19. März 2010 11:43
Ein früherer US-General hat mit der Behauptung Empörung ausgelöst, das
Massaker von Srebrenica sei wegen des Einsatzes von Homosexuellen bei den
niederländischen UNO-Friedenstruppen nicht verhindert worden. Derartige
Vorwürfe des einstigen NATO-Kommandanten John Sheehan seien "völliger
Unsinn", erklärte ein Sprecher des niederländischen
Verteidigungsministeriums am Freitag in Den Haag. Auch der Botschafter der
Niederlande in Washington wies die Behauptungen im Namen seiner Regierung
zurück.
Zulassung von Homosexuellen
Sheehan hatte am Vortag bei einer
Senatsanhörung in den USA dargelegt, die Kampfmoral der niederländischen
Truppe sei wegen der Anwesenheit homosexueller Soldaten zu gering für eine
Verteidigung von Srebrenica gewesen. Der 1997 pensionierte General wurde zu
Fragen über eine mögliche Zulassung von Homosexuellen zum Dienst in den
US-Streitkräften angehört.
Die muslimische Enklave Srebrenica war 1995 im Balkan-Krieg von
niederländischen Blauhelmen überwacht worden. Sie hatten kein Kampfmandat
des Sicherheitsrates zur Verteidigung der UNO-Schutzzone. Nach
Angriffsdrohungen der bosnischen Serben zogen sich die holländischen
Blauhelmsoldaten zurück. Daraufhin eroberten bosnisch-serbische Streitkräfte
Srebrenica und töteten rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche. Die UNO
bewertet das Verbrechen als Völkermord.
"Schlichtweg albern"
Bei der Senatsanhörung erklärte
Sheehan vor laufenden Kameras, der damalige niederländische Stabschef Henk
van den Breemen habe ihm gesagt, Schwule in seiner Armee seien in Srebrenica "Teil
des Problems" gewesen. Diese Behauptung sei "schlichtweg albern",
hieß es im niederländischen Verteidigungsministern. "Das
Massaker von Srebrenica und die Rolle der UNO-Soldaten sind durch die
Niederlande, internationale Organisationen und die Vereinten Nationen
intensiv untersucht worden", sagte Ministeriumssprecher Roger van de
Wetering. "Dabei wurde niemals festgestellt, dass die sexuelle
Orientierung von Soldaten irgendeine Rolle spielte."