26. Oktober 2009 18:12
Die schwarz-gelbe Koalition in Deutschland ist endgültig beschlossen. Nach
der FDP billigten am Montag auch die kleinen Parteitage von CDU und CSU die
Vereinbarung ohne Gegenstimme. Bei der CDU in Berlin enthielten sich zwei
Delegierte, bei der CSU in München war das Ergebnis sogar einstimmig. Mit
der Unterzeichnung des Vertrages wollten die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel, FDP-Chef Guido Westerwelle und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer
ihr Bündnis am Abend endgültig besiegeln.
Merkel als CDU-Parteichefin warb ebenso wie der CSU-Vorsitzende und
bayrische Ministerpräsident Seehofer nachdrücklich für die Vereinbarungen
mit den Freidemokraten. Ein FDP-Parteitag hatte dem Koalitionsvertrag
bereits am Sonntag zugestimmt. Die dreiwöchigen Verhandlungen über das neue
Regierungsbündnis waren in der Nacht auf Samstag abgeschlossen worden. In
den vergangenen vier Jahren hatten CDU und CSU in einer Großen Koalition mit
der SPD regiert.
Zukunft nicht vorhersehbar
Merkel verteidigte die geplanten
Steuerermäßigungen und den vorgesehenen starken Anstieg der Staatsschulden.
Die Wirtschaftskrise dauere an, ihr Ende sei nicht abzusehen. Selten sei die
Zukunft so wenig vorhersehbar gewesen wie jetzt. "Deshalb haben wir uns
entschlossen, einen Pfad zu gehen, der voll auf Wachstum setzt", so die
deutsche Regierungschefin. Dass dies funktioniere, sei nicht sicher. Es
biete aber die beste Chancen.
Seehofer wertete den Koalitionsvertrag als Erfolg für seine Partei. So habe
die CSU ihr zentrales Wahlversprechen rascher Steuersenkungen gehalten,
sagte Seehofer in München: "Haken dran, erledigt." Mit den Entlastungen
werde 2010 begonnen. Und im Jahr 2011 folge "eine große Steuerreform wie
selten zuvor". Das seien Steuerentlastungen, "wie wir sie nie zuvor in der
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gekannt haben".
"Jetzt geht die Arbeit los"
Zudem hob Seehofer die
geplanten Entlastungen für Familien, die Durchsetzung eines Betreuungsgeldes
und das Hilfsprogramm für die bäuerliche Landwirtschaft hervor. Auf der
anderen Seite betonte er, unsoziale Einschnitte im Arbeits- und Sozialrecht
werde es über die gesamte Legislaturperiode hinweg nicht geben.
Bei dem Kleinen Parteitag der CDU wurde vereinzelt Kritik an den
Vereinbarungen mit der FDP laut. Dabei ging es vor allem um die
Arbeitsmarkt- und die Gesundheitspolitik. Bei der FDP hatte es am Sonntag
ebenfalls eine große Mehrheit für den Koalitionsvertrag gegeben. Der
künftige Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle hatte danach
erklärt: "Jetzt geht die Arbeit für unser Land erst richtig los."
Merkel wird am Mittwoch gewählt
Zum Nachfolger Westerwelles
als Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bundestag wählten die Abgeordneten der
Partei am Montag die baden-württembergische Landesvorsitzende Birgit
Homburger. Auf die 44-Jährige entfielen 83 von 89 abgegebenen Stimmen. Es
gab vier Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.
Am Dienstag kommt in Berlin der Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung
zusammen. Merkel soll am Mittwoch zur deutschen Bundeskanzlerin gewählt
werden. Bereits am Dienstag übergibt Bundespräsident Horst Köhler den
bisherigen Bundesministern die Entlassungsurkunden. Am Mittwoch bekommen
dann nach bisheriger Planung die neuen Minister ihre Ernennungsurkunden und
werden im Bundestag vereidigt.