, erklärte Shelton.

BP setzt umstrittene Chemikalie wieder ein
Seit gut einer Woche wird ein Teil des Öls mit Hilfe einer Rohrleitung aus dem Bohrloch abgesaugt. Am Wochenende ging die auf diese Weise aufgefangene Ölmenge aber deutlich zurück, wie BP mitteilte. Die Ursache war zunächst unklar. Mitte nächster Woche will der Konzern versuchen, das offene Bohrloch mit Schlamm und Zement zu stopfen. Es ist aber das erste Mal, dass diese "Top Kill" genannte Methode in einer Wassertiefe von über 1.500 Metern erprobt wird. Die Erfolgschancen sind daher ungewiss.

Bis das Leck abgedichtet ist, will BP zur Bekämpfung der Ölpest weiterhin eine umstrittene Chemikalie einsetzen. Der zuständige Manager Doug Suttles widersprach einer Anordnung der US-Umweltbehörde EPA, die den Konzern am Donnerstag aufgefordert hatte, das Mittel Corexit 9500 durch andere Chemikalien zu ersetzen. Das Mittel sei die beste Lösung für den Einsatz in der Tiefe, erklärte Suttles in einem Schreiben an die EPA.

Unterdessen bot der Iran den USA erneut Hilfe an. Es sei keine große Sache, das Leck am Loch zu schließen, sagte ein hochrangiger Manager der nationalen iranischen Ölbohr-Gesellschaft. Der Iran selbst habe damit schon zu tun gehabt, vor allem nach der Bombardierung von Ölplattformen während des Kriegs mit dem Irak in den 80er Jahren. Die USA werden die Hilfe aber kaum annehmen, sind sie doch im Dauerstreit mit dem Iran über dessen Atomprogramm.

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