Mit 82 Jahren

Mit 82 Jahren

DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel gestorben

Der frühere DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel ist tot. Der Rechtsanwalt starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren in der Nähe von Schliersee in Oberbayern, wo er seinen Lebensabend verbracht hatte. Er erlag den Folgen einer längeren schweren Krankheit. In der Zeit der deutschen Teilung war der Jurist entscheidend daran beteiligt, dass mehr als 250.000 DDR-Bürger in den Westen konnten. Auch international machte sich Vogel als Mittelsmann beim Austausch von Top-Spionen einen Namen.

Der Anwalt war bereits seit den späten 50er Jahren als Kontaktmann zwischen der deutschen Bundesregierung in Bonn und der SED-Führung in Ost-Berlin aktiv. Für viele DDR-Bürger, die an der Grenze zwischen den beiden damaligen deutschen Staaten gestellt wurden, war Vogel die letzte Hoffnung. Insgesamt verhandelte er den Freikauf von 33.000 Häftlingen aus DDR-Gefängnissen sowie zusammen mit Kollegen die Übersiedlung von mehr als 250.000 DDR-Bürgern in den Westen.

Richtschnur war die von der DDR-Regierung vorgegebenen Devise "Menschliche Erleichterungen gegen harte D-Mark". Pro Häftling zahlte die Bundesrepublik von 1977 etwa 96.000 Mark. Vogel, geboren in Schlesien, war der persönliche Beauftragte des DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker. Beim damals üblichen Spione-Austausch der Großmächte agierte er als Unterhändler für die Kreml-Führung in Moskau. Nach eigener Erinnerung wirkte er in 150 Fällen beim Austausch von Agenten zwischen Ost und West mit.

Menschenfreund oder Menschenhändler?
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 kam Vogel selbst in große Schwierigkeiten, musste auf die Anklagebank und in Untersuchungshaft. 1992 begannen Ermittlungen wegen des Verdachts der Erpressung. Der Vorwurf lautete, Vogel habe ausreisewillige DDR-Bürger unter Druck gesetzt, ihre Häuser an Günstlinge des SED-Regimes abzugeben. Ein Staatsanwalt bezeichnete ihn als "den größten Menschenhändler unseres Jahrhunderts" Die Gerichte folgten dem nicht. Nach neunjähriger Verfahrensdauer sprach der Bundesgerichtshof Vogel endgültig frei.

Zu den vielen Fürsprechern, die dem bekennenden Katholiken in schweren Zeiten zu Seite standen, gehörte Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Der SPD-Politiker erklärte am Freitag: "Wir alle schulden ihm Dankbarkeit und Respekt." Vogel habe sich um die Freiheit vieler Deutscher verdient gemacht, die in der DDR im Gefängnis saßen. Kritisiert war Vogel zu Lebzeiten wegen seiner Beziehungen zur DDR-Staatssicherheit worden: Im August 1992 hatte der Rechtsanwalt eingeräumt, als Inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi tätig gewesen zu sein.

Foto: (c) AP

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