Entführter Teenager rief in E-Mail um Hilfe

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Entführter Teenager rief in E-Mail um Hilfe

Der vier Jahre lang verschwundene US-Teenager Shawn H. hat während seiner Entführung seiner Familie eine verschlüsselte Internetbotschaft als Hilferuf geschickt. Er habe seinen Eltern unter dem Familiennamen seines Entführers ein E-Mail geschrieben, in dem er sie fragte, wie lange sie noch nach ihrem Sohn suchen würden, sagte der Jugendliche am Donnerstag in der TV-Talkshow "Oprah Winfrey". "Ich hoffte, dass würde ihnen einen Hinweis geben." Sein Stiefvater sagte, er habe nicht vermutet, dass sein Sohn der Verfasser der Nachricht war. Die Eltern gehen davon aus, dass ihr Sohn nach seiner Verschleppung sexuell missbraucht wurde.

Shawn H. sagte in der Sendung weiter, er habe außerdem ein zweites E-Mail an die Internetadresse seine Eltern gesandt, in dem er äußerte, er "möchte gerne ein Gedicht für ihren Sohn schreiben." Auf Grund einer Vereinbarung mit den Eltern fragte Winfrey nicht, warum er seine Familie nicht direkt kontaktierte, obwohl er in der Wohnung seines Entführers Zugang zu Internet und Telefon hatte. Sie habe dem Jugendlichen diese Frage ohne laufende Kamera gestellt, sagte die Talkshow-Moderatorin. Er habe darauf geantwortet, er habe "große Angst gehabt."

"Schlafen, fernsehen und Videospiele"
Vor den Zuschauern äußerte sich Shawn H. weiter zu seinem Alltag bei seinem Entführer: "Ich hatte gewisse Freiheiten". Die meiste Zeit habe er tagsüber geschlafen. "Das war das einzige Mittel, um die Zeit zu verbringen." "Schlafen, fernsehen und Videospiele spielen" seien seine Beschäftigungen gewesen. Seinen Freunden und den Nachbarn in dem Vorort von St. Louis habe er erzählt, dass er zu Hause Unterricht bekäme. Er habe jeden Tag "Gott darum gebeten, mit meiner Familie wieder vereint zu sein", sagte Shawn weiter. In Zukunft wolle er zur Schule zurückkehren, Zeit mit seiner Familie verbringen und "Autos reparieren".

Die Eltern von Shawn H., Pam und Craig Akers, erhoben in der TV-Talkshow schwere Vorwürfe gegen seinen Entführer. Auf die Frage, ob ihr Sohn sexuell missbraucht wurde, nickten beide. Ob Shawn darüber hinaus weitere körperliche Qualen habe erleiden müssen, wüssten sie nicht. Allerdings seien die seelischen Spuren der Tat spürbar: "Mental ist er nicht mehr derselbe Junge, der er mal war", sagte der Vater.

Erinnerungen an den Fall Kampusch
Shawn H. war im Jahr 2002 im Alter von elf Jahren in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri verschwunden. Er wurde vor einer Woche von der Polizei befreit. Der Fall des inzwischen 15-jährigen hat in der US-Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen, unter anderem weil er offenbar viele Gelegenheiten verstreichen ließ, andere Menschen auf seine Lage aufmerksam zu machen. In Österreich weckte er Erinnerungen an den Fall Kampusch.

In einem anderen mutmaßlichen Verschleppungsfall plädierte sein Entführer am Donnerstag auf nicht schuldig. Vor einem Richter in Franklin im Bundesstaat Missouri bestritt er, den 13 Jahre alten Ben O. entführt zu haben. Die Polizei hatte gegen den 41-Jährigen wegen des tagelangen Verschwindens von Ben ermittelt. Beim Zugriff vergangene Woche entdeckte die Polizei nicht nur diesen Burschen, sondern auch Shawn H. Die Verteidigung erklärte am Donnerstag, sie kenne noch nicht alle belastende und entlastende Details. Dem nicht vorbestraften Pizzeria-Betreiber, der nachts in einem Bestattungsunternehmen arbeitete, drohen zwischen zehn und 30 Jahren Gefängnis oder aber lebenslange Haft.

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