10. Februar 2010 19:58
Im Iran sind vor dem Jahrestag der Islamischen Revolution mehrere Menschen
festgenommen worden. Die Verdächtigen hätten Pläne geschmiedet, die für
Donnerstag angekündigten Kundgebungen der Regierung zu stören, sagte
Polizeichef Esmail Ahmadi-Moghaddam der halbamtlichen Nachrichtenagentur
Fars zufolge. Unterdessen verschärften die USA im Atomkonflikt mit dem Iran
ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik.
Iranische Oppositionspolitiker haben landesweit zu Gegendemonstrationen
aufgerufen, wenn sich die Machtübernahme im Rahmen der Revolution von 1979
jährt. Die Behörden wollen gegen regierungskritische Demonstranten hart
durchgreifen. Die USA und die Europäische Union haben in einer gemeinsamen
Erklärung zuletzt die Befürchtung geäußert, dass es am Jahrestag der
Revolution auch zu Gewalt gegen Anhänger der Opposition kommen könnte.
Polizeichef Ahmadi-Moghaddam erklärte, die Behörden seien entschlossen,
Proteste der Opposition niederzuschlagen. "Wir haben uns dafür gewappnet,
eine sichere und glorreiche Kundgebung abzuhalten", sagte er. Neben den
Revolutionsgarden würden auch Anhänger der Basij-Milizen bereitstehen und
dafür sorgen, dass "niemand Unsicherheit stiften" könne. Bei den letzten
größeren Zusammenstößen im Iran waren im Dezember mindestens acht Menschen
getötet worden.
Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll am 31. Jahrestag der Revolution in der
Hauptstadt Teheran vor Anhängern sprechen. In den vergangenen Jahren waren
zu derartigen Kundgebungen Zehntausende Menschen erschienen. Die Opposition
hat auf mehreren Internetseiten ihre Anhänger dazu aufgerufen, ebenfalls auf
die Straßen zu gehen. Der Oppositionspolitiker Mehdi Karroubi, der bei der
umstrittenen Präsidentenwahl im Juni unterlegen und lediglich auf dem
vierten Rang gelandet war, kündigte auf seiner Internetseite an, er wolle
ebenfalls an der Kundgebung in Teheran teilnehmen.
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnte im Falle
weiterer Gewalt vor einer Katastrophe in ihrem Land, die den Frieden in der
ganzen Region gefährde. Die Geduld der Iraner sei nicht unerschöpflich,
schrieb Ebadi in einem offenen Brief an die UNO-Menschenrechtskommission.
Die Regierung in Teheran rief sie dazu auf, ihren Kurs zu ändern.
Die US-Regierung verhängte am Mittwoch Strafmaßnahmen gegen vier
Tochterfirmen eines von den Revolutionsgarden betriebenen Baukonzerns und
verschärfte damit bereits bestehende Beschränkungen gegen die Elitetruppe
der Islamischen Republik und deren Firma Khatam al-Anbiya. So dürfen
US-Unternehmen keine Geschäfte mehr mit den neu gegründeten Ablegern der
Firma machen. Mögliche Vermögen der iranischen Unternehmen in den USA sollen
eingefroren werden. Auf internationaler Ebene signalisierte Russland
unterdessen seine Bereitschaft, ebenfalls schärfere Strafmaßnahmen gegen die
Islamische Republik mittragen zu wollen.
Der Iran weist den Vorwurf zurück, unter dem Deckmantel seines Atomprogramms
heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten. US-Präsident Barack Obama hat dagegen
erklärt, für ihn stehe fest, dass der Iran sich auf einen Pfad begeben habe,
der zur nuklearen Bewaffnung führen solle. Eine neue UNO-Resolution mit
Sanktionen gegen den Iran werde deshalb in wenigen Wochen stehen. Die Frage
ist allerdings, ob auch die UNO-Vetomacht China weitere Strafmaßnahmen
mittragen wird. Russland ist zumindest bereit, im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen über weitere Strafmaßnahmen zu beraten.
Der Iran strebt nach eigenen Angaben eine Uran-Anreicherung auf bis zu 20
Prozent an. Das Material soll für medizinische Zwecke in einem
Forschungsreaktor in Teheran zum Einsatz kommen. Mit einer so hohen
Anreicherung käme der Iran aber auch der Produktion von waffentauglichem
Uran einen großen Schritt näher, für das eine Anreicherung von etwa 90
Prozent nötig wäre.
Angesichts des zunehmenden internationalen Drucks schloss der Iran erneut
nicht aus, dass es doch noch zu einer Einigung über ein Angebot der
Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) zur Anreicherung iranischen Urans im
Ausland kommen könnte. "Das Abkommen liegt noch auf dem Tisch", sagte der
Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, dem staatlichen Sender
Press TV. Bisher hat der Iran aber eine Reihe von Bedingungen gestellt, die
die sogenannte Sechsergruppe aus den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland
als unannehmbar bezeichneten.