Nordkorea

"Seine Tage sind gezählt:" Elite wendet sich gegen irren Kim

Die nordkoreanische Führung steht nach Einschätzung eines ranghohen Überläufers vor dem Zusammenbruch: "Ich bin mir sicher, dass die Tage von (Machthaber) Kim Jong-un gezählt sind", sagte der frühere Vize-Botschafter Nordkoreas in London, Thae Yong-ho, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Die Elite des Landes wende sich zunehmend von Kim ab. "Die traditionellen Strukturen des nordkoreanischen Systems wanken."

Es geht "abwärts"
Nach Einschätzung des Ex-Diplomaten werden viele weitere Nordkoreaner die Flucht ergreifen. Es gehe "abwärts" in Nordkorea, sagte er.

Thae ist einer der ranghöchsten nordkoreanischen Überläufer seit Jahren. Er hatte sich im August in Großbritannien abgesetzt. Erleichtert wurde ihm dies dadurch, dass er seine inzwischen 19 und 26 Jahre alten Söhne nach London hatte mitnehmen dürfen. Normalerweise müssen Nordkoreaner bei Entsendungen ins Ausland ihre Kinder in der Heimat zurücklassen.

"Das Regime von Kim Jong-un missbraucht die Liebe zwischen Eltern und Kindern, um die nordkoreanischen Diplomaten zu kontrollieren", sagte Thae bei der Pressekonferenz, die unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfand.

Nach seiner Flucht wurde Thae in nordkoreanischen Medien als "menschlicher Abschaum" bezeichnet, zudem wurde er beschuldigt, Staatsgelder veruntreut, eine Minderjährige vergewaltigt und für Südkorea spioniert zu haben.

Strenge Sanktionen
Der seit fünf Jahren regierende Kim Jong-un ist nach seinem Vater und seinem Großvater der dritte Machthaber aus der Kim-Dynastie, die das kommunistische Nordkorea seit der Staatsgründung 1948 beherrscht. Der Westen wirft Pjöngjang schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Der UN-Sicherheitsrat verhängte wegen des nordkoreanischen Atomprogramms Sanktionen gegen das Land.

Kim hatte erst kürzlich in seiner Neujahrsansprache gesagt, Nordkorea sei im vergangenen Jahr zu einer Atommacht aufgestiegen. Thae sagte, die einzige Möglichkeit, die atomare Bedrohung durch Nordkorea zu beenden, sei "die Entfernung von Kim Jong-uns Regime". Der Ex-Diplomat rief zu weiteren internationalen Sanktionen gegen sein Heimatland auf und ermunterte seine Landsleute zu einem "Volksaufstand".

Laut Thae gibt es bereits eine Tendenz zu mehr Kritik an der Führung: Einst "undenkbare" gemäßigt-kritische Äußerungen seien inzwischen häufiger zu hören. Die vorsichtig eingeleiteten Wirtschaftssanktionen in Nordkorea kämen bei den einfachen Bürgern nicht an, kritisierte Thae. "Die, die ganz unten in der Nahrungskette stehen, finden das Leben viel härter."
 

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