Keine Besserung der Luft in Peking

Millionen-Fahrverbot

© Reuters

Keine Besserung der Luft in Peking

Am ersten Tag des viertägigen Tests in Chinas Hauptstadt ging der Index für die Luftqualität am Freitag nur auf 91 Punkte zurück, während am Vortag bei normalem Verkehr noch 115 gemessen worden waren.

Umweltamt verkündete dennoch positiven Trend
"Eine ungesunde Dunstglocke hing weiter über der Hauptstadt", musste die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua feststellen, obwohl am Vormittag zunächst die Sonne durchgekommen war und das Umweltamt einen positiven Trend verkündet hatte.

Experten hatten eigentlich eine Verbesserung der Luftqualität um mehr als 40 Prozent für möglich gehalten. Doch die Wetterlage in der von Hügeln eingeschlossenen Hauptstadt erschwere den Abzug der Luftschadstoffe, wenn kein Wind wehe oder Regen falle, erläuterte der Chef des Wetteramtes, Guo Hu, die enttäuschenden Ergebnisse. Indem der Index zumindest unter 100 Punkte fiel, änderte sich die Einstufung der Luft von "leicht verschmutzt" auf "ziemlich gut".

Pekinger nahmen Fahrverbot gelassen
Die 15 Millionen Pekinger nahmen das Fahrverbot gelassen. Auch wenn die Luft nicht viel besser wurde, freuten sie sich darüber, endlich ohne sonst übliche große Staus und Verzögerungen mit Bus oder Taxi ans Ziel zu kommen. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Busse überfüllt waren, und ich habe weniger Zeit als sonst gebraucht, um an meinen Arbeitsplatz zu kommen", berichtete die Verkäuferin Du Weiran.

Um den Ansturm auf öffentliche Verkehrsmittel bewältigen zu können, waren mehr Busse und Bahnen eingesetzt und die Betriebszeiten ausgedehnt worden. Angestellte von Regierung und Behörden verschoben ihre Arbeitszeiten, um den Nahverkehr in den Hauptverkehrszeiten zu entlasten. Die Schaffnerin der Buslinie 117 zeigte sich erfreut: "Im Durchschnitt brauchen wir 50 Minuten für eine Runde, aber heute waren es selbst in der schlimmsten Stoßzeit nicht länger. Das wäre gestern unmöglich gewesen." Sie fügte hinzu: "Es wäre großartig, wenn die Regierung den Verkehr immer so einschränken würde."

Mit dem bisher umfassendsten Fahrverbot reagieren die Olympia-Organisatoren auf die wachsende internationale Besorgnis wegen der schlechten Luft in Peking. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der Belgier Jacques Rogge, hatte sich vergangene Woche in der Olympia-Stadt besorgt gezeigt und sogar eine Verschiebung von Wettbewerben in Ausdauersportarten wie Radrennen nicht mehr ausgeschlossen, wenn Smog über der Stadt hängen sollte. Während der Spiele vom 8. bis 24. August 2008 werden ähnlich weitgehende Fahrverbote gelten und zusätzlich noch eine große Zahl von Fabriken vorübergehend stillgelegt.

Nur Autos mit ungerader Nummer durften fahren
Zum Auftakt des Tests am Freitag durften nur Autos mit ungeraden Nummernschildern fahren. Am Samstag sind Fahrzeuge mit geraden Nummern an der Reihe. Während der Probephase laufen in Peking sechs olympische Testwettbewerbe im Beachvolleyball, Kanu, Radrennen, Baseball, Bogenschießen und BMX-Radsport. Ein Fahrer namens Li freute sich über die Beschränkungen: "Ich muss heute und Montag nicht arbeiten und bekomme trotzdem Gehalt. Ich spare Benzin und kann meinen Beitrag zur Verbesserung der Luft leisten."

Bei einem Verstoß gegen das Fahrverbot drohen 100 Yuan Strafe, umgerechnet zehn Euro, was der Hälfte eines Strafzettels für falsches Parken entspricht. Die Polizei legte Sonderschichten ein und kontrollierte überraschend schon ab 5.30 Uhr die Straßen. Damit hatten viele Fahrer mit geraden Autonummern nicht gerechnet, da die Verkehrspolizei sonst erst um 7.00 Uhr ihren Dienst aufnimmt. Viele wurden in der ersten Stunde des seit 6.00 Uhr geltenden Fahrverbots erwischt und zur Kasse gebeten. Viele Pekinger fuhren auch mit Kollegen im Auto zur Arbeit oder stiegen wieder auf das Fahrrad um, das auf Pekings Straßen zu alten Ehren zurückfand.

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