26. Juli 2009 14:27
Einem jungen Saudi, der sich in der Talkshow eines libanesischen
Fernsehsenders freimütig über sein Sexualleben ausließ, droht die
Todesstrafe. Der Gerichtshof in seiner Heimatstadt Dschidda erhob Anklage
gegen den bereits in Untersuchungshaft sitzenden 23-Jährigen, berichtete die
im Golfemirat Dubai erscheinende Tageszeitung "Gulfnews" am Sonntag. Der
junge Angestellte der staatlichen Fluglinie Saudi Arabian Airlines war
vergangene Woche in der für ihre ungenierte Offenheit bekannten Sendung
"Rote Linie" des Satelliten-Senders LBC aufgetreten.
In der Live-Schaltung erzählte er, wie er bereits als 14-Jähriger erstmals
Sex mit einer Nachbarin hatte. Ausführlich sprach er über Vorspiel und
Techniken beim Liebesakt und darüber, wie er mit Hilfe seines
Internet-fähigen Handys verheiratete Frauen kennenlernt und erobert. In
Saudi-Arabien, wo eine mittelalterliche Auslegung der islamischen Gesetze
alle Lebensbereiche regelt, ist all dies freilich streng verboten. Nicht
miteinander verwandte Männer und Frauen dürfen sich nicht im selben Raum
aufhalten. Frauen dürfen nur in Begleitung ihres Ehemanns, Vaters oder
Bruders auf die Straße gehen und auch nicht selbst Auto fahren.
So ist nicht nur vor- und außerehelicher Sex streng verboten, sondern auch
jegliches "ungebührliche moralische Benehmen" wie etwa das Prahlen mit den
eigenen sexuellen Abenteuern. Zur Verhaftung des offenherzig plaudernden
Casanovas kam es, nachdem 100 "besorgte" Bürger nach der Sendung eine
Petition beim Gericht in Dschidda eingereicht hatten. Die möglicherweise
fatalen Folgen seiner Auslassungen waren dem jungen Mann wohl nicht klar
gewesen.
"Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sind von schwerster Natur", zitierte
"Gulfnews" den Präsidenten des Gerichts von Dschidda, Scheich Abdulla
al-Othaim. "Sie beziehen sich auf Perversion, wiederholten Ehebruch und
offenes Reden über Sünden." Im Falle einer Verurteilung drohe dem Mann die
Todesstrafe, fügte er hinzu.