Ruf nach radikalen Schritten gegen Smog in China

"Wie Weltuntergang"

Ruf nach radikalen Schritten gegen Smog in China

Mit der Angst wächst die Verärgerung: Der Mega-Smog zehrt an den Nerven und der Gesundheit der 20 Millionen Pekinger. Behörden wird Unfähigkeit vorgeworfen. "Es ist wie ein langsamer Weltuntergang", findet die 24-jährige Han Songyi. Die Smogglocke verdunkelt seit Wochen den Himmel über Peking und trübt die Stimmung. "Ich bin sehr besorgt und habe das Gefühl, als wenn alle Pekinger in ein paar Jahren tot sein könnten", schildert die Bankenberaterin ihre Ängste. So schlecht sei die Luft in der Hauptstadt noch nie gewesen, ist sich die 24-Jährige mit vielen der 20 Millionen Pekingern einig. "Es ist schrecklich", sagt Han Songyi. "Am liebsten würde ich woanders hinziehen."

Das Vorgehen der Behörden gegen die Luftverschmutzung hält die Finanzexpertin für nicht sonderlich wirksam. "Der Himmel wird immer dunkler", sagt sie. "Ich habe nicht den Eindruck, als wenn die Behörden überhaupt etwas tun - zumindest sehe ich nichts." Für die Olympischen Spiele 2008 sei die Pekinger Luft mit Produktionsstopps in Fabriken und Fahrverboten für die Hälfte aller Autos sauber gemacht worden. "Ich finde, die Behörden sollten die energischen Maßnahmen von damals heute fortsetzen."

Ein Aufruf des populären Bloggers und Immobilienhändlers Pan Shiyi, ein rigoroses Luftreinhaltegesetz einzuführen, fand am Dienstag in twitterähnlichen Weibo-Diensten im Internet innerhalb von drei Stunden spontan 25.000 Unterstützer. Sie forderten autofreie Tage und die Schließung von Schulen bei Smog - ebenso höhere Grenzen für den Schadstoffausstoß von Industriebetrieben sowie eine bessere Qualität des in China stark schwefelhaltigen Benzins.

"Es wird immer schlimmer", sagt auch die 20-jährige Studentin Zhou Ziqing und fordert einschneidende Maßnahmen. Autos mit hohem Schadstoffausstoß sollten verboten werden. Auch die Emissionen der Heizkraftwerke müssten reduziert werden. "Wenn ich vor die Tür gehe, fühle ich, wie meine Haare und Kleidung schmutzig werden", schildert die Studentin. Draußen trägt sie immer eine Atemschutzmaske. "Ich habe Angst, eine Entzündung zu bekommen."

"Der kleine Feinstaub dringt in den Atemtrakt ein und verringert die Fähigkeit, Viren oder Bakterien daran zu hindern, in die Lunge zu gelangen", erläutert Li Peilan, Doktor der Notaufnahme des Boai Hospitals in der "Beijing Wanbao" die Gefahr. "Es werden täglich mehr Leute, die mit Atemweginfektionen zu uns kommen", sagt Li Peilan. "Es kommen zwei- bis dreimal mehr Patienten als sonst - besonders Kinder und Alte." Der Smog belaste den Kreislauf älterer Menschen und könne Herzmuskel-Infekte bis hin zu Herzversagen auslösen.

Den Ratschlag der Gesundheitsbehörden, besser nicht vor die Tür zu gehen, finden die Pekinger wenig praktikabel. "Wie soll ich denn nicht aus dem Haus gehen", sagt der 24-jährige Ding Nan, der in einer Werbeagentur arbeitet. "Kriege ich etwa bezahlten Urlaub?" Der 32-jährige Doktorand Kang fürchtet um seine hochschwangere Frau und das ungeborene Kind: "Wir trauen uns nicht mehr vor die Tür." Es müsse Fahrverbote geben, besonders für die vielen Regierungs- und Militärautos, fordert Kang empört. "Den Leuten einfach zu raten, daheimzubleiben, zeigt doch nur die Unfähigkeit der Regierung."

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