Holocaust-Leugner Williamson in London gelandet Holocaust-Leugner Williamson in London gelandet

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Holocaust-Leugner Williamson in London gelandet

Der 68-jährige gebürtige Anglikaner, der zum Katholizismus konvertiert war und 1988 von dem Konzilsgegner Erzbischof Marcel Lefebvre die Bischofsweihe empfangen hatte, kam am Morgen aus Buenos Aires am Flughafen London-Heathrow an. Williamson hatte in einem TV-Interview behauptet, dass in nazideutschen Vernichtungslagern nicht sechs Millionen Juden umgebracht worden seien, sondern maximal 300.000, davon allerdings kein einziger in Gaskammern.

Sehen Sie hier das Video aus Buenos Aires:

Ansturm von Journalisten
Umdrängt von Journalisten verschwand Bischof Williamson ohne Kommentar aus dem Flughafengebäude mit unbekanntem Ziel. Rechtliche Bedenken gegen die Einreise des Traditionalisten nach Großbritannien, wo die Holocaust-Leugnung nicht strafbar ist, gab es nicht. "Er ist ein britischer Bürger und hat sich hier nicht strafbar gemacht", hatte ein Sprecher des Innenministeriums in London gesagt. Die Pius-Bruderschaft in London wollte sich zunächst nicht zu Williamsons Ankunft äußern. Der Bischof wurde von der Pius-Bruderschaft ebenso wie vom Vatikan aufgefordert, seine Holocaust-Aussagen zu widerrufen.

Falsche Angaben
Die argentinischen Behörden hatten die Ausweisung damit begründet, dass der Geistliche bei der Einreise vor sechs Jahren falsche Angaben zu seiner geplanten Tätigkeit gemacht habe. Außerdem habe seine Holocaust-Leugnung "die argentinische Gesellschaft, die jüdische Gemeinschaft und die gesamte Menschheit zutiefst beleidigt", hatte es seitens der Regierung in Buenos Aires geheißen.

"Die Kirche hat damit nichts zu tun. Der argentinische Staat hat seine Gesetze angewendet", hatte der Sekretär der Apostolischen Signatur, Erzbischof Velasio De Paolis, gegenüber der römischen Tageszeitung "La Repubblica" betont. De Paolis stellte klar, dass die Rücknahme der Exkommunikation keinerlei "Rehabilitierung" Williamsons und der anderen lefebvristischen Bischöfe bedeutete.

Frankreich erbrachte Anzeige
In Frankreich hat die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) Anzeige gegen den 68-jährigen Briten erstattet. Dort steht die Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 1990 als spezifischer Tatbestand unter Strafe. Richter können Holocaust-Leugner bis zu einem Jahr ins Gefängnis schicken oder ihnen hohe Bußgelder auferlegen.

Williamson war am Dienstag in Buenos Aires mit einer Maschine von British Airways Richtung London gestartet.

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Der erzkonservative Geistliche traf in Begleitung zweier Männer am Flughafen Ezeiza in Buenos Aires ein, wie Bilder des Nachrichtensenders TN zeigten.

Um möglichst unerkannt zu bleiben, trug er eine dunkle Sonnenbrille und eine dunkle Baseballkappe, auf der in gelben Lettern "Sacred Heart of Jesus" gestickt war. Williamson bestieg nach Angaben eines Flughafen-Mitarbeiters eine Maschine nach London-Heathrow.

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Trotz der Tarnung mit Brille und Kappe flog er auf. Darüber sichtlich erbost drohte er mit erhobener Faust einem Journalisten.

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Einreise erlaubt
Williamson durfte nach Angaben der britischen Regierung ungehindert in seine Heimat einreisen. "Er ist ein britischer Bürger und hat sich hier nicht strafbar gemacht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in London am Dienstagabend. Auch wenn Williamson streitbare Ansichten habe, habe er nach britischem Recht keine Straftat begangen. "Wir können ihn deshalb nicht aufhalten, zurückzukommen."

Der Präsident des britischen Holocaust Educational Trust, Lord Janner, sagte: "Es wäre sehr viel besser, wenn er nicht hier wäre. Aber da er britischer Bürger ist, kann das nicht verhindert werden." Die Pius-Bruderschaft in London wollte sich am Abend nicht zu Williamson äußern.

Ultimative Aufforderung
Die Regierung in Buenos Aires hatte Williamson in der vergangenen Woche ultimativ zum Verlassen des Landes aufgefordert und zur Begründung erklärt, der Geistliche habe mit der Leugnung des Holocausts das Judentum beleidigt. Der 68-jährige Brite hatte seit 2003 im Priesterseminar in La Reja bei Buenos Aires gelebt. Die Piusbruderschaft hatte ihm die Leitung des Seminars nach eigenen Angaben Anfang Februar entzogen.

Der Obere der Piusbruderschaft für Südamerika, Christian Bouchacourt, äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die Hoffnung, dass mit Williamsons Abreise aus Argentinien "ein bisschen Ruhe" einkehre. Er bekräftigte, dass die Bruderschaft schon vor der Aufforderung der argentinischen Regierung entschieden habe, dass Williamson das Land verlassen solle.

Die Rücknahme der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Pius-Bischöfen durch Papst Benedikt XVI. Ende Jänner hatte Empörung ausgelöst. Fast zeitgleich war ein TV-Interview mit Williamson veröffentlicht worden. Darin sagt der Bischof, dass in Nazi-Lagern nicht sechs Millionen Juden ermordet wurden, sondern maximal 200.000 bis 300.000, keiner davon allerdings in Gaskammern.

Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte er sich. Er müsse erst die "Tatsachen" neu untersuchen, sagte er in einem Interview. Die Pius-Bruderschaft distanzierte sich von seinen Äußerungen zur Judenvernichtung während der Nazizeit. Allerdings werden auch der Bruderschaft antisemitische und antijudaistische Tendenzen vorgehalten

Fotos: (c) Reuters, AP, APA

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